Gemeinde zieht Konsequenzen

 26 Baustellen auf einmal – Ärger über Glasfaser-Bautrupps

„Es ist ein Ärgernis“, sagt Bürgermeister Tobias Wilbrand über den Glasfaserausbau in Egelsbach. Auch im Kammereck ragen Kabel aus dem Boden.
+
„Es ist ein Ärgernis“, sagt Bürgermeister Tobias Wilbrand über den Glasfaserausbau in Egelsbach. Auch im Kammereck ragen Kabel aus dem Boden.

In Egelsbach im Kreis Offenbach ärgert sich die Gemeinde über Glasfaser-Bautrupps: Sie hinterlassen Mängel im ganzen Ort. Und: Derzeit gibt es 26 Baustellen auf einmal.

Egelsbach – Vor ein paar Tagen waren sie mal wieder da. Ein Warnschild am Eingang des Nonnenwiesenwegs hatte sie angekündigt, tags darauf rückten die Bauarbeiter dann tatsächlich an, um die Mängel zu beseitigen, die sie im Juli vor Michael Miltenbergers Haustür hinterlassen hatten, als im Ort der Glasfaserausbau begann (wir berichteten). Der Bautrupp tauschte die zerbrochenen Pflastersteine aus und verdichtete den losen Split mit der Rüttelplatte nach. „Ich gehe davon aus, dass wir jetzt Ruhe haben“, sagt Miltenberger.

Der Nonnenwiesenweg gehörte im Sommer zu den ersten Stellen im Ort, an denen ein von der Deutschen Glasfaser beauftragter Generalunternehmer die Straße aufgerissen und offenbar nur notdürftig wieder geflickt hatte. Schon nach wenigen Wochen hätten sich Spurrillen gebildet, berichtet Miltenberger, und das schlecht verfugte Pflasters habe so laut geklappert, dass man „selbst einen Tesla von weither anfahren“ hörte. Fast zwei Monate musste der Anwohner warten, ehe die Mängel behoben wurden – die neuen Pflastersteine mussten offenbar erst bestellt werden. „Ich gehe davon aus, dass es jetzt ordentlich ist“, sagt Miltenberger.

Die Glasfaserarbeiten sorgen aber nicht nur im Nonnenwiesenweg für Unmut. „Es gibt Mängel im ganzen Ort“, berichtet Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne). Der Schotter werde nicht richtig festgerüttelt, Pflastersteine würden beschädigt und nicht ausgetauscht, auch seien die Baustellen „fast überall nicht ordentlich gesichert und beschildert“, so der Rathauschef. „Es ist ein Ärgernis“, sagt Wilbrand.

Deswegen zieht der Gemeindevorstand nun Konsequenzen: Zum einen hat er diese Woche ein Aufreißverbot erteilt. Sprich: Die Bauarbeiter müssen erst alle angefangenen Baustellen fertig stellen und alle Mängel beseitigen, ehe an weiteren Stellen die Straße geöffnet wird. Und zum anderen kündigt Wilbrand an, der Deutschen Glasfaser ab Montag Bußgelder zu erteilen, für jede Baustelle, die nicht ausreichend gesichert und beschildert ist.

Zurzeit sind täglich Mitarbeiter der Gemeinde und eines eigens beauftragten Ingenieurbüros im Ort unterwegs, um die Arbeiten zu kontrollieren. Auch Wilbrand hat sich diese Woche die Baustelle im Nonnenwiesenweg angesehen. Dabei sei es eigentlich Aufgabe der Deutschen Glasfaser, als Auftraggeber den Baufortschritt zu überwachen, betont er. Die Gemeinde müsste die Arbeiten eigentlich erst am Ende abnehmen. Dennoch schalte man sich nun frühzeitig ein, „um Schaden von der Gemeinde soweit wie möglich abzuwenden“.

Da das Bauunternehmen aber sechs Bautrupps parallel durch die Straßen schickt, ist die Kontrolle gar nicht so einfach. „Es ist ein bisschen wie Hase und Igel“, klagt Wilbrand. „Ich weiß nicht, ob überhaupt jemand einen Überblick hat.“ Eine Zählung des Gemeindevorstands Anfang dieser Woche habe ergeben, dass im Ortsgebiet zurzeit 26 (!) angefangene Baustellen existieren. Wilbrand will sich nun vom Generalunternehmer einen detaillierten Plan vorlegen lassen, wann und wo noch gebaut werden muss. Vorher soll es keine neuen Baustellen geben.

Den Plan möchte der Bürgermeister nächste Woche veröffentlichen, damit keine Anwohner mehr von den Bauarbeiten vor ihrer Haustür überrascht werden. Allerdings kann es vorkommen, dass in den nächsten Tagen trotz des Verbots weitere Straßen aufgerissen werden. Laut Wilbrand liegt das daran, dass an einigen Stellen Querungen verlegt werden müssen. Dies diene aber nur der Fertigstellung der bereits angefangenen Baustellen. (Von Manuel Schubert)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare