Putzige Plagegeister

Waschbär in Offenthaler Ahornbaum

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Waschbären sehen putzig aus, sind aber echte Plagegeister und übertragen auch Infektionskrankheiten. Dieses Exemplar wurde vor wenigen Tagen in Offenthal fotografiert.

Dreieich - Sie sehen putzig aus, sind aber alles andere als harmlose Gesellen. Wenn Waschbären es sich in einem Dachboden gemütlich gemacht haben, wird man den maskierten Eindringling nur schwer wieder los. Von Frank Mahn

Auch im Rhein-Main-Gebiet sind die Plagegeister offenbar auf dem Vormarsch.
Die Eheleute in Offenthal staunten nicht schlecht. Auf einem Ahornbaum, der an ihren Garten grenzt, saß vor ein paar Tagen ein Waschbär. Mit dem Handy lichteten sie das Tier ab und fütterten die Heimatzeitung mit dem Foto. Die überwiegend nachtaktiven Waschbären sind – wie die Nutrias am Weiher an der Winkelsmühle – sogenannte Neozoen. Das heißt: Sie waren ursprünglich nicht in Deutschland heimisch, stammen aus Nordamerika.

Als „Hauptstadt“ der Waschbären ist Kassel zu einem zweifelhaften Ruf gekommen. Dort kommen die Allesfresser längst im gesamten Stadtgebiet vor. Inzwischen sind die bebrillten Räuber auch ins Rhein-Main-Gebiet vorgedrungen. Überfahrene Tiere sieht man immer mal wieder am Rand von Autobahnen liegen. Ein Exemplar am helllichten Tag zu beobachten, wie in Offenthal geschehen, kommt dagegen sehr selten vor.

„Waschbären vermehren sich flott“, sagt Christian Münch, Leiter des Hessischen Forstamtes in Langen. Auch weil sie keine natürlichen Feinde haben. Zudem sind die Bedingungen in unserer Region laut Münch ideal für die flinken Kletterer. Er geht davon aus, „dass sich hier langsam eine stabile Population aufbaut“. Einerseits gebe es viele Wälder mit Versteckmöglichkeiten, aber eben auch viele Siedlungsgebiete mit Gärten und Komposthaufen. Der Tisch ist sozusagen reich gedeckt. Waschbären verwüsten Blumenbeete, räumen Mülltonnen aus und können sogar eine Gefahr für Haustiere sein. Resten von Fleisch, Fisch, Brot, Obst und Milchprodukten können die pelzigen Gesellen nicht widerstehen. Deshalb empfiehlt es sich, immer für einen abgedeckten Kompost und fest verschlossene Mülltonnen zu sorgen.

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Richtig ungemütlich wird’s, wenn Waschbären durch eine Öffnung – das kann auch die Katzenklappe sein – ins Haus schlüpfen und sich im Dachboden einrichten. Der dient ihnen als Unterschlupf und Schlafstätte. Gerne knabbern sich die Tiere durch die Isolierung, Kot und Urin richten weitere Schäden an. Das alles kann noch getoppt werden, wenn der Dachboden zur Kinderstube wird, also Junge groß gezogen werden. Die Lärmkulisse ist beachtlich.

Das Vertrackte: Hat sich ein Waschbär erst einmal ein Zuhause ausgesucht, will er dort auch bleiben. Die niedlich aussehenden Räuber sind mit allen Wassern gewaschen. Clevere Exemplare klappen zum Einstieg einfach einen Ziegel hoch, klettern rein und legen die Ziegel danach wieder auf. Auch Äste, Rank- und Kletterpflanzen an Wänden nutzen die ungebetenen Gäste gerne, um ins Haus zu gelangen. Wenn das passiert ist, bleibt dem Hausbesitzer im Prinzip nur noch ein Anruf beim Kammerjäger.

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