Wenn Körper in Bewegung geraten

Frühjahrsausstellung der 26. Dreieicher Kunsttage

Dreieich - Alles in Bewegung – auf diesen Nenner lassen sich die Exponate der Frühlingsausstellung der 26. Dreieicher Kunsttage in der Städtischen Galerie bringen. Sei es in Form von interaktiven Objekten, die unmittelbar auf die Besucher reagieren, sei es mit beeindruckenden Videos. Von Holger Klemm 

„Bilder suchen Sie diesmal vergeblich“, berichtet Ilse Dreher von der Kunstinitiative, die erneut die Organisation übernommen hat. Nach dem Kraftakt des Jubiläumsjahres 2015 mit mehr als 50 Aktionen warten die aktuellen Kunsttage mit einem Novum auf. „Wir haben über die Jahre zwar schon einige Videos gezeigt“, berichtet die Kuratorin. Aber noch niemals richteten die Kunsttage den Fokus ausschließlich auf Videokunst und Installationen. Für die am Donnerstagabend eröffnete Schau mit dem Titel „ART.Frühjahr.bewegt“ ist es gelungen, junge aufstrebende Künstler zu gewinnen, die zum großen Teil noch an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach studieren. „Sie haben trotz ihres Alters ihre Arbeiten bereits überregional präsentiert. Selbst Ankäufe in namhaften Sammlungen sind schon vertreten“, heißt es in der Ankündigung.

Gleich die beiden kinetischen Objekte des in Hattersheim lebenden Künstlers Kai Wolf, die den Auftakt bilden, führen ins Thema Bewegung ein. Vor dem Eingang fährt über den Köpfen ein Seilbahn-Objekt mit dem Namen Wasserbüffel hin und her. Ausgelöst wird die Fahrt durch die Bewegung der Passanten. Bei einem Baumstamm heben sich plötzlich zwei Flügel, wenn man sich ihm nähert. Ähnlich verhält es sich beim Waldspaziergang von Stefan Thürck im Untergeschoss. Auf einem Waldboden, der sich deplatziert auf dem klinisch rein wirkenden Boden ausbreitet, finden sich Attrappen von Raben, die sich drehen, wenn man ihnen zu nah kommt.

Nadja Büttner beschäftigt sich mit der Frage, wie Körper aufeinander reagieren. Bei ihrer Arbeit „Silence“ lösen Sensoren die in die Rückwand eingelassenen Ventilatoren aus und versetzen Gipsringe in Schwingungen. Dadurch verschwimmt die menschliche Silhouette. Ein besonderer Blickfang ist ihre Installation „Sum“, bei der mit Moos besetzte Ringe um eine mit Wasser gefüllte Kugel rotieren. Bei ihrem Exponat „Ohne Titel“ lässt Nebel in einer Plexiglaskugel kleine Figuren langsam verschwinden.

Um den Einfluss von Körpern aufeinander geht es ebenfalls bei der beeindruckenden Performance „Schwarm“ von Kim Lotte Stöber, die bei der Vernissage zu sehen war. Fünf Darsteller steckten in einer zweiten Haut und waren von den Schritten und Aktionen der anderen abhängig. Daran erinnerten gestern Nachmittag noch die auf dem Boden liegenden zusammengenähten Strumpfhosen, in denen die Performer steckten. „Ich werde Fotos aufhängen, um einen Eindruck zu vermitteln“, verspricht Dreher.

Archivbilder aus dem vergangenen Jahr

25. Kunsttage in Dreieich

Von Kim Lotte Stöber stammt eine weitere Installation. Durch einen Tunnel aus Plastikplanen gelangt man zu einem Bildschirm, auf dem die Gesichter von Mutter, Tochter und Großmutter und ihre Interviews übereinander projiziert werden.

Nicht minder eindrucksvoll ist die Sound- und Videoarbeit „KAT 120“ von Bill Raab. Über eine Ecke wird eine Frau doppelt projiziert, die sich aus einem Gefängnis befreit. Der junge Künstler beschäftigt sich mit dem Kampf zwischen Freiheit und Abhängigkeit. Auf der Wand an der Treppe ist die Arbeit von Mila Burghardt zu sehen, bei der eine Frau sich durch Landschaften und Städte isst. Janina Castellano bringt in einer ihrer gezeigten Videoarbeiten Begriffe wie „Art“ (Kunst) zum Platzen und Lejla Kadic beschäftigt sich mit der Flüchtlingsfrage.

„ART.Frühjahr.bewegt“ ist bis zum 1. Mai freitags von 17 bis 21 Uhr, samstags von 15 bis 19 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung in der Städtischen Galerie, Fichtestraße 50a, zu sehen. Eine Führung mit der HfG-Professorin Julia Rudelius gibt es am Freitag, 22. April, um 19 Uhr. Die Musiktage sind am Mittwoch, 24. April, um 20 Uhr zu Gast.

Rubriklistenbild: © Strohfeldt

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