Frieder Weissmann im Rampenlicht

Biografie eines Verkannten

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Das Cover des Buches von Rainer Bunz

Egelsbach - Eine Wiederentdeckung, zugleich die längst überfällige Würdigung eines zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Dirigenten – der Egelsbacher Rainer Bunz legt die erste Biografie Frieder Weissmanns vor.

Auf 432 Seiten entwirft der Autor das faszinierende Porträt eines außergewöhnlichen Menschen und Musikers und erzählt eine berührende deutsch-jüdische Geschichte im 20. Jahrhundert. Der in Frankfurt aufgewachsene jüdische Kantorensohn Frieder Weissmann (1893 - 1984) war in den „Goldenen Zwanzigern“ des vorigen Jahrhunderts einer der bedeutendsten deutschen Dirigenten der jüngeren Generation. Er arbeitete mit allen Stars zusammen und war Aushängeschild des damals größten europäischen Schallplattenkonzerns. 1933 von den Nazis zur Emigration gezwungen, gelang Weissmann im europäischen Ausland, in Süd- und Nordamerika eine zweite Karriere. Noch bis in die 1970er Jahre war er dort ein gefragter Orchestererzieher und Gastdirigent. In seiner deutschen Heimat blieb der im „Dritten Reich“ verfemte Dirigent vergessen und für die Medien, die Musikwissenschaft und die Exilforschung bis heute ein unbeschriebenes Blatt.

Durch Zufall kam Rainer Bunz vor vier Jahren auf die Spur des vergessenen Maestros. Seitdem hat Weissmanns Schicksal den früheren TV-Redakteur nicht mehr losgelassen. Nach intensiven Recherchen legt Bunz nun die erste Biografie des verkannten Dirigenten vor. Packend und detailliert schildert er ein bewegtes Musikerleben auf drei Kontinenten, das fast ein ganzes Jahrhundert umspannte. Das lesenswerte Buch entreißt Frieder Weissmanns Schicksal der Vergessenheit und erhellt ein bislang unbekanntes Kapitel deutscher Musik- und Exilgeschichte.

Rainer Bunz, Jahrgang 1944, hat Germanistik, Anglistik und Amerikanistik in München, Tübingen und Medford (USA) studiert. Nach beruflichen Stationen im deutsch-amerikanischen Kulturaustausch und in der evangelischen Publizistik wechselte er 1980 zur ARD und war dort 30 Jahre lang als Spielfilmredakteur tätig, zuständig unter anderem für die Verfilmungen von Henning Mankells Wallander-Krimis mit Krister Henriksson und Kenneth Branagh. Als Autor ist Bunz in jüngerer Zeit vor allem mit historischen Veröffentlichungen hervorgetreten. (cor)

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