Beschäftigte von Oxy-Dry fürchten um Jobs

Egelsbach - Bei der Egelsbacher Firma Oxy-Dry sind weitere Entlassungen geplant. Nach Informationen unserer Zeitung sollen etwa 30 der 65 Mitarbeiter davon betroffen sein. Betriebsratsvorsitzender Harald Ruppe wollte diese Zahl nicht bestätigen. Von Frank Mahn

Im Raum stünden Kündigungen in „nennenswertem“ Umfang. „Ich habe die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, dass wir vielleicht mit einem blauen Auge davonkommen.“

Der zur US-Firmengruppe Baldwin Technology gehörende Hersteller von Gummituchwaschanlagen für die Druckindustrie ist in schwieriges Fahrwasser geraten. Bei der im Boschring ansässigen Firma, die in der jüngeren Vergangenheit schon einen erheblichen personellen Aderlass verkraften musste, schlägt wie bei vielen Zulieferbetrieben die Finanzkrise durch. Wegen der schlechten Auftragslage dauerten auch die Weihnachtsferien länger als sonst.

„Die wirtschaftliche Entwicklung lässt uns gar keine andere Wahl, als zu reagieren“, sagt Dr. Steffen Weisser, Geschäftsführer von Baldwin Deutschland mit Sitz im bayerischen Friedberg. In der ersten Hälfte des Jahres 2008 habe sich der Egelsbacher Betrieb noch richtig gut entwickelt, blickt Weisser zurück. „Bis zum Sommer sah das recht ordentlich aus, aber im Herbst hat sich das Blatt gewendet. Seither verzeichnen wir einen gravierenden Auftragsrückgang um zirka 50 Prozent.“

Zu den Kunden von Oxy-Dry zählen in Deutschland die großen Druckmaschinenhersteller Manroland, Heidelberg und Koenig & Bauer. Dort stehen mehrere tausend Jobs auf der Kippe, wird verstärkt Kurzarbeit gefahren. „Wir als Zulieferbetrieb kriegen das eins zu eins ab“, sagt Weisser.

Die Absatzkrise könne folglich nicht ohne Auswirkungen auf den Standort Egelsbach bleiben, so der Baldwin-Chef. Soll heißen: Die Schließung von verschiedenen Firmenbereichen und personelle Konsequenzen sind unumgänglich. Denkbar ist zum Beispiel, dass die Produktion nach Bayern verlagert wird. Auch Weisser möchte die Zahl der Stellen nicht nennen, die auf der Streichliste stehen. Über die vorgesehenen Kündigungen werde derzeit mit dem Betriebsrat verhandelt.

Das ist auch der Grund, warum sich Harald Ruppe zum jetzigen Zeitpunkt nicht detailliert zum Stand der Dinge äußern will. Der Betriebsratsvorsitzende hat die Flinte aber noch nicht ins Korn geworfen. Möglicherweise könne der Betrieb „diese schwierige Zeit durch Kurzarbeit und Langzeiturlaub überwinden“. Das klingt nach dem berühmten Pfeifen im Wald.

Seit der Übernahme durch Baldwin ist die Belegschaft immer kleiner geworden. Ende 2006 standen bei Oxy-Dry immerhin noch 103 Leute in Lohn und Brot, ein Jahr später waren es nur noch 71. Vieles deutet darauf hin, dass sich diese Zahl in den nächsten Monaten fast halbieren wird. Dass der Mietvertrag im Boschring Ende 2010 ausläuft, sieht mancher als weiteres schlechtes Omen.

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