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Warnung vor Schnellschüssen beim Hochwasserschutz in Dreieich

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Von: Frank Mahn

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Am Schwedenhaus in Sprendlingen trat der Hengstbach im Sommer bei Starkregenereignissen gleich mehrfach übers Ufer.
Am Schwedenhaus in Sprendlingen trat der Hengstbach im Sommer bei Starkregenereignissen gleich mehrfach übers Ufer. © privat

Teile von Sprendlingen und Dreieichenhain hat es im vergangenen Sommer gleich mehrfach erwischt. Starkregenereignisse ließen den Hengstbach in kürzester Zeit über die Ufer treten, das Wasser flutete zig Keller. Auch in Häusern und Erdgeschosswohnungen stand die dreckige Brühe zentimeterhoch und richtete enorme Schäden an. Nun geht es darum, mit geeigneten Maßnahmen Wiederholungen zu verhindern. Doch der Magistrat warnt vor Schnellschüssen.

Dreieich - Was kann getan werden, um Überschwemmungen solchen Ausmaßes zu verhindern? Welche Schutzvorkehrungen können getroffen werden? Auf Antworten darauf warten nicht nur die betroffenen Anwohner. Die Problematik treibt auch die Stadtverordneten um, besonders hartnäckig sind dabei die Grünen. Ihnen geht vieles zu langsam in der Verwaltung, zudem sind sie unzufrieden mit der Öffentlichkeitsarbeit des Magistrats. Zur jüngsten Sitzung des Parlaments hatte die Fraktion deshalb mehrere Anfragen an die Stadtregierung formuliert.

Die Grünen verweisen auf ein Werkstattgespräch, das Anfang Dezember online unter Beteiligung eines Ingenieurbüros stattfand. Über dessen Inhalte, Ergebnisse und Konsequenzen habe der Magistrat öffentlich nichts verlautbaren lassen, kritisiert die Öko-Partei. Wissen will sie zudem, wann die Stadtregierung die sich aus der Klimafolgenbewältigung für die Verwaltung ergebenden Aufgaben anzugehen gedenke und ob an eine Bürgerversammlung gedacht sei. Und schließlich geht es um die Umsetzung kurzfristiger Maßnahmen, um zum Beispiel die Bewohner der Liegenschaft an der Theisenmühle besser vor Überflutungen zu schützen.

Auf die Schnelle ist nach Aussage von Markus Heller kaum etwas machbar. Innerhalb weniger Wochen könne nicht aufgeholt werden, was über Jahrzehnte versäumt worden sei, so der Erste Stadtrat. Auch in dem Werkstattgespräch sei ein mehrjähriger Planungszeitraum als notwendig genannt worden. Heller: „Eine Identifizierung und Priorisierung von Maßnahmen kann erst nach einer umfassenden Bestandsaufnahme der Gewässersysteme in Dreieich erfolgen. Viele Maßnahmen werden zu Eingriffen in die Gewässer oder in den Auenbereich führen, die mit den zuständigen Behörden insbesondere im Bereich der Umweltauflagen abgestimmt und schließlich genehmigt werden müssen.“ Zudem sei es vielerorts erforderlich, Grundstücke zu kaufen. „All das wird die nächsten Jahre in Anspruch nehmen“, so der Stadtrat.

Die Aufgaben der Klimafolgenbewältigung will der Magistrat dauerhaft angehen, sobald die personellen Voraussetzungen im Rathaus geschaffen sind. Bekanntlich sollen im Fachbereich Planung und Bau zwei Stellen für den Bereich Hochwasserschutz besetzt werden. Ob eine Infoveranstaltung sinnvoll sei, lässt sich nach Hellers Worten erst absehen, wenn konkrete Vorschläge auf dem Tisch liegen.

Schnellschüssen erteilt der Erste Stadtrat eine klare Absage. Heller: „Kurzfristige, punktuelle Maßnahmen sind im Hochwasserschutz kaum möglich. Eine Verbesserung an einer einzelnen Stelle könnte zu erheblichen Problemen an anderer Stelle führen.“ Deshalb sei auch die Anregung der Grünen nicht zielführend, den Stabgitterzaun im hinteren Bereich des Schwimmbadareals zu versetzen. Heller erinnert daran, dass ein Teil des Grundstücks an der Theisenmühle im ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet des Hengstbachs liegt. Laut Wasserhaushaltsgesetz bestehe hier die Verpflichtung zur Eigenvorsorge.

Begonnen habe man in einigen Abschnitten mit der Reinigung der Gräben. Auch diese Eingriffe müssten ökologisch gesteuert werden. „Eine noch zu planende und mit den verschiedenen Behörden abzustimmende systematische Pflege in der gesamten Gemarkung ist erst mit personeller Verstärkung möglich“, sagt Heller.

Von Frank Mahn

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