Schuld bei Gemeinde und Ex-Bürgermeister?

Das Eigenheim-Dilemma: „Als Kontrollinstanz komplett versagt“

Egelsbach - Der verheerende Sachstandsbericht zur Sanierung des Eigenheims – Fazit: „Alles zurück auf Anfang“ – schlägt Wellen im Ort. Da kann der Verein, der eigens zur Rettung des Eigenheims gegründet worden ist, nicht kommentarlos abtauchen, zumal er in denkbar schlechtem Licht dasteht. Von Holger Borchard

Zum Glück haben Hans-Jürgen Rüster und Andreas Schweitzer eine Telefon-Flatrate. Bei den beiden Vorsitzenden des Vereins Pro Saalbau-Eigenheim klingelt es derzeit deutlich häufiger als üblich, nachdem unsere Zeitung am Mittwoch die 20-seitige Liste von Pleiten, Pech und Pannen bei der Wiederinbetriebnahme der Veranstaltungsstätte öffentlich gemacht hat. „Vor allem unsere Mitglieder wollen hören, was da schief gelaufen ist“, räumt Rüster ein.

Dumm bloß: Schon seit dem Jahreswechsel herrscht Funkstille von Vereinsseite, der letzte Eintrag auf der Homepage www.prosaalbaueigenheim.de datiert von Ende Dezember. „Wir werden auch jetzt nichts überstürzt raushauen“, stellt Rüster fest. „Wir werden erst mal das Gespräch am runden Tisch nächsten Donnerstag abwarten und frühestens danach wird der Vorstand sich öffentlich äußern.“ Die Mitglieder dürften sich derweil schon mal darauf einstellen, dass sie zu einer außerordentlichen Versammlung eingeladen werden. „Bei der könnte es über die aktuelle Problematik hinaus um die Zukunft des Vereins gehen“, blickt Rüster eindeutig-zweideutig voraus.

Die „aktuelle Problematik“ hat Frisch-Bürgermeister Tobias Wilbrand auf 20 Seiten von seinem Mitarbeiterstab darlegen lassen. Die Zusammenfassung legt nahe, dass seit dem Bürgerentscheid vom September 2015 so ziemlich alles falsch und planlos angepackt wurde und rund 480 000 Euro an den Beschlüssen der Gemeindevertretung vorbei verausgabt worden sind. Nun droht das komplette Projekt der Gemeinde und dem Verein um die Ohren zu fliegen. Nicht einmal die 360 000 Euro, die die Gemeinde vom Land Hessen über dessen Kommunales Investitionsprogramm (KIP) für die Eigenheim-Sanierung locker gemacht hatte, erscheinen ohne Wenn und Aber verfügbar.

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Wie aber konnte es so weit kommen? Die Frage muss sich auch der Verein gefallen lassen. „Wir haben von Anfang an und immer wieder auf Fehlentwicklungen hingewiesen und gewarnt, dass es so kommen könnte, wie es nun gekommen ist“, sieht Rüster wenig bis null Schuld beim Verein. „Wir standen stets vor der Tür und konnten nix ausrichten, weil uns einfach die Hände gebunden waren – es hieß ja immer: ,Die Gemeinde hat die Verfahrenshoheit.’ Und seit der leitende Planer auf Gemeindeseite aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung steht, liegt das ganze Projekt brach. Es gibt keine Kommunikation, wir haben seit Monaten das Eigenheim nicht mehr betreten. Die Projekte, für die wir sogar schon das Material besorgt hatten, wurden abgebrochen.“

In diesen Berufen arbeiten die glücklichsten Menschen

Also alles die Schuld der Gemeinde? „Das müssen wir leider so festhalten“, erklärt Rüster. „Unser Verein hat die Arbeit geleistet, unser Verein ist es, bei dem aktuell jegliche Fachkenntnis rund ums Eigenheim liegt, aber man hat uns nie richtig zugehört.“ So habe Pro Saalbau stets angemahnt, kleinere Brötchen zu backen. „Hätte man auf uns gehört, wären wir heute vielleicht bei Ausgaben von etwa 100.000 Euro, statt eine knappe halbe Million rauszuballern.“

Kein gutes Haar lässt Rüster in diesem Kontext an Ex-Bürgermeister Jürgen Sieling (SPD): „Er hat als Kontrollinstanz auf ganzer Linie versagt, weder auf Einhaltung der Vorgaben noch der Ausgaben geschaut und schon gar nicht auf uns gehört“, resümiert Rüster. „Ob’s am blinden Vertrauen in seinen Mitarbeiter lag oder am Wahlkampf – wir vom Verein wissen’s nicht.“ Ohnehin richte Pro Saalbau-Eigenheim auch in der aktuellen Lage den Blick nach vorne, ganz konkret auf das Treffen mit Politik und Verwaltung am 2. August. „Wir haben uns Gedanken gemacht und eine Reihe von Lösungsvorschlägen parat, die wir bei diesem Treffen vorstellen und besprechen möchten.“

Rubriklistenbild: © Archiv: Strohfeldt

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