Frust auf der Kreisstraße

Stau und Frust bei Egelsbach: Kreiselbau sorgt immer noch für Ärger

Autos stehen auf der K168 bei Egelsbach im Stau.
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Es geht nur langsam voran: Sowohl in Richtung Egelsbach (Foto) als auch in Richtung Langen stockt zu den Stoßzeiten der Verkehr.

Neulich ist Karin Ludwig-Idler einfach wieder umgedreht. Sie hatte keine Lust, schon wieder im Stau zu stehen – wie fast jeden Tag. „Ich finde, das ist eine Unverschämtheit“, schimpft sie.

  • Seit Ende März stehen Pendler für den Bau eines Kreisel auf der K168 bei Egelsbach regelmäßig im Stau.
  • Pendler auf der K168 beschweren sich über die Dauer der Bauarbeiten und das eingerichte Ampelsystem.
  • Der Kreisel soll frühstens im September fertiggestellt werden.

Egelsbach - Die Egelsbacherin wohnt im Ortskern, ein bis zweimal täglich setzt sie sich ins Auto und fährt über die K 168. Ludwig-Idler kümmert sich um eine ältere Frau, die etwas abgelegen im Kammereck wohnt, besucht sie mit dem Hund oder hilft ihr im Garten. Doch in den vergangenen Monaten wurde der eigentlich kurze Weg zur Geduldsprobe: Ludwig-Idler muss nämlich die Baustelle an der Kreuzung zur Hans-Fleißner-Straße passieren, die vor allem zu Stoßzeiten für ordentlich Stau in alle Richtungen sorgt.

Stau auf der K168 bei Egelsbach: „Die Leute werden langsam ungeduldig“

Seit Ende März wird der Knotenpunkt schon bebaut, ein Kreisverkehr soll entstehen, der Bahnhof, Flugplatz und Kreisstraße verbindet. Die Kosten trägt der Investor für den neu entstehenden Gewerbepark Mühlloh. Den Verkehr regelt zurzeit eine Ampelschaltung, grünes Licht bekommt immer nur eine von drei Gruppen: die aus Langen, aus Egelsbach oder vom Flugplatz kommenden Autofahrer. In Richtung des Bahnhofs ist die Hans-Fleißner-Straße gesperrt.

Ludwig-Idler hat mittlerweile genug vom täglichen Zuckeltrab. Mittags fließt der Verkehr, aber vor allem morgens und nachmittags staue es sich ständig: von Egelsbach kommend bis zum Kreisel an der Schillerstraße und aus Richtung Langen bis zur Straße Auf der Trift. Eine Grün-Phase reiche oft nicht, damit alle wartenden Autos die Baustelle passieren können. „Man steht dort recht lange“, klagt Ludwig-Idler. „Die Leute werden langsam ungeduldig und aggressiv“, berichtet sie. Manche hätten sogar schon versucht, sich mit ihren Pkw an der Baustelle vorbeizuzwängen.

Ende des Staus in Sicht: Der Kreisel in Egelsbach soll spätestens im Oktober fertiggstellet werden

Auch hat Ludwig-Idler den Eindruck, dass es auf der Baustelle langsam vorangeht. „Da ist kein zügiges Arbeiten erkennbar“, berichtet sie. „Es tut sich nichts.“

Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne) betont, er könne den Ärger der Pendler „sehr gut verstehen“. Er weist jedoch darauf hin, dass die Bauarbeiten sogar vor dem Zeitplan lägen. Ursprünglich sollte der neue Kreisel Anfang Oktober fertiggestellt werden, „jetzt hoffen wir, dass wir das noch im September hinkriegen“, erklärt Wilbrand.

Egelsbacher Bürgermeister Wilbrand verteidigt den Bau des Kreisels: „Das ist nicht unüblich“

Die lange Dauer der Bauarbeiten hält er jedoch für normal. „Da entsteht ein völlig neues Gewerbegebiet, das dauert nun mal eine Weile“, sagt Wilbrand. Zahlreiche Versorgungsleitungen – Strom, Wasser, Gas – müssen verlegt werden, alle verlaufen unter dem Kreisel hindurch. „Dann dauert das halt, das ist nicht unüblich“, so der Rathauschef. Auch der Bau des ersten Kreisels auf der K 168, der im Zuge des Radschnellwegs entstand, hatte von November 2018 bis April 2019 gedauert.

Wilbrand sieht beim Stau aber auch eine Mitschuld bei den Autofahrern: „Viele lassen zu viel Abstand zum Vordermann“, hat er festgestellt. Die Ampel werde durch einen Sensor gesteuert. Habe sie den Eindruck, dass kein weiteres Auto mehr anstehe, springe sie auf Rot. „Die Leute müssen auch zügig durchfahren“, fordert Wilbrand. (Von Manuel Schubert)

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