Guter Zweck

Von Egelsbach nach Berlin: Rettungssanitäter begeistert mit einzigartiger Aktion

Geschafft: Marcel Wilhelm vor dem Brandenburger Tor. In einer Rede prangerte er Missstände an.
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Geschafft: Marcel Wilhelm aus Egelsbach bei Offenbach vor dem Brandenburger Tor. In einer Rede prangerte er Missstände an.

Marcel Wilhelm, Rettungssanitäter aus Egelsbach bei Offenbach, läuft in voller Montur 500 Kilometer bis nach Berlin – und das alles für den guten Zweck.

Egelsbach – Marcel Wilhelm scheint extreme Wetterbedingungen anzuziehen, wenn er beschließt, einen Spendenlauf anzugehen. Im November lief der gebürtige Egelsbacher von seiner Heimat im Kreis Offenbach bis nach Köln, um Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln. Nun lief er wieder für den guten Zweck - diesmal in die Hauptstadt.

Bei seinem Lauf nach Köln machten dem Rettungssanitäter, der den ganzen Weg zu Fuß und in seiner schweren Arbeitskleidung absolviert hat, die niedrigen Temperaturen zu schaffen. Jetzt begleitete ihn die Hitze ein gutes Stück bis ans Ziel seiner Reise: Berlin. Am Mittwochnachmittag (23.06.2021) ist er nach 13 Tagen am Bundestag ankommen – und über 500 Kilometer gelaufen.

Egelsbach bei Offenbach: Rede vor dem Bundestag im Anschluss an Lauf nach Berlin

„Ich wollte eine Rede vor dem Bundestag halten, aber um dort sprechen zu dürfen, hätte ich mich wahrscheinlich vor Jahren anmelden müssen – oder die entsprechenden Leute kennen“, sagt der 26-Jährige. Aber davon lässt er sich nicht zurückwerfen. Zwar darf er nicht im Bundestag sprechen, aber er hält seine Rede vor dem Gebäude und teilt sie in den sozialen Medien. „Ich freue mich sehr, dass ich es geschafft habe, diese 500 Kilometer zu bewältigen – nicht nur für mich, sondern für sehr viele Kinder, die an Krebs erkrankt sind oder eine andere Benachteiligung haben“, sagt Wilhelm.

Auf deren Situation wolle er mit dem Lauf aufmerksam machen. „Ich habe das Gefühl, dass dieses wichtige Thema in unserer Gesellschaft viel zu wenig Beachtung findet“, betont der junge Mann. Die Politik schweige die Situation krebskranker und beeinträchtigter Kinder tot. „Es macht mich traurig, dass es Privatpersonen braucht, um hier zu helfen, und die Politik nichts für diese Kinder tut.“ Auch die schlechten Bedingungen bei Rettungsdienst und in der Pflege prangert Wilhelm in der Rede an.

Gepäck mit viel Gewicht: Sein schwerer Rucksack ist Marcel Wilhelms aus Egelsbach bei Offenbach ein stetiger Begleiter während des zweiten Spendenlaufs.

Rettungssanitäter aus Egelsbach bei Offenbach: Follower als „mentale Unterstützung“

Wie viele Menschen mittlerweile seine Aktionen verfolgen, hat er während seines Fußmarsches unter dem Motto „Krebs kennt keine Kilometer“ gemerkt. „Egal wo ich war, ob noch in Hessen oder später weiter im Osten, wenn ich um Hilfe gebeten habe, kam immer eine Nachricht von einem Follower, dass er nur zehn Minuten entfernt wohnt und gleich bei mir ist“, erzählt Wilhelm, der erstaunt über seine Reichweite ist. Außerdem wird er immer wieder ein paar Kilometer seiner Strecke von Menschen begleitet, die von ihm gelesen oder gehört haben und seinen Kanälen folgen. „Das gibt mir eine mentale Unterstützung, denn ich habe gemerkt, dass so ein Lauf nicht nur eine körperliche, sondern auch eine geistige Anstrengung ist“, sagt Wilhelm.

Seine Bekanntheit zeigt sich nicht nur bei kleinen Problemen wie einem kaputten Ladekabel für sein Handy, sondern schlägt auch bei seinem Hauptanliegen zu Buche: über 35 .000 Euro sind bislang zusammengekommen. Wilhelm ist überwältigt: „Mein Ziel waren 10 .000 Euro, wie bei der ersten Aktion. Meine Hoffnung war, die 20. 000 Euro zu knacken. Ich freue mich so, dass die Summe übertroffen wurde.“

Marcel Wilhelm aus Egelsbach bei Offenbach: Nicht der letzte Spendenlauf

Es wird nicht sein letzter Spendenlauf sein. Nach dem ersten Mal mit 200 Kilometern hat er sich nun mehr als verdoppelt. Quer durch die Republik soll es noch gehen. Aber auch kleinere Läufe von nur einem Tag kann sich Wilhelm vorstellen oder mal eine Strecke joggen. Aber egal wohin es gehen soll, wenn er zu einer großen Tour aufbricht, bleibt eines immer gleich: Marcel Wilhelm startet in Egelsbach, läuft erst mal die gewohnte Strecke durch Langen und Dreieich. „Das ist meine Heimat. Ich genieße es, durch diese Straßen zu gehen. Das gibt mir Kraft für den Weg“, sagt Wilhelm, der für seinen Job als Rettungssanitäter zwischen Frankfurt und Köln pendelt. (Theresa Ricke)

Spenden sind weiter möglich auf der Spendenseite von Marcel Wilhelm ,seine Reise kann man auch auf Instagram verfolgen. Erst vor Kurzem verkauften die „Kerbborsche“ aus Egelsbach im Kreis Offenbach T-Shirts für einen guten Zweck.

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