Barrierefreier Umbau verzögert sich erneut

Haus Falltorweg: Warten auf den Aufzug

Die WCs sind im Keller, da führt eine Treppe runter, die recht eng ist.
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Die WCs sind im Keller, da führt eine Treppe runter, die recht eng ist.

Es ist ein wunderschönes Gebäude, aber es stammt aus einer Zeit, in der das Wort Barrierefreiheit noch nicht existierte. Deshalb will die Stadt die Buchschlager Begegnungsstätte Haus Falltorweg umbauen, damit sie auch von Menschen mit Handicap ohne Probleme genutzt werden kann. Doch eben dieser Umbau verzögert sich immer wieder, wie Bürgermeister Martin Burlon in der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten einräumen musste.

Buchschlag – Geplant ist der Anbau eines Aufzugs auf der Rückseite, denn der Veranstaltungsraum im Erdgeschoss ist nur über einige Stufen zu erreichen. Zudem ist die Toilettensituation schwierig. „Die WCs sind im Keller, da führt eine Treppe runter, die recht eng ist“, schildert Ellen Grohe die Situation. Nicht nur die Leiterin des städtischen Fachbereichs Soziales, Schule und Integration hofft seit Längerem, dass hier Abhilfe geschaffen wird.

Doch die Sache zieht sich. Aus verschiedenen Gründen wurde das auf 120 000 Euro taxierte Projekt seit 2017 mehrfach verschoben. Die SPD fasste vor Kurzem im Parlament nach und wollte vom Magistrat unter anderem wissen, wann mit einem Baubeginn beziehungsweise der Fertigstellung zu rechnen sei. Diese habe die Stadtregierung im März vergangenen Jahres fürs Frühjahr 2020 in Aussicht gestellt.

Die Antworten des Magistrats fielen ernüchternd aus. Es habe sich herausgestellt, dass der Anbau in seiner geplanten Ausführung einen solch relevanten Eingriff in das Bestandsgebäude darstellt, dass nach der Hessischen Bauordnung ein Brandschutzkonzept erforderlich sei. Zudem habe die mit dem Projekte befasste Mitarbeiterin der DreieichBau sich beruflich neu orientiert. Damit, so Rathauschef Burlon, „war der angekündigte Zeitplan nicht mehr zu halten“. Mittlerweile habe ein Ingenieurbüro ein Konzept erstellt, das in den Bauantrag eingearbeitet werde. Er soll nach Burlons Worten „in Kürze“ eingereicht werden. Ein Baubeginn könne erst 2021 erfolgen, einen „belastbaren“ Fertigstellungstermin konnte der Bürgermeister nicht nennen.

Mithin müssen sich die Nutzer des Hauses Falltorweg weiter in Geduld üben. Das Haus der Generationen, wie es auch genannt wird, tastet sich derweil wieder in den Betrieb hinein. Schritt für Schritt öffnet die Begegnungsstätte nach der Coronapause ihre Pforten, natürlich unter Beachtung der Coronaregeln, wie Heinz Mahr vom ehrenamtlichen Helferteam sagt. Der Pandemiestab der Stadt habe das Hygienekonzept abgesegnet. Zur Wiedereröffnung laufen zunächst bei vier Freizeitgruppen mit kleiner Teilnehmeranzahl die Treffen an. Die Yoga-Gruppe wird im Garten mit gebotenem Abstand trainieren, auch der Film- und Videoclub hat seine Treffen wieder aufgenommen, vorerst allerdings nur einmal im Monat. Die Familienforscher und die Smartphone-Kurse (für Einsteiger und Fortgeschrittene) nutzen den Veranstaltungsraum.

„Alle Gruppenleiter wurden hinsichtlich der gesetzlichen Hygiene- sowie der hausinternen Regeln und Vorschriften informiert und sind verantwortlich für deren Einhaltung“, berichtet Heinz Mahr. Zu den Vorgaben gehören das Abstandsgebot und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Gemütlichkeit und Atmosphäre ließen deshalb zwar noch zu wünschen übrig, aber die Gruppen seien froh, sich nach der langen Pause überhaupt wiedersehen zu können, so Mahr. Veranstaltungen mit Publikum sind bis zum Jahresende nicht in Sicht, auch keine Feierlichkeiten.

Doch es gibt eine Art kulturellen „Lieferservice“. In einem Projekt mit dem Schauspieler Detlev Nyga, der ein Stammpublikum im Haus hat, haben Werner Orth und Lothar Pape vom Film- und Videoclub ein Video gedreht, das man bequem auf der heimischen Couch genießen kann. Nyga liest unter anderem „Wie kompliziert es war, bis ich in die Sommerfrische kam“ von Hermann Harry Schmitz und „Der Haselnusspfarrer“ von Ottilie Wildermuth. Unter dreieich.de/seniorenberatung ist das unterhaltsame Video zu sehen.

Von Frank Mahn

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