Schulimker liefern Daten für Forschungsprojekt

Beitrag zum Bienenschutz in Egelsbach

Auf der Suche nach der summenden Majestät: Daniel Brechensbauer (links) vom Bieneninstitut und Schulleiter Martin Höhn suchen die Königin. Sie wird für eine Brutpause isoliert, sodass sich die Varroa-Milben nicht vermehren können.
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Auf der Suche nach der summenden Majestät: Daniel Brechensbauer (links) vom Bieneninstitut und Schulleiter Martin Höhn suchen die Königin. Sie wird für eine Brutpause isoliert, sodass sich die Varroa-Milben nicht vermehren können.

Hunderttausende Bienen summen und brummen aktuell wieder durch den Schulgarten der Wilhelm-Leuschner-Schule in Egelsbach. Seit 2014 sind im eigenen Bienenlehrstand rund sechs Bienenvölker beheimatet. Für Schulleiter Martin Höhn, selbst Hobbyimker und studierter Biologe, ist die Bienenkunde eine echte Bereicherung des Unterrichts: „Die Schulimkerei passt perfekt in unser Konzept als naturnahe Schule.“ Nun gibt es ein weiteres Vorhaben zum Schutz der fleißigen Tierchen.

Egelsbach - „Derartige Projekte haben sich außerdem an anderen Schulen als sehr wertvoll herausgestellt“, führt Höhn aus. Zudem würden auf der Egelsbacher Wiese die besten Bedingungen vorherrschen: Ein passender Standort, genügend Lagerfläche und geeignete Schulungsräume. „Im Jahr 2015 haben wir die erste Bienen-AG ins Leben gerufen und ein Jahr später wurden in Zusammenarbeit mit dem lokalen Bienenzuchtverein auch Projekte für Erwachsene ermöglicht“, beschreibt Höhn weiter.

Nun startet die Schule ein weiteres Projekt und möchte mit ihren Bienen echte Forschungsergebnisse liefern. Unter dem Titel „Verbesserung der Varroa-Management-Strategie für hessische Imkerbetriebe“ soll die Weiterentwicklung der Bekämpfungsstrategie von Varroa-Milben unter die Lupe genommen werden. Ziel des dreijährigen Projekts, das im letzten Jahr gestartet ist, sei es, ein Netzwerk für praktische Bienenforschung zu gründen, um innovative Diagnose- und Behandlungsstrategien zu entwickeln. Als „EIP-Agri Projekt“ (Europäische Innovationspartnerschaft) wird die WLS dabei von der Europäischen Union und dem Land Hessen bei ihrer Forschung gefördert. Zudem stehen Kooperationspartner wie Wissenschaftler und Praktiker aus Berufsimkereien, Freizeitimkereien, dem Institut für Bienenkunde der Goethe-Universität Frankfurt, sowie dem Deutsche Berufs und Erwerbs Imker Bund e.V. bereit. Hauptverantwortliche und „Lead Partnerin“ des Egelsbacher Projekts ist Judith Treis vom Comunis Projektbüro, die Martin Höhn bei sämtlichen Experimenten und Praxisversuchen zur Seite steht. „Gerade für die Bienengesundheit hier vor Ort sind die Forschungsergebnisse, die wir hier erzielen wollen, enorm wichtig“, weiß sie.

Mit von der Partie ist außerdem Daniel Brechensbauer vom hessischen Bieneninstitut in Kirchhain. Er ist Experte auf dem Gebiet und erklärt das Projekt: „Die Varroa-Milben sind seit den 1970er Jahren in Europäischen Bienenvölkern zu finden. Der Parasit ist aus Asien eingeschleppt worden und hier für den höchsten Völkerverlust bei Honigbienen verantwortlich. Die Viren setzten sich auf die Bienen oder zwischen die Brut und saugen diese aus. Durch die enorme Vermehrung können sie so ganze Völker töten.“ Um die Bienen und deren Brut vor den bösartigen Parasiten zu schützen, setzten Imker im Moment auf die Ameisensäure-Verdunstung. Diese Behandlungsmethode sei jedoch durch den Klimawandel und die heißen Sommer nicht mehr wirklich zuverlässig, beschreibt Brechensbauer. „Daher wollen wir die Behandlungsstrategie weiterentwickeln und anpassen.“

Mit dem diesjährigen Praxisversuch haben Höhn, Treis und Brechensbauer kürzlich begonnen. Dabei suchen sie die Königin jedes einzelnen Volkes aus den tausenden Bienen heraus und sperren sie für mehrere Tage in einen Käfig, der wieder zwischen die Waben eingesetzt wird. Damit soll eine Brutpause erreicht werden, sodass sich die Varroa-Milben nicht zwischen der Brut verstecken können. Anschließend beginnt dann die Behandlung gegen die Viren der Milbe. Ziel des Versuches ist es, den richtigen Zeitpunkt für diese Absonderung der Königin herauszufinden. „Der Hofstaat bleibt während der gesamten Dauer immer bei der Königin“, beschreibt Höhn und Treis merkt an: „Das Tierwohl ist für uns der wichtigste Aspekt – wir wollen alles absolut naturnah halten.“ Die Ergebnisse des Versuchs sollen anschließend so publiziert werden, dass den Imkern in der gesamten Umgebung und darüber hinaus wirklich geholfen wird. Im nächsten Jahr ist dann sogar ein abschließendes Experiment geplant, bei dem auch ortsansässige Imker mitmachen und mitforschen können.

Ergänzend zu den Praxisversuchen soll im Rahmen des Projekts außerdem ein „Varroa-Counter“ etabliert werden. Dieses Gerät würde dann unten in den Bienenstock hineingeschoben, könne mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz herabfallende Milben zählen und so den Befall des Volkes errechnen. Außerdem sind die Projektverantwortlichen um Judith Treis und Martin Höhn momentan dabei, Arbeitsblätter und Lehrvideos für Berufs- und Hobbyimker zu erstellen, die sowohl sachlich, als auch zu einhundert Prozent korrekt sind.

„Die vergangenen Monate haben es uns sehr schwer gemacht, zusammen mit Schülern an den Bienen zu arbeiten“, sagt Höhn abschließend. Normalerweise seien die Kinder ganz nah mit dabei und auch während der theoretischen Einheiten Feuer und Flamme für die Thematik. „In den nächsten Wochen wollen wir nun auch vor Ort wieder starten und als Lehrimkerei diesen Standort auf eine neue Ebene heben.“

Von Moritz Kegler

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