Einwegverpackungen verschandeln Stadtbild und Landschaft

Vermüllte Visitenkarten in Dreieich

Kein seltener Anblick: So sieht es am Wochenende häufig in der und rund um die Dreieichenhainer Altstadt aus.
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Kein seltener Anblick: So sieht es am Wochenende häufig in der und rund um die Dreieichenhainer Altstadt aus.

In der Pandemie gibt es zunehmend Klagen über die Vermüllung in den Städten. Das ist in Dreieich nicht anders, wo besonders Ausflugsziele betroffen sind,

Dreieich – Alle wollen raus. Verständlich. Bei schönem Wetter wie am Wochenende sind bestimmte Orte und Plätze in Dreieich stark frequentiert. Die Altstadt mit der Burg in Dreieichenhain, die Stangenpyramide auf der Hub oder der Bürgerpark in Sprendlingen werden dann zum Ziel unzähliger Menschen, die nach Sonnenschein und frischer Luft gieren. Leider hat dieser Freiheitsdrang oft einen sehr negativen Nebeneffekt:

An beliebten Treffpunkten stapelt sich der Müll, Pizzakartons und Kaffeebecher verschandeln das Stadtbild und die Landschaft.

In Zeiten von Corona hat der Verzehr von Speisen und Getränken aus Einwegverpackungen massiv zugenommen. Vieles wird achtlos weggeworfen. Jutta Noll und ihre beiden Kinder Jonathan (7) und Joshua (9) wollen sich damit nicht abfinden. Die Familie aus Dreieichenhain war schon dreimal mit Greifzangen unterwegs und füllte bei jedem Spaziergang mehrere Säcke mit Abfall. Besonders in der Altstadt, rund um die Burg und in der angrenzenden Feldgemarkung finden sie immer wieder massenweise Pappbecher, Eisbecher, Flaschen, Bäckertüten und Pizzaschachteln. „Seit Einführung der Maskenpflicht in der Altstadt liegen zusätzlich Masken an jeder Ecke rum“, so Jutta Noll. Ganz schlimm sei es auf dem Parkplatz am Untertor, „der von vielen scheinbar als Müllhalde missbraucht wird“. Sie fragt sich, warum manche Bänke im Feld nicht von einem Abfalleimer flankiert sind.

Mit den beiden Jungs will Noll sich weiterhin für mehr Sauberkeit engagieren. Sie hofft, dass ihre Initiative Nachahmer findet. Mit dem städtischen Dienstleistungsbetrieb hat Jutta Noll vereinbart, die gefüllten Säcke an einem bestimmten Standort zu deponieren, damit der DLB sie dort abholen kann.

Die Problematik ist auch in der Politik angekommen. Die SPD werde in ihrer digitalen Bürgersprechstunde immer wieder auf die zunehmende Vermüllung im Stadtgebiet angesprochen, so Fraktionschef Holger Dechert. „Dazu kommt, dass davon vor allem Orte betroffen sind, die eigentlich zu den Aushängeschildern unserer Stadt gehören sollten, wie die Burg oder die Stangenpyramide, der Bürgerpark oder der beliebte Aussichtspunkt für Sonnenuntergänge vor dem Bolzplatz Im Höchsten in Götzenhain.“

Dieses Problem habe es allerdings schon vor der Pandemie gegeben und die SPD befürchtet, dass der Takeaway-Trend nach Corona nicht zu Ende sein wird. „Es ist unwahrscheinlich, dass sich bei Mitnahme-Pizzerien Mehrwegverpackungen durchsetzen werden.“ Die einzige Möglichkeit, der zunehmenden Müllbelastung zu begegnen, sieht die SPD im Aufstellen größerer Mülleimer, die auch Pizzakartons aufnehmen können. Sie hat dazu einen Antrag formuliert, der auf Orte mit hohem Besucheraufkommen abzielt. Bei größeren Behältern müsse die Frequenz der Leerungen nicht erhöht werden, sodass der DLB größere Mengen mit dem vorhandenen Personal bewältigen könne.

Petra Klink hingegen ist von dieser Idee nicht überzeugt. Die Anschaffung größerer Behälter sei ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, sagt die Chefin des Dienstleistungsbetriebs und erinnert daran, dass beispielsweise im Bürgerpark und in Teilen der Sprendlinger Innenstadt gerade erst neue Abfalleimer montiert worden seien. Klink weist aber noch auf einen ganz anderen Aspekt hin. Das dann höhere Gewicht. Schon jetzt könne ein gefüllter Korb bis zu 25 Kilo wiegen, ein Mitarbeiter leere am Tag zwischen 130 und 150 Stück. „Die Kollegen wissen am Abend, was sie getan haben.“

Vor Corona seien die Behälter ausreichend gewesen, meint Petra Klink. Sie geht davon aus, dass sich die Situation nach der Pandemie wieder beruhigen wird. Im Moment häufe sich das Aufkommen vor allem über die Wochenenden. Man habe deshalb schon reagiert und den Abfuhrrhythmus an den Hotspots erhöht. In der Hainer Altstadt zum Beispiel werde nicht mehr zwei-, sondern dreimal wöchentlich geleert. Auch im Bürgerpark seien die Mitarbeiter häufiger unterwegs. Im Bereich der Straßenreinigung hat der DLB nach Klinks Worten zudem eine zusätzliche Stelle ausgeschrieben. (Von Frank Mahn)

Fleißige Müllsammler: Jonathan (links) und Joshua ärgern sich über die Vermüllung.

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