Nicht der erste Vorfall

Zu Geldstrafe verurteilt: Exhibitionist aus Dreieich entblößte sich vor Kassiererinnen

Ein Exhibitionist zog sich vor dem Real-Markt in Dreieich aus. Nun wurde er vor dem Amtsgericht verurteilt. (Symbolbild)
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Ein Exhibitionist zog sich vor dem Real-Markt in Dreieich aus. Nun wurde er vor dem Amtsgericht verurteilt. (Symbolbild)

Das Strafgesetzbuch ist ein nicht mehr ganz junges Exemplar. 129 Jahre hat es auf dem Buckel. So werden immer wieder aus der Zeit gefallene Paragrafen verändert oder ersatzlos gestrichen – so wie §175, der die „Unzucht zwischen Männern“ mit bis zu zehn Jahren Zuchthaus sanktionierte.

Dreieich – Die Löschung passierte übrigens erst im Jahr 1994. Ebenfalls umstritten ist der §183. Er beinhaltet exhibitionistische Handlungen. Nach Meinung vieler Juristen, unter anderem der des medienbekannten ehemaligen Richters des Bundesgerichtshofs, Thomas Fischer, gehört er ebenfalls abgeschafft und in die Kategorie „Ordnungswidrigkeit“ verschoben. Und Nummer 183a, die Erregung öffentlichen Ärgernisses durch sexuelle Handlungen, gleich mit.

Nach letzterem Paragrafen verurteilte der Langener Amtsrichter Volker Horn einen arbeitslosen Sprendlinger zu einer Geldstrafe von 750 Euro. Der 50-Jährige hatte am 6. Februar dieses Jahres im Glas-Eingangsbereich des Real-Marktes mehrmals sein Glied entblößt und dabei bewusst zu den Kassiererinnen geschaut. Diese verständigten den Marktleiter, der – mit sämtlichen Handlungen auf dem Überwachungsband – den Fall zur Anzeige brachte.

„Es ist alles zutreffend und es tut ihm sehr leid. Es ist ihm extrem unangenehm. Er war an diesem Tag alkoholisiert.“ Verteidiger Fatih Kantekin nimmt dem großen bärtigen Mann das Geständnis ab. Wie viel er getrunken habe, sei unklar. Sicher sei aber, dass er wusste, was er tat. „Warum?“, will Horn wissen. Darauf habe man keine Antwort, so Kantekin. Durch die Offenheit wird den Supermarkt-Mitarbeiterinnen die Aussage erspart. Der Vorfall war nicht der erste seiner Art im Leben des geschiedenen dreifachen Vaters. 2015 verfolgte der 50-Jährige eine Passantin in der Darmstädter Straße, öffnete die Hose und fasste sein Glied an. Das Verfahren wurde damals gegen eine Arbeitsauflage von 50 Stunden eingestellt. Offensichtlich spielt der Alkohol bei den Vorfällen eine nicht unerhebliche Rolle.

„Wie viel trinken Sie denn am Tag?“, fragt der Richter. „Zehn bis 20 Halbliter-Dosen Bier.“ Er trinke, seit die Kinder vor zehn Jahren bei der Mutter geblieben seien. „Eine Therapiezusage liegt vor, mein Mandant wartet auf einen Platz in einer Einrichtung“, erklärt der Rechtsanwalt. „Wie finanziert er seine Sucht?“ Die Betreuerin der Stadt Dreieich: „Manchmal geht er betteln.“ Bis vor sechs Monaten habe er noch als Maler gearbeitet, dann sei ihm wegen der Trinkerei gekündigt worden. Ein eher trauriges als bedrohliches Gesamtbild also. „Ich akzeptiere meine Schuld!“, verkündet der Angeklagte vor dem Urteil. (Von Silke Gelhausen)

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