Prozess am Amtsgericht

Zweimal gefährliche Körperverletzung: 22-jähriger Dreieicher verliert im Rausch die Kontrolle

Bei einem Streit in einer Sprendlinger Shisha-Bar stach der Angeklagte einem 52-Jährigen in den Bauch. (Symbolbild)
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Bei einem Streit in einer Sprendlinger Shisha-Bar stach der Angeklagte einem 52-Jährigen in den Bauch. (Symbolbild)

Einmal zugeschlagen, einmal zugestochen: Ein 22-jähriger Dreieicher muss sich wegen zwei Fällen von gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten. Auch Alkohol und Drogen sind im Spiel Rolle.

Dreieich/Langen – Streit in einer Shisha-Bar, Streit am Bahnhof. Beide Male unter Alkohol- und Drogeneinfluss – und mit blutigem Ausgang. Das kommt einen 22-jährigen Sprendlinger am Amtsgericht Langen teuer zu stehen. Richter Volker Horn verknackt den Fabrikhelfer zu 20 Monaten Gefängnis und zur Zahlung von 400 Euro Schmerzensgeld. In den Knast muss der junge Mann bei Erfüllung seiner dreijährigen Bewährungsauflagen aber nicht: Regelmäßige Abstinenznachweise, eine ambulante Drogentherapie, ein Bewährungshelfer und die Zahlung von 3 000 Euro an eine Drogenhilfeeinrichtung in Mittelhessen sollen ihn vorm „Einfahren“ verschonen. Die Kosten für den Prozess kommen selbstverständlich noch obendrauf.

Am Abend des 28. Juli 2020 zankt sich der temperamentvolle Italiener mit seiner Freundin auf dem Sprendlinger Bahnhofsvorplatz wegen einer bevorstehenden Urlaubsreise. Der Streit eskaliert, die junge Frau hockt weinend zwischen den parkenden Autos. Was nicht unbemerkt bleibt. Ein 52-jähriger Hundehalter hört schon von Weitem das Geschrei, sieht eine weitere Frau und einen weiteren Mann, beide stehen scheinbar tatenlos neben dem zankenden Pärchen. „Die hysterisch schreiende Frau hielt sich den Kopf, ich bin hingegangen und habe gefragt, ob ich helfen kann“, erklärt der Zeuge. Worauf ihm einer der Umherstehenden erklärt, die Frau sei mit dem Kopf gegen die Felge gefallen. Und er solle doch weitergehen.

Was der Ingenieur aber nicht tut, er spricht die Leute weiter an. „Da stürmte die Gruppe auf mich zu, drückte mich nach unten. Als sie wieder von mir abließen, wollte ich die Polizei rufen.“ Wozu er aber nicht mehr kommt. Der „Störenfried“ wird kurzerhand in den Schwitzkasten genommen und bekommt als Denkzettel vom Angeklagten einen Schlag auf den Kopf. Passanten rufen die Ordnungshüter. Resultat für den hilfsbereiten Gassigeher: Eine drei Zentimeter lange Platzwunde, drei Tage Arbeitsausfall und eine Woche Kopfschmerzen – der Sprendlinger hatte mit dem Griff eines Butterflymessers zugeschlagen.

Ein halbes Jahr später – der Prozess wegen der ersten gefährlichen Körperverletzung ist wegen Corona ausgefallen – gerät der Mann erneut in den Fokus der Polizei. Diesmal ist es ein Streit in einer Sprendlinger Shisha-Bar, in den der Angeklagte sich verwickelt sieht. Mit rund zwei Promille im Blut sticht er einem 52-Jährigen in den Unterbauch. „Es war Notwehr“ beteuert der Angeklagte. Trotz einer Videoaufnahme kann dies nicht abschließend beurteilt werden. Also noch mal gefährliche Körperverletzung. Zum Glück ist der Stich nicht tief und verletzt keine inneren Organe. „Sonst säßen wir jetzt nicht hier, sondern vor dem Landgericht“, sagt Staatsanwalt Moritz Teschner und fordert 22 Monate Haft ohne Bewährung.

„Erzählen Sie doch mal etwas zu ihren Konsumgewohnheiten vor der Inhaftierung“, fordert Richter Horn den 22-Jährigen auf. Die sind nicht von schlechten Eltern. Der Angeklagte zählt auf: „Jeden Tag eine Flasche Whisky oder Wodka, alle drei Tage und am Wochenende Kokain, gelegentlich Cannabis und Amphetamine.“ Sein Mandant hat in der JVA bereits Kontakt zur Suchtberatung aufgenommen, so Verteidiger Talat Bay.

Bei der Befragung des Zeugen mit dem Bauchstich wird klar, dass er einen Dolmetscher benötigt. Der ist so schnell nicht zu bekommen, man müsste einen Folgetermin vereinbaren. Um die Sache abzukürzen, regt Horn ein Rechtsgespräch an. Man einigt sich auf eine Haftzeit zwischen 18 und 22 Monaten. Der junge Mann kann einige Pluspunkte verbuchen, die ihm die Haftaussetzung bescheren: Geständnis, Entschuldigung, Schadenswiedergutmachung, erstmalig „erlittene“ Untersuchungshaft, eine nicht ausschließbare verminderte Schuldfähigkeit und ein bis auf zwei kleine Jugendsünden leeres Bundeszentralregister. (Silke Gelhausen)

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