Viele junge Familien zieht es nach Dreieich

Zu wenig Betreuungsplätze: Stadt hinkt gewaltig hinterher

Dreieich - Es ist eine erfreuliche Entwicklung, die der Stadt aber massive Probleme bereitet. Dreieich steht hoch im Kurs bei jungen Familien. Die Baugebiete sind begehrt und sorgen für einen starken Zuwachs der Bevölkerung. Von Frank Mahn 

Die Krux: Beim Ausbau der Kinderbetreuung kann die Kommune mit dem Tempo nicht Schritt halten. Das heißt: Es gibt nicht genügend Plätze. Es sollte ein Zeichen sein: Mitte November rammten Bürgermeister Dieter Zimmer und Erster Stadtrat Martin Burlon die Spaten in die Erde, um den symbolträchtigen Startschuss für den Bau der Kita Heckenborn in Sprendlingen zu geben. Doch mehr als zwei Monate später hat sich auf dem Grundstück nichts getan. Grund: Der Kreis hat noch keine Baugenehmigung erteilt. „Ich warte täglich darauf“, sagt Martin Burlon. „Die Kita würde uns schon enorm helfen“, ergänzt Bürgermeister Dieter Zimmer. Vor 2018 ist mit der Fertigstellung allerdings nicht zu rechnen. 48 Plätze für Kinder unter drei Jahren werden im Neubaugebiet entstehen.

Der Sachstandsbericht zur Kinderbetreuung des Fachbereichs Soziales, Schule und Integration, mit dem sich gestern Abend der Sozialausschuss beschäftigte, macht allerdings deutlich: Der Bedarf ist erheblich größer. Nach aktuellen Prognosen der Stadt fehlen für die nächsten Monate rund 160 Plätze für Mädchen und Jungen ab drei Jahren. Auf die kommenden Jahre bezogen wird dieser Bedarf voraussichtlich noch steigen. Auch im U3-Bereich ist die Situation prekär. Nach Angaben von Fachbereichsleiterin Ellen Grohe sind 110 Kinder auf der Warteliste registriert. Derzeit ist die Versorgungslücke in Sprendlingen am größten.

„Wir müssen bauen“, gibt Bürgermeister Zimmer als Maxime aus. Am schnellsten ließen sich Gebäude in Holzständerbauweise errichten. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass man im Rathaus darüber nachdachte, die Zahl der Gruppen zu reduzieren oder gar eine Einrichtung zu schließen. Das war 2013. Inzwischen wird die Not von Tag zu Tag größer. Der Bericht nennt mehrere Ursachen für diese Entwicklung. Aufgeführt sind unter anderem der stetige Anstieg der Geburten-Jahrgänge, wobei der 2015er heraussticht, Zuzüge im Heckenborn und durch Wohnraumverdichtung im Innenstadtbereich, der geplante Bau weiterer Wohnungen (Neue Mitte), geändertes Anspruchsverhalten der Eltern und die Aufnahme von Flüchtlingen. Derzeit besuchen knapp 50 Flüchtlingskinder eine Kita. Wie sich diese Zahl weiterentwickelt, ist seriös nicht zu prognostizieren, hängt unter anderem vom Familiennachzug ab.

Im Rathaus wird nach Zimmers Worten „mit Hochdruck“ daran gearbeitet, weitere Einrichtungen zu planen. Die Stadt sei mit verschiedenen Trägern im Gespräch, prüfe neue Standorte und untersuche, welche Kitas sich erweitern lassen. Das Hauptaugenmerk ist dabei auf Sprendlingen und Dreieichenhain gerichtet. Denkbar sei der Bau einer neuen Kita im Grenzbereich zwischen beiden Stadtteilen, um sowohl Sprendlinger als auch Dreieichenhainer Familien einen wohnortnahen Zugang zu ermöglichen, heißt es dazu im Bericht. Auch einen möglichen Standort hat der Fachbereich schon ausgedeutet: Das Grundstück ist in der Nähe des Parkschwimmbads. Die Überlegungen gehen von 24 Krippenplätzen in zwei Gruppen und 88 Plätzen für Ü3-Kinder in vier Gruppen aus.

Doch selbst das Eröffnen weiterer Einrichtungen ist nicht zwangsläufig eine Garantie dafür, den Engpass dann auf Anhieb im großen Stil beheben zu können. Als ob die Thematik nicht komplex genug ist, spielt noch ein anderer wesentlicher Faktor mit rein. Nach wie vor fehlt (nicht nur in Dreieich) qualifiziertes Personal. Derzeit könnten mehr Kinder betreut werden, wenn es mehr Fachkräfte gäbe. Zimmer: „Aktuell haben wir bereits 50 Ü3-Plätze nicht belegt, weil wir kein Personal finden.“ Davon seien auch konfessionelle Kitas betroffen.

Kindern den Umgang mit Hunden beibringen

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare