Idee scheidet die Geister

Ärger um Bolzplatz und Parcours für Biker

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Hübscher Plan für ein gewiss nicht schlechtes Projekt. Die Vorlage zum Bau einer Pumptrack-Anlage samt Bolzplatz ist in der Politik aus verschiedenen Gründen (auch der Wahlkampf lässt grüßen) erst mal vom Tisch. Ende des Monats soll Egelsbachs Jugend sagen, was sie von all dem hält.

Egelsbach - Treffpunkte und attraktive Angebote für die Jugend im Ort sind Mangelware bis Fehlanzeige. Darüber herrscht Einigkeit in der Lokalpolitik – herauszuhören ist’s aktuell auch im Bürgermeisterwahlkampf. Von Holger Borchard 

Eine Initiative in der Gemeindevertretung hat derweil einen herben Dämpfer erhalten: Der Bau einer sogenannten Pumptrack-Anlage nebst Bolzplatz ist fürs Erste vom Tisch.
Der Plan liegt auf dem Tisch. Der Bautrupp, der ihn realisieren würde, steht bereit, hat sich schon den Gemeindevertretern vorgestellt und dort viel Lob für die Idee und deren angedachte Umsetzung kassiert. Trotzdem hat Bürgermeister Jürgen Sieling die entsprechende Parlamentsvorlage in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses zurückgezogen, nachdem sich in diesem Gremium der zuvor schon im Bau- und Umweltausschuss ausgetragene „Knatsch“ um das Projekt fortgesetzt hatte.

Wo die Probleme liegen? Im Grundsatz geht es um zwei Fragen. Erstens: Ist der ausgesuchte Standort – das Bauhof-Areal in der Verlängerung vom Rathaus zur Kreisstraße 168 – der richtige Platz? Zweitens: Will und braucht Egelsbachs Jugend überhaupt eine Pumptrack-Anlage?

Die Meinungen darüber gehen weit auseinander. So befürwortete im Bauausschuss allein die SPD an der Seite ihres Bürgermeisters die Beschlussvorlage, die „Shapetastic Crew“ aus Darmstadt im Rahmen eines Jugendprojekts mit dem Bau des Pumptracks und des Bolzplatzes zu beauftragen. Gegenwind, zum Teil heftig, kam von CDU, FDP und Grünen bei Enthaltung der Wahlgemeinschaft sowie eines Grünen.

Zum grundsätzlichen Verständnis: Die Idee zum Bau der Anlage fußt auf einer Anfrage der Pumptrack-Initiative Egelsbach-Langen-Dreieich vom Sommer 2017. Ein Pumptrack ist eine speziell geschaffene Radstrecke (englisch: track), auf der die Fahrer, ohne zu treten, allein durch Hochdrücken (pumping) des Körpers am Rad Geschwindigkeit aufbauen. Die Egelsbacher Variante sollte auch für Skateboards, Mini-Roller und Inline-Skates befahrbar sein. Im September wurde das Projekt im Sozial- und Kulturausschuss vorgestellt, sodann Kontakt zur „Shapetastic crew“ geknüpft – drei fahrradbegeisterte Studenten, die in den vergangenen Jahren zum Beispiel in Darmstadt-Kranichstein und Groß-Umstadt derartige Anlagen gebaut haben. Die Gemeinde hätte Grundstück, Baumaterial und Geräte zur Verfügung gestellt, das Endprodukt wäre als Freizeitanlage im Gemeindebesitz. Wichtiger Faktor: die Beteiligung freiwilliger jugendlicher Helfer aus Egelsbach, ebenfalls schon abgesprochen über den Verein für Jugendsozialarbeit und Jugendkulturförderung Rhein-Main.

Alleskönner-Alu oder Edel-Carbon: Rahmen für Radler

Soweit die Eckdaten. Dass die Vorlage in der Gemeindevertretersitzung am Donnerstag keine Chance gehabt hätte, der Bürgermeister insofern das Papier lieber gleich einrollte, ist dem Ärger über die Orts- und Bedarfsfrage hinaus geschuldet, dem vor allem die Grünen freien Lauf ließen. Während die FDP per Änderungsantrag erreichte, dass das Projekt Ende Februar in der ersten Sitzung des Jugendforums zur Diskussion gestellt wird, kritisierten die Grünen den mit „heißer Nadel gestrickten und falschen Zahlen bestückten“ Antrag und hielten dem Bürgermeister die ursprünglich genannten Kosten von nur 13.000 Euro für Radstrecke und Bolzplatz vor. In Summe spreche man vielmehr von 65.000 Euro. Die Höhe sei indes, dass Sieling beabsichtigt habe, den Pumptrack mit Geld zu finanzieren, das im Haushalt für die Sanierung der Spielplätze vorgesehen sei, so der Vorwurf.

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