Ausbaugegner machen Parteien Druck

Egelsbach ‐ Wenn unbedingt Wahlkampf sein muss, dann mit einem Thema, das viele interessiert. Getreu dieser Devise macht die Egelsbacher Flug-Lärm-Abwehr-Gemeinschaft (FLAG-E) ihre Ankündigung wahr, den Parteien in Langen und Egelsbach auf den Zahn zu fühlen. Von Holger Borchard

Diese haben vorige Woche Fragebogen geschickt bekommen, in der Egelsbacher Version mit 14, in der Langener mit elf Fragen rund um Gegenwart und Zukunft des größten Verkehrslandeplatzes in Deutschland. Die Antworten erbittet die FLAG-E bis Mitte Februar, um sie auswerten und am 17. März – sprich zehn Tage vor der Kommunalwahl – in einer öffentlichen Veranstaltung im Egelsbacher Bürgerhaus präsentieren zu können.

Allein mit der Grundsatzfrage „Ausbau – ja oder nein?“ ist’s für die inzwischen mehr als 400 Vereinsmitglieder nicht getan. Sie thematisieren ebenso ökologische und ökonomische Aspekte, das Gesellschafterrecht, den Umgang mit dem Bürgerentscheid 2009, der den Verkauf der kommunalen Anteile zunächst gestoppt hat, oder die Informationspolitik der Flugplatz GmbH unter dem neuen Mehrheitseigentümer NetJets.

Und nicht zuletzt möchte die FLAG-E wissen, ob das, was die Wahlkämpfer ihr vorsetzen, abgestimmte Mehrheitsmeinung ist und zukünftig so nach außen vertreten werden soll.

Fahrradkorso um den Flugplatz

„Den Fragebogen hat eine repräsentative Arbeitsgruppe unseres überparteilich arbeitenden Vereins erstellt.“ Auf diese Feststellung legt der FLAG-E-Vorsitzende Günther de las Heras besonderen Wert. „Wir gehen inhaltlich bewusst über die zumeist allgemein gehaltenen Wahlprogramme hinaus und tragen Fragen und Argumente vor, die wir in vielen Gesprächen mit Bürgern aus Egelsbach und Langener zu hören bekommen haben“, sagt de las Heras. Zuletzt sei dies beim Fahrradkorso um den Flugplatz im August sowie beim Egelsbacher Adventsmarkt verstärkt der Fall gewesen.

„Die Entwicklungen am Flugplatz Egelsbach in den kommenden Jahren berühren uns alle“, heißt es im Anschreiben der Ausbaugegner. Dass Zeitpunkt und Vorgehensweise wohl kalkuliert sind, verhehlen de las Heras & Co. nicht: „Natürlich verlangen wir von den Kommunalpolitikern schon vor der Wahl eine Auseinandersetzung mit Fragen zum Wertverlust von Immobilien und Grundstücken durch Fluglärm oder mit der Frage, wie die Partei zu einem möglichen Ausbau des Flugplatzes steht“, stellt der Vorsitzende fest. „Und natürlich drohen wir ein Stück weit damit, dass wir Art und Inhalt der Antworten eine Woche vor der Wahl öffentlich machen wollen – in der Hoffnung, dass dies möglichst vielen Wählern als objektive Entscheidungshilfe dient.“

„Scheuklappen der Flugplatzaffinität“

Umgekehrt eröffne das Ansinnen der FLAG-E den Parteien die Chance, umfassend darzulegen, für welche Art der Entwicklung am Flugplatz sie stehen. „Uns geht es doch nicht darum, immer und zu allem nein zu sagen“, erklärt de las Heras. „Aber das Mindeste, was die Bürger verlangen dürfen, ist dass man ihre Ängste ernst nimmt.“ Abgesehen davon müsse die Betrachtung des wirtschaftlichen Ganzen frei von den „Scheuklappen der Flugplatzaffinität“ ebenfalls gestattet sein. „Für die Politiker ist es in jedem Fall eine gute Möglichkeit, Sachkompetenz beziehungsweise Bürgernähe unter Beweis zu stellen.“

Ob tatsächlich alle Parteien die „Chance“ beim Schopfe packen, wird sich weisen. Die FLAG-E weist jedenfalls schon mal darauf hin, dass beim Infoabend am 17. März den Parteien keine Gelegenheit zur Darstellung geboten wird. „Nur so lässt sich die Vergleichbarkeit der Antworten gewährleisten“, betont de las Heras.

Rubriklistenbild: © dpa

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