Auf Kleidung und Bewegung kommt es an

Waldkindergarten: Es gibt immer etwas zu erkunden

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Wärmendes Feuer bei den Dreieichhörnchen Zusammenrücken am Lagerfeuer: Für die Mädchen und Jungen des Waldkindergartens ist der wöchentliche Besuch bei den Dreieichhörnchen eine willkommene Abwechslung. Ein waches Auge auf ihre Schützlinge haben Sonja Oswald (Waldkindergarten, links) und Karin Johannsmann (Dreieichhörnchen).  

Dreieich - Eisiger Wind, Glatteis, Schnee und klirrende Kälte – für ein paar Tage hat der Winter tatsächlich doch noch Einzug in unsere Gefilde gehalten. Die Vorstellung, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt für mehrere Stunden im Freien zu sein, ist da für viele ein Graus. Von Sina Gebhardt 

Aber genau das gehört im Waldkindergarten Dreieich zum Alltag, denn die Kinder sind bei Wind und Wetter draußen – und das ist längst nicht so schlimm, wie es sich die Erwachsenen vorstellen. Dick eingemummelt in Winterjacken und Wollmützen sitzen die Mädchen und Jungen auf Baumstämmen und Holzklötzen um die Feuerstelle. Die Handschuhe wurden vorerst weggepackt, denn um mit den Stöcken über der Glut zu hantieren, wären die eher hinderlich. Es ist Freitag, das heißt, wie jede Woche ist der Waldkindergarten auf der Kinder- und Jugendfarm der Dreieichhörnchen am Reuterpfad in Sprendlingen zu Besuch. Heute steht Stockbrot machen auf dem Plan – die Äste haben die Kinder vorher natürlich selbst zusammengesucht und zurechtgeschnitzt – und inzwischen zupfen sie zufrieden den fertig gebackenen Teig von den Stöcken.

„Die ersten kalten Tage waren schon eine Umstellung“, erzählt die pädagogische Fachkraft Sonja Oswald und meint halb ernst: „Aber alles über null Grad ist für uns schon fast Frühling.“ Bis zu fünf Stunden sind Kinder und Erzieher bei diesen Temperaturen draußen.

Wie das geht? „Die Kleidung macht’s“, so Oswald. Funktionsjacke, Mütze und Handschuhe seien ganz wichtig, aber natürlich auch Bewegung. „Die innere Heizung muss aktiviert werden. Wir machen Spaziergänge durch den Wald und jetzt natürlich vermehrt Bewegungsspiele, damit die Kinder warm bleiben“, erläutert die Erzieherin. Als ständige Animateurin müsse sie dabei übrigens nicht fungieren. „Dort ist eine gefrorene Pfütze zu erkunden, da ein Tier zu beobachten – es ergibt sich einfach viel.“

Für ein wärmendes Feuer sind trotzdem alle dankbar, denn das dürfte lediglich im fußläufig gelegenen Schrebergarten gemacht werden, nicht aber im Waldkindergarten. „Dorthin wird aber nur bei Schneelast ausgewichen, weil sich dann niemand auf dem Grundstück aufhalten darf“, erklärt Vorstandsmitglied Tanja Braut.

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Die Kinder- und Jugendfarm der Dreieichhörnchen kommt also gerade recht – und das nicht nur im Winter, denn hier haben die Kleinen viele Beschäftigungs- und Spielmöglichkeiten: „Die Kinder können am Hüttendorf bauen, in der Schmiede Metall bearbeiten und wer möchte, kann auch helfen, die Ställe auszumisten und die Tiere zu füttern“, beschreibt Karin Johannsmann von den Dreieichhörnchen das Angebot. Auf Anfrage wird, wie diesmal, auch der Stockbrotteig und das Feuer vorbereitet, damit dem Freiluftbacken nichts im Wege steht.

Den acht Jungen und elf Mädchen vom Waldkindergarten gefällt es und auch die Kälte scheint sie wenig zu stören. „Mir geht’s gut“ oder „Ich bewege mich“, schallt es auf die Frage, ob sie frieren, munter zurück.

Mit der richtigen Kleidung, viel Bewegung und natürlich warmem Stockbrot und heißem Tee versorgt, lassen sich eben auch die kältesten Tage gut im Freien verbringen. Doch nun sind erst einmal wieder wärmere Temperaturen angesagt und den Aktivitäten im Wald steht nichts entgegen. Um auf Anfragen von interessierten Eltern zu reagieren, bietet der Waldkindergarten voraussichtlich im April einen „Tag des offenen Waldes“. Dann können die Eltern den Kindergartenalltag selbst erleben.

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