Unkomplizierten Zugang ermöglichen

Junge Ärzte eröffnen Impfpraxis in Dreieich

Julian und Maximilian Geis haben in der Robert-Bosch-Straße 32 in Sprendlingen ihre Impfpraxis eröffnet und sind mit dem bisherigen Zuspruch zufrieden. 
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Julian und Maximilian Geis haben in der Robert-Bosch-Straße 32 in Sprendlingen ihre Impfpraxis eröffnet und sind mit dem bisherigen Zuspruch zufrieden. 

Vielen Dreieichern ist er noch als aufstrebender junger Pianist bekannt, der auch auf Bundesebene von „Jugend musiziert“ erfolgreich war.

Dreieich - Nun ist Maximilian Geis aber in anderer Funktion in die Stadt zurückgekehrt. Nach seinem Medizinstudium hat er zusammen mit seinem Bruder Julian eine Impfpraxis in Sprendlingen eröffnet, um einen weiteren unkomplizierten Zugang zum wichtigen Piks zu ermöglichen.

Nach seinem Abitur hatte Geis sich wegen der ungewissen Zukunftsaussichten eines Berufsmusikers für das Studium der Humanmedizin entschieden. „Ich habe mich auch schon immer für die Medizin interessiert“, berichtet der junge Arzt. Während seiner Ausbildung arbeitete er auch auf einer Corona-Station und lernte so das Leiden vieler Covid-Patienten kennen. „Was ich gesehen habe, war oft nur schwer zu verkraften“, erinnert sich Geis. Und es waren nicht nur Ältere und Vorerkrankte, die schwer erkrankten und sogar ihr Leben verloren haben. Er lernte auch Leute in ihren 20ern kennen, die massiv betroffen waren und noch lange an den Spätfolgen zu tragen haben.

Geis arbeitete im Frühjahr und Sommer 2021 während der dritten Welle auf der Corona-Station der Uniklinik Mainz, als nur wenige geimpft waren. „Alle, die es damals schwer erwischt hat, waren ungeimpft.“

Deswegen macht sich der junge Mediziner für die Corona-Impfungen stark, die sich als gut wirksam erwiesen haben und schwere Krankheitsverläufe verhindern. So arbeitete er in verschiedenen Zentren und nach seiner Approbation als Impfarzt – manchmal bis zu zehn Stunden am Tag. „Ich habe wohl mehr als 1 000 Spritzen verabreicht und viele Aufklärungsgespräche geführt.“ Dadurch hat Geis die Abläufe gut kennengelernt. Schließlich kam er mit seinem Bruder, der ebenfalls seine Approbation in der Tasche hat, auf die Idee, eine eigene Impfpraxis zu eröffnen. Bei der Suche nach geeigneten Räumen wurden beide im Bürokomplex in der Robert-Bosch-Straße 32 in Sprendlingen fündig und setzten dort auf 300 Quadratmetern die gewonnenen Erfahrungen um.

Ihr Ziel ist es, eine weitere Möglichkeit zu bieten, die Corona-Impfung zu bekommen – mit schneller Terminvergabe, auch telefonisch, und ohne lange und ermüdende Wartezeiten, wie sie in den großen Zentren nicht selten sind. Wichtig ist Geis aber auch, bei Fragen jederzeit ansprechbar zu sein. Pro Stunde sind in der Praxis aktuell 48 Impfungen möglich, ein Ausbau der Kapazitäten ist denkbar. Geöffnet ist momentan täglich von 17 bis 20 Uhr, eine Ausweitung im Gespräch. Ein Plus der Lage ist auch die gute Anbindung an die Autobahn 661. Denn die Impfpraxis ist nicht nur für Dreieicher oder Leute aus dem Kreis gedacht.

Die bisherige Resonanz stimmt ihn zuversichtlich. Allein an den beiden Weihnachtsfeiertagen kamen an die 150 Personen.

Neben den Boostern bieten Maximilian und Julian Geis auch die erste und zweite Impfung an. Erfreulich ist für beide, dass es bislang auch zahlreiche Erstimpfungen gegeben hat. Geis führt das nicht zuletzt auf die gute Erreichbarkeit und den unkomplizierten Zugang zurück.

Zum Einsatz kommt überwiegend Moderna, da Biontech momentan bundesweit nur eingeschränkt zu haben ist. „Ich habe diese Woche nur 30 Dosen bekommen“, bedauert er. Ende Januar soll es da besser aussehen. Geis tritt aber Befürchtungen entgegen, dass Moderna schwerer verträglich und ein Impfstoff zweiter Wahl sei. Zu diesem Eindruck hätten die frühere Bundesregierung und der ehemalige Gesundheitsminister leider beigetragen. Dabei gebe es kaum Unterschiede zwischen den beiden mRNA-Impfstoffen, wie er versichert.

Skeptikern hält Geis Untersuchungen entgegen, dass die Impfungen schwere Verläufe verhindern und es äußerst selten schwere Nebenwirkungen gebe. Für die Sicherheit der mRNA-Stoffe spreche auch, dass sie weltweit bereits milliardenfach verwendet worden sind. Geis hofft, mit seinem Bruder noch viele zum Impfen bewegen zu können.

Und auch wenn die Musik momentan in den Hintergrund getreten ist, spielt sie für ihn weiterhin eine große Rolle. „Ich setze mich nach Möglichkeit jeden Tag ans Klavier und würde auch gerne wieder in Dreieich auftreten.“ Bereut hat Geis seine Entscheidung aber nicht. Sollte irgendwann mal die Pandemie ein Ende haben, will er im Bereich Innere Medizin tätig werden. „Es gibt aber so viel Interessantes, es ist schade, dass man sich spezialisieren muss.“

Da Geis momentan auch im Impfzentrum in Bad Homburg tätig ist, bleibt für ihn wenig Freizeit. Doch das stört ihn nicht: „Mir macht die Arbeit viel Spaß.“

Infos zur Impfpraxis

Die Impfpraxis in der Robert-Bosch-Straße 32 ist zu erreichen unter aktion.impfen-dreieich.de oder über die Hotline 0157 30668145.

Von Holger Klemm

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