Wachablösung: Dieter Zimmer verabschiedet

Martin Burlon als Bürgermeister vereidigt

Für die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Musikvereins Offenthal sind Dieter Zimmer und Martin Burlon optisch schon mal bestens vorbereitet. Vorsitzender Thomas Erb überreichte ihnen Fankappen.

Dreieich – Einen solchen Auftrieb hat das Sprendlinger Bürgerhaus lange nicht mehr erlebt. Zwei derartige Anlässe allerdings auch noch nicht. Rund 700 Gäste erleben an diesem für Dreieich historischen Abend, wie die Wachablösung im Rathaus offiziell vollzogen wird. Von Frank Mahn

Worte des Dankes und der Wertschätzung, originelle Geschenke, darunter auch musikalische, bewegende Momente mit einem emotionalen Höhepunkt als i-Tüpfelchen: Als ihm sein Nachfolger Martin Burlon die Entlassungsurkunde aushändigt, erheben sich alle im rappelvollen Saal von ihren Stühlen und applaudieren. Bestimmt zwei Minuten lang. Freude auf der einen, Wehmut auf der anderen Seite. Dieter Zimmer ist ergriffen. Der künftige Ex-Bürgermeister blinzelt ins Publikum und herzt mit Tränen in den Augen seine Lebensgefährtin Waltraud. Mit ihr kann er bald mehr Zeit verbringen, der Ruhestand beginnt in zwei Wochen – nach mehr als 40 Jahren bei der Stadt Dreieich und zwölf Jahren als deren Oberhaupt.

Kann auf keinen Fall schaden: FDP-Fraktionsvorsitzender Alexander Kowalski bescheinigte Martin Burlon, alle fachlichen Kompetenzen für sein neues Amt mitzubringen. Die Decke gab’s, weil er ein ziemlich dickes Fell brauchen werde.

Sein Nachfolger steht seit Ende Oktober fest. Mit fast 60 Prozent der Stimmen sticht Martin Burlon die Konkurrenz überraschend klar im ersten Durchgang aus und übernimmt am 14. Februar die Geschäfte. Ausgerechnet die Frau, die ihm bei der Wahl Paroli bieten wollte, aber hinter den Erwartungen blieb, nimmt dem parteilosen Ersten Stadtrat den Amtseid ab. Den hätte Stadtverordnetenvorsteherin Bettina Schmitt (CDU) nur zu gerne selbst geleistet. Doch die Dreieicher haben die Rollen anders verteilt und Burlon auf den Chefsessel befördert.

SPD-Fraktionschef Holger Dechert nimmt den neuen Verwaltungschef gleich mal in die Pflicht. „Ich freue mich auf ein ganzheitliches Stadtentwicklungskonzept und die vielen Sozialwohnungen, die wir mit ihm bauen werden.“ Die SPD, sagt er grinsend, sei die erste Fraktion gewesen, die sich für den richtigen Kandidaten entschieden habe.

Der 43-Jährige tritt, wie es so schön heißt, in große Fußstapfen. Und er übernimmt das Ruder in einer Zeit, in der es um die Dreieicher Finanzen nach vielen guten Jahren nicht mehr so rosig bestellt ist. „Es wird schwierig werden, mit knapper werdenden Ressourcen das Leistungsangebot für die Bürger zu erhalten“, weiß Zimmer nur zu gut. Er habe großes Vertrauen in seinen Nachfolger, der seine fachliche Kompetenz eindrucksvoll als Erster Stadtrat unter Beweis gestellt habe. Aber: „Du wirst niemals alle mit Deinem Tun begeistern.“ Da spricht einer aus Erfahrung.

Abschied und Neustart – da gibt es jede Menge Geschenke. Echt gut: CDU-Chef Hartmut Honka hat eine Ortstafel mit der Aufschrift „Luftkurort Bad Offenthal“ mitgebracht – in Anspielung auf die Ende 2013 eröffnete Ortsumfahrung im Stadtteil. Für Burlon hat er einen Kompass, damit er „immer den richtigen Kurs für die Stadt einschlägt“. Auch Roland Kreyscher (Grüne), Alexander Kowalski (FDP) und Marco Lang (FWG) zollen dem scheidenden Rathauschef großen Respekt, loben die faire Zusammenarbeit (Kreyscher), die Leidenschaft, mit der er sein Amt ausübte (Kowalski), die Bürgernähe und den Mut, Fehler eingestehen zu können (Lang). Burlon nennt Zimmers Werdegang und Lebensleistung eine Erfolgsgeschichte. Es sei ihm Ehre und Ansporn zugleich, sein Erbe antreten zu dürfen.

Bilder zur Amtseinführung von Bürgermeister Martin Burlon

Wer ansatzweise eine Vorstellung vom Terminkalender eines Bürgermeisters und nicht gerade diesen Berufswunsch hat, wird Burlon nicht beneiden. Da passt der Song von New Day Dawning wie die Faust aufs Auge. Mit „Atemlos durch Dreieich, bist nicht arm, bist nicht reich“ rocken Oliver Haas, Robert Cajnar und Holger Schmidt das Haus. Die Kumpels aus der Schulzeit beschallen später auch das Basement, in dem Burlon nach dem offiziellen Teil mit Freunden und Verwandten noch ein bisschen nachfeiert.

Die Liste derer, die Zimmers Arbeit würdigen, ist lang. Eigentlich soll um halb zehn Schluss sein mit den Reden, doch es wird halb elf. Aber nicht alle bedauern Zimmers Entscheidung, auf eine erneute Kandidatur verzichtet zu haben. „Wir sind ganz froh, dass Du diesen lästigen Nebenjob los bist. Jetzt kannst Du dich noch besser auf die Ansagen bei unseren Konzerten vorbereiten“, sagt Thomas Erb, Vorsitzender des Musikvereins Offenthal, und bringt damit nicht nur Zimmer zum Lachen.

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