Frauenbeauftragte besucht Burkina Faso

In wichtiger Mission in Afrika

Die Dreieicher Frauenbeauftragte engagiert sich seit Jahren gegen Genitalverstümmelungen bei Frauen. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Frankfurter Vereins „Nala - Bildung statt Beschneidung“.
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Die Dreieicher Frauenbeauftragte engagiert sich seit Jahren gegen Genitalverstümmelungen bei Frauen. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Frankfurter Vereins „Nala - Bildung statt Beschneidung“.

Dreieich - Gespräche mit einem König, Aufklärungsunterricht und rituelle Beerdigungen – auf ihrer Reise durch Burkina Faso hat Karin Siegmann viel erlebt. Von Enrico Sauda 

Die Frauenbeauftragte war mit einem Verein in das afrikanische Land gereist, um sich gegen Genitalverstümmelung einzusetzen. Dabei hatte sie Unterstützung von einer prominenten Schauspielerin. Seit fast 20 Jahren beschäftigt sich Karin Siegmann vom Dreieicher Frauenbüro bereits mit dem Thema Genitalverstümmelung. „Ich weiß auch nicht genau, warum ich mir gerade das ausgesucht habe“, sagt die Frauenbeauftragte, nach einer Erklärung für ihr Engagement suchend. Helfen ist ihr wichtig. „Auch und gerade vor Ort.“

Um zu helfen, ist Siegmann jüngst nach Burkina Faso geflogen. Von Ende Februar bis Anfang März weilte sie mit dem Frankfurter Verein „Nala - Bildung statt Beschneidung“ in Ouagadougou, der Hauptstadt des afrikanischen Landes. Der Verein setzt sich gegen weibliche Genitalbeschneidung und -verstümmelung in afrikanischen Ländern ein, aber auch in Deutschland und weltweit. Gegründet wurde er 2012 von der Autorin und Dolmetscherin Fadumo Korn, ihrem Mann Walter, Annemarie Dechamps und Karin Siegmann selbst. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

Eine Delegation von sechs Personen – darunter neben Karin Siegmann (Mitte, mit Sonnenbrille und Mütze) auch Katja Riemann mit Tochter Paula (links daneben) – reiste in die Hauptstadt Ouagadougou und besuchte die Hilfsprojekte vor Ort.  

Die Organisation in Ouagadougou heiße Ampo, was übersetzt etwa „Das Gute geht nicht verloren“ bedeute. „In der Hauptstadt sind unsere Projekte angesiedelt“, erklärt Siegmann. Sie war auf dieser Reise mit einer Delegation von sechs Leuten unterwegs – unter ihnen auch Vereinsgründerin Fadumo Korn und Walter Korn. Außerdem war die Gruppe in prominenter Begleitung, denn die bekannte Schauspielerin Katja Riemann und deren 23-jährige Tochter Paula reisten ebenfalls mit. „Sie kamen mit, weil sich Katja Riemann die Frauenprojekte selbst ansehen und erleben wollte“, berichtet Siegmann. „Die Verbindung zu Katja Riemann gibt es schon länger, weil sich Fadumo Korn und sie kennen“, weiß Siegmann. Katja Riemann und Tochter Paula besuchten zudem das alle zwei Jahre stattfindende größte afrikanische Filmfestival, das „Fespaco“ und trafen bei dieser Gelegenheit Kathrin Rohde, auch „Mama Tenga“ genannt. Sie ist die Gründerin der Organisation Ampo, die mit Waisenkindern und Frauen arbeitet.

Ein weiterer Grund für Riemanns Begleitung bei dieser Reise: „Die Schauspielerin schreibt ein Buch über ihre Arbeit als Unicef-Botschafterin und sammelt dafür Geschichten“, so Siegmann. Stoff zum Erzählen bekamen alle Beteiligten der Burkina-Faso-Reise reichlich geboten. „Burkina Faso ist kein Land für Touristen“, weiß Siegmann, die aber vor Ort „überhaupt keine Angst“ hatte. Es gilt als drittärmstes Land der Welt und hat eine Analphabetenquote von mehr als 80 Prozent. „Doch es leben dort die freundlichsten Menschen in ganz Afrika“, glaubt Siegmann. Auch die Kriminalitätsrate sei verschwindend gering. Was Siegmann zu schaffen machte, war das Klima. „Es waren mehr als 40 Grad bei sieben Prozent Luftfeuchtigkeit und überall roter Staub“, erinnert sie sich.

Aber in anderer Hinsicht hinterließ der Besuch Spuren bei Siegmann. „Nach zwei Tagen hatte ich das Gefühl, ich wäre drei Wochen weg gewesen“, erzählt sie. Das liege an den unendlich vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen. „Wir haben unter anderem mit einem Regionalkönig gesprochen, der 50.000 Untertanen hat.“ Dabei drehte sich alles ums Thema Genitalverstümmelung. „Er bat uns um Hilfe, weil zwar dort die Genitalverstümmelung verboten ist, es aber keine Kommunikationsmöglichkeiten gibt, sodass niemand mitbekommt, dass es so ein Gesetz gibt“, erklärt Siegmann das Dilemma des Regenten.

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Der Frankfurter Verein Nala unterstützt auch Schulen, indem er Aufklärungsunterricht gegen Genitalverstümmelung und Frühschwangerschaft organisiert. „Wir sammeln Geld in Deutschland, um dort Projekte anbieten zu können.“ Der Regionalkönig hatte sich an die Richtigen gewandt: Um Aufklärungsarbeit zu leisten, fahren Animateure in die Dörfer, sprechen mit Frauen und Verantwortlichen und zeigen die gesundheitlichen Probleme und Folgen von Beschneidungen weiblicher Genitalien auf. „Dann kann sich das Dorf entscheiden, ob das dort nicht mehr praktiziert wird.“ Das sei das Wichtigste. „Es geht uns darum, die Einheimischen aufzuklären, sie müssen die Entscheidung gegen die Genitalbeschneidung selbst treffen, weil sie erkannt haben, dass es keinen Nutzen gibt, sondern nur Probleme“, erklärt Siegmann und fügt hinzu: „Das klappt. Auch die Männer sehen das ein.“ Die Arbeit der Deutschen zeige erste Früchte. „Zehn Dörfer haben gleichzeitig und gemeinsam ihre Beschneidungswerkzeuge rituell beerdigt“, erzählt Siegmann. Diese Reise habe für sie persönlich sehr viele Fragen aufgeworfen. „Zum einen natürlich über das, was so in Afrika passiert. Und zum anderen über unseren Konsum und die Art und Weise, wie wir leben.“ Eins ist für Siegmann schon jetzt sicher: „Wir fahren auf jeden Fall noch mal hin.“

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