Winkelsmühle startet Veranstaltungsreihe zum bewussteren Umgang mit Lebensmitteln

Verwenden statt verschwenden

Lebensmittel zu retten ist aktiver Umweltschutz, es ist global ökonomisches und soziales Handeln. Nico Hauser Verein Foodsharing Antje Grimberg, Annette Schröder (von links, beide Winkelsmühle), Nico Hauser und Eva Goltz würden sich freuen, wenn sich in der Winkelsmühle ein Kühlschrank zum Lebensmittel retten aufstellen ließe. Foto: jost

Dreieich – Auf drei großen Tischen im Seminarraum der Begegnungsstätte Winkelsmühle stapeln sich Tomaten, Brokkoli, Salatköpfe, Avocados, Bananen, Mangos, Brötchen zum Aufbacken und Restware aus einer Bäckerei. VON NICOLE JOST

Die Lebensmittel sind reif, die Mangos verzehrbereit, die Bananen haben braune Flecken, die Avocados sind weich und die Brötchen kurz vorm Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums.

„Dieser Berg Essen ist von heute, von einer von insgesamt sieben Touren, die wir in Supermärkten gemacht haben. Die Lebensmittel sind ohne Bedenken noch essbar. Wenn wir sie nicht abgeholt hätten, wären sie in die große Tonne gewandert“, erzählt Nico Hauser, Regionalleiter des Vereins Foodsharing.

Unter dem Motto „Verwenden statt verschwenden“ lädt die Winkelsmühle zu einer vierteiligen Veranstaltungsreihe mit den Lebensmittelrettern ein. Zum Auftakt berichten Nico Hauser und seine Kollegin Eva Goltz, die für den Bereich Dreieich zuständig ist, aus ihrer Arbeit.

An die 20 Leute interessieren sich an dem Abend für das Thema. Die Zahlen, die sie hören, sind nicht neu: Rund ein Drittel aller in der Welt produzierten Lebensmittel wandern statt auf den Tisch in den Müll. Das sind 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel, erklärt Hauser, die die hungernden Menschen in der Welt drei Mal satt machen würden. Das Problem des Hungers sei aber nur eines, es sei auch ein Problem von unermesslicher Ressourcenverschwendung. Die Fläche für den Anbau und die Viehhaltung, um für den Abfall zu produzieren, umfasst 1,5 Mal die Fläche von Europa, verbraucht die zehnfache Menge an Wasser, die den Rhein hinab fließt, und verursacht die doppelte Menge an CO2-Ausstoß wie der weltweite Flugverkehr. „Lebensmittel zu retten ist aktiver Umweltschutz, es ist global ökonomisches und soziales Handeln“, betont Hauser.

Die Gründe, warum Lebensmittel im Abfall landen, seien vielfältig: 35 Prozent des angebauten Obsts und Gemüses verlassen nicht einmal die Bauernhöfe, weil sie nicht der bestimmten Norm entsprechen. „Wenn im Supermarkt bei einer Dreierpackung Paprika eine schlechte Stellen hat, fliegt das komplette Paket in die Tonne“, weiß Eva Goltz. Als Lebensmittelretterin, die mit etlichen Supermärkten in der Region kooperiert, sortiert sie die zwei Gemüsestücke direkt in ihrer Rettungskiste aus und nutzt meist auch die dritte Paprika noch, indem sie die Macke einfach raus schneidet, bevor sie diese verarbeitet. Auch Joghurt, Brot oder Einmachgemüse, das kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ist, wird in den Märkten weggeworfen. „Dabei ist dieses Datum nur ein Hinweis, ganz viele Lebensmittel sind viel länger gut genießbar und gesund“, sagt Hauser.

Die Winkelsmühle möchte etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun. „Wir träumen von einem Lebensmittel-Kühlschrank. Wir könnten gut ein Ort sein, an dem gerettete Lebensmittel verteilt werden“, ist Annette Schröder, Koordinatorin der Freiwilligenarbeit in der Winkelsmühle, überzeugt. Allerdings braucht es auch die Voraussetzung, dass es Menschen gibt, die sich um die sogenannten „Fairtailer“, so heißen die Kühlschränke, kümmern, und sich auch um die hygienischen Bedingungen sorgen. „Aus diesem Grund haben wir jetzt zunächst die Reihe aufgelegt, um umfassend zu informieren und gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Wir hatten schon vorab zwei Anrufe von Interessierten, die sich sehr gut vorstellen könnten in einer solchen Gruppe mitzuarbeiten“, freut sich Schröder.

Am Donnerstag, 12. März, folgt ein Praxis-Workshop zum Thema Einkochen und Fermentieren mit Tipps, wie man gerettete Lebensmittel haltbar machen kann. Am Donnerstag, 23. April, steht „Kochen mit Resten“ auf dem Programm. Für beide Termine ist eine Anmeldung in der Winkelmühle notwendig – gegen einen Kostenbeitrag von zwei Euro. Am Donnerstag, 14. Mai, zeigen die Foodsharer dann in der Winkelsmühle den Film „Taste the Waste“, bei dessen Dreharbeiten 2012 der Verein gegründet wurde.

Weitere Infos zu der Veranstaltungsreihe gibt es in der Winkelsmühle unter z 06103 987516 oder per Mail unter begegnungsstaette@diakonie-of.de. Infos zum Verein finden sich auf der Homepage.

" foodsharing.de

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