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Aus nach 35 Jahren: Bekannter Hofladen wird schon bald schließen

Der alte Hofladen macht Platz für Neues – Annika Eckert und ihre Mutter Ingrid vom Birkenhof räumen um. Ab November können Kunden Lebensmittel in Selbstbedienung und weiter über den Automaten erwerben.
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Der alte Hofladen macht Platz für Neues – Annika Eckert und ihre Mutter Ingrid vom Birkenhof räumen um. Ab November können Kunden Lebensmittel in Selbstbedienung und weiter über den Automaten erwerben.

Der Hofladen der Familie Eckert auf dem Birkenhof in Bayerseich wird schließen. Ein Zeitpunkt steht bereits fest. Lebensmittel gibt es am Egelsbacher Hof trotzdem weiter.

Egelsbach – Er ist eine Institution in Egelsbach und sogar weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt: Der kleine, gut sortierte Hofladen der Familie Eckert auf dem Birkenhof in Bayerseich. Seit einigen Tagen ist es jedoch offiziell: Der Hofladen wird schließen – bereits zum Ende des Monats.

„Schweren Herzens mussten wir uns dazu entscheiden, ab November zu schließen. Nach 35 Jahren geht der Hofladen in den Ruhestand“, schreibt Annika Eckert in ihrem Brief an alle Kunden, der auch auf der Homepage zu finden ist.

Egelsbach: Hofladen schließt - Frische Waren und Bio-Standard

2017 übernahm Annika Eckert den Hofladen federführend von ihrer Mutter Ingrid und baute die Produktpalette aus. Neben den Gewächsen aus eigenem Anbau und Eiern konnten Kunden zuletzt auch unverpackte Waren, Fleisch, Marmeladen, Honig, Backwaren, Eis und vieles mehr erwerben. Dabei wurden die nicht selbst angebauten oder erzeugten Lebensmittel aus Betrieben mit gleichem Bio-Standard hinzugekauft.

Im Zuge der Corona-Pandemie präsentierte Eckert mit ihrem Team sämtliche frische Waren auf dem Platz vor dem Laden, wo zuvor in den Sommermonaten kleine Tischgruppen zum Verweilen bei Kaffee und Kuchen eingeladen hatten. Die Backwaren zogen in das hohe Regal eines kleinen Verkaufshäuschens mit Kassentresen ein. Durch das geschickte Arrangement von großen Kühltheken, Regalen und Tischen war das Einkaufen auf dem Birkenhof fortan mit ausreichend Abstand möglich.

Aus für Hofladen in Egelsbach: Pandemie erschwerte das Geschäft zusätzlich

Dennoch ist die Pandemie nicht spurlos am Birkenhof vorbei gegangen. Annika Eckert berichtet, dass es in den letzten Jahren zunehmend schwieriger wurde, den kleinen Hofladen wirtschaftlich zu führen. Die vergangenen anderthalb Jahre haben diese Situation noch verschärft. „Plötzlich steht man vor der Frage: wachsen oder weichen?“, so die 34-Jährige. Doch wachsen kam allein schon aus Platzgründen nicht in Frage. Also hat sich Familie Eckert auf das zurück besonnen, was sie aus ihrer Sicht ausmacht: eigenes, mit viel Liebe und Engagement angebautes Obst und Gemüse sowie weiter Eier anzubieten.

Ab November wird nun ein kleiner Selbstbedienungsbereich vor dem Hoftor eingerichtet. Dieser wird einmal in der Woche mit frischem Obst und Gemüse gefüllt. Alle Artikel werden mit einem Preisvorschlag ausgezeichnet und können dort jeden Freitag zwischen 16 bis 19 Uhr erworben werden. Frische Eier aus dem bekannten Hühnermobil können nach wie vor über den täglich aufgefüllten Selbstbedienungs-Automaten, den „Birkomat“, erworben werden. So bleibt allen Egelsbachern doch noch ein Stück vom Hofladen erhalten, wenn auch in neuer Form. „So neu ist unser künftiges Konzept allerdings gar nicht, denn so hat 1984 auch alles angefangen – mit dem Verkauf von Erdbeeren aus eigenem Anbau und Spargel von Großvaters Feld“, klärt Annika Eckert auf. „Also schließt sich nur der Kreis!“

Solidarische Landwirtschaft wird fortgesetzt

Ein großer Vertriebszweig der Birkenhof-Produkte ist die Solidarische Landwirtschaft (Solawi). Hierbei handelt es sich um eine Kooperation von privaten Haushalten mit regionalen landwirtschaftlichen Betrieben. Beide Seiten besprechen, welche Lebensmittel wie angebaut werden. Auf Sorten, angebaute Menge und Art des Anbaus haben die Kooperations-Mitglieder Einfluss, tragen hierfür die Kosten und teilen sich am Ende die geernteten Lebensmittel. Das Ziel ist ganz im Sinne der Familie Eckert, die bereits seit 2012 mitmacht: Die verantwortungsvolle und vielfältige Landwirtschaft bleibt erhalten, hervorgebracht werden frische und saisonale Lebensmittel – ohne lange Transportwege und überflüssige Verpackungen. Weitere Infos unter www.solawi-darmstadt.de. Aber auch wer kein Solawi-Mitglied ist, kann durch das neue Konzept weiter regionales Birkenhof-Gemüse beziehen. 

Hofladen der Familie Eckert auf dem Birkenhof in Bayerseich schließt: In Erinnerungen schwelgen

In den vergangenen Tagen hat die junge Landwirtin unerwartet viele alte Geschichten gehört, die ihre Kunden mit dem Birkenhof und dem kleinen Hofladen verbinden. Auch ihre Mutter Ingrid erzählte Annika vor ein paar Tagen, wie es damals zu den Anfängen des Hofladens kam: Eine immer noch treue Kundin fragte, ob sie Spinat aus dem Privatgarten der Eckerts kaufen könnte. Auch Vater Arno Eckert berichtet, dass er schon als Kind regelmäßig mit dem Fahrrad Eier zu Kunden ausgefahren hat.

Annika Eckert selbst lässt in ihrem offenen Brief alle Kunden auch an ihren schmerzhaften Erlebnissen mit dem Hofladen teilhaben, indem sie von einer großen Beule erzählt, die sie sich als Kind bei einem Sturz vom Verkaufstresen zuzog. Familiengeschichten wurden im Hofladen geschrieben, als ihre Schwester dort die ersten Schritte gelaufen ist. Der Hofladen war für das Ehepaar Arno und Ingrid Eckert ein halbes Leben lang das Herzstück des Birkenhofs und somit weit mehr als nur ein Lebensmittelgeschäft: Er war Lebensraum der Familie, ein Begegnungsort und Bindeglied zu ihren Mitarbeitern und Kunden – ihre „erweiterte Familie“, wie Eckerts sie liebevoll nennen. Für alle Begegnungen und Erfahrungen sind die Eckerts sichtlich dankbar und geben den Hofladen mit mehr als einem weinenden Auge auf.

Egelsbach: Hofladen schließt - Wie geht es bei Familie Eckert weiter?

Wo die Zukunft die einzelnen Familienmitglieder hinführt, ist noch nicht ganz klar. Vater Arno wird erst mal auf den Feldern bleiben, denn mit seinen derzeitigen 61 Jahren sieht er sich noch nicht als zu alt für die Landwirtschaft. Annika Eckert verrät kein Geheimnis, wenn sie sagt, dass sie im Herzen Ergotherapeutin ist. Denn nicht zuletzt durch ihre Kompetenz konnte der Verein LernOrt Birkenhof neben den pädagogischen Angeboten auch therapeutische aufnehmen. Diese Angebote bleiben weiter uneingeschränkt erhalten.

Am Samstag, 30. Oktober, ist der Hofladen zum letzten Mal von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Tags darauf gibt es ein kleines internes Abschiedsfest. Infos unter birkenhof-egelsbach.de. (Marina Zimmer)

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