Veranstalter ziehen sich zurück

Werkstatt nur noch freitags live

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Tolle Location für Musiker: In der Werkstatt von Mariola und Thomas Ziolkowski können Bands weiterhin Konzerte geben, allerdings nur noch an Freitagen. Als Veranstalter tritt das Ehepaar aber nicht mehr auf. Der Aufwand sei einfach zu groß.

Dreieich – Am 1. Februar wollen sie groß feiern. Ihren zweiten Geburtstag. Mit der „Contraband“. Anlass ist das zweijährige Bestehen ihrer Event-Location „Die Werkstatt“ in der Daimlerstraße 8. Von Enrico Sauda

Dabei sieht man den Betreibern Mariola und Thomas Ziolkowski nicht unbedingt an, dass sie so richtig in Feierlaune sind. Es gibt eine gravierende Veränderung: Künftig tritt das Ehepaar nicht mehr als Veranstalter auf.
Mit viel Schwung und Elan hatten die beiden vor zwei Jahren das Projekt einer Location für Livemusik gestartet. Auch weil das „Café Zeitlos“ in Sprendlingen seine Pforten geschlossen hatte, kam eine neue Spielstätte für Bands gerade recht. „Das Vorhaben entstand aus einer Laune heraus“, erinnert sich Thomas Ziolkowski. Damals wollte er das Unternehmen Messebau Dreieich, das er von seinem Vater übernommen hatte, verkleinern. Heute steht fest, dass er schließen wird. „Nach 30 Jahren ist es an der Zeit aufzuhören und etwas ganz anderes zu machen“, sagt der 57-Jährige, der eine Leidenschaft hat: die Musik. 28 Tonnen Messebaumaterial hat er in den vergangenen Monaten entsorgt. „Messebau in meiner Größe hat sich verändert. Früher konnte man damit noch Geld verdienen, heute nur noch Geld wechseln“, sagt Ziolkowski, dessen Kinder auch kein Interesse zeigten, den elterlichen Betrieb fortzuführen.

Die Werkstatt allerdings baute er auch seiner Frau Mariola zuliebe auf. Damals feierte sie ihren Geburtstag dort „und da haben wir uns gedacht, dass wir die Location doch auch noch für Konzerte nutzen könnten“, schildert Mariola Ziolkowski. „Das hat sich so ergeben. Die Möglichkeiten waren da, wir haben sie umgesetzt“, fügt ihr Mann hinzu.

Seitdem gingen dort 180 Konzerte und noch etliche andere Veranstaltungen – Firmen- und Privatfeiern – über die Bühne. Zu den Formationen, die im Dreieichenhainer Industriegebiet die Fetzen fliegen ließen, zählen unter anderem die Madhouse Flowers, AB/CD und Mallet. „Wir hatten hier schon ausverkauftes Haus bei Hobbymusikern und nur 15 zahlende Gäste bei Profibands“, beschreibt Thomas Ziolkowski das Auf und Ab beim Besucherzuspruch. Die Nachfrage von Bands sei groß, zwei Anfragen pro Tag flatterten rein. „Das ist zum Fulltimejob geworden“, sagt Mariola Ziolkowski. Für ein Konzert, das in der Werkstatt gegeben wird, „müssen wir acht Formulare ausfüllen. Mit so einem Aufwand haben wir nicht gerechnet. Das ist einfach viel zu viel bürokratischer Kram, den wir zu erledigen haben.

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Aber wir haben die Kapazitäten dafür nicht. Wir bräuchten zuverlässige Leute, die uns unterstützen.“ Aber die seien sehr schwer zu finden. Aus diesen Gründen seien sie schon ein bisschen desillusioniert, gestehen die Ziolkowskis. Das hat jetzt Folgen. „Wir haben uns entschieden, ab diesem Jahr nicht mehr als Veranstalter aufzutreten“, schrieben sie in einer Mitteilung an alle Künstler, zu denen sie Kontakt haben. Bands haben allerdings weiterhin die Möglichkeit, in der Werkstatt aufzutreten. Allerdings nur noch an Freitagen und als eigene Veranstaltung. Das heißt, mit allen Rechten und Pflichten. Die Bewirtung wird das Ehepaar fortführen. Samstags kann die Halle für Privat- oder Firmenfeiern gemietet werden.

Ganz aufhören ist keine Option. „Wir machen das alles auch, weil die Musik Thomas’ großes Hobby ist – ich mache das aus Liebe zu meinem Mann“, sagt Mariola Ziolkowski.

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