Julia Nerz sagt leise Servus

Buchhandlung Keil: Ende März ist Schluss

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Ein letztes Winken zum Abschied: Julia Nerz schließt zum 31. März für immer die Pforten der Buchhandlung Keil in der Egelsbacher Ernst-Ludwig-Straße. „Treue Stammkunden sind fein, fehlende Laufkundschaft ist fatal“, resümiert Nerz.  

Egelsbach - Wer im Ort ein Buch kaufen oder bestellen wollte, bekam üblicherweise den Rat: „Geh zum Keil. “ Was über Jahrzehnte galt, geht absehbar dem Ende entgegen: Ende März schließt Inhaberin Julia Nerz das Geschäft in der Ernst-Ludwig-Straße 43. Von Holger Borchard 

Lieber in den sauren Apfel beißen, als sich im aussichtslosen Kampf zermürben zu lassen. Getreu dieser Devise zieht Julia Nerz den Schlussstrich und gibt zum Monatsende ihren Laden für Bücher, Schreibwaren und Geschenkartikel in der Ortsmitte auf. Die Gründe? „Die liegen auf der Hand“, entgegnet Nerz. „Ich lege garantiert keinen Abgang mit Gejammer und Geschimpfe hin“, betont sie. „Aber jeder kann sich ja ausmalen, dass der übermächtige Online-Handel und die immer weiter rückläufige Kundenfrequenz hier im Ortskern dem Geschäft alles andere als zuträglich sind.“ Das Schwinden der Geschäftstreibenden entlang der Ernst-Ludwig-Straße hat Nerz über die Jahre miterlebt, dass Siechen und Sterben des ehemals rund 100 Mitglieder starken Gewerbevereins als Bände sprechendes Zeichen inklusive. Insofern würde die 52-Jährige glatt unterschreiben, dass man sich als Händler im Ortskern mehr und mehr abgehängt fühlt – allein: „An dem Punkt, an dem ich angekommen bin, spielt all das keine Rolle mehr.“

Und so endet die Geschichte der Buchhandlung Keil wie so viele Geschichten nach gleichem Strickmuster: mit dem Räumungsverkauf. Ab Dienstag, 15. März, gilt: „30 Prozent Rabatt auf alles!“ Mit ihrer Entscheidung habe sie viele Leute überrascht, weiß Nerz. „Meine treuen Stammkunden sind geschockt, einige haben mich gefragt, ob das ein Aprilscherz wird.“ Bedauerliche Randnotiz: Das 50-jährige Geschäftsjubiläum, das im Sommer 2017 angestanden hätte, wird es nun nicht mehr geben. „Ich habe immer versucht, die Buchhandlung im Sinne meiner Eltern zu führen, die sie im September 1967 eröffnet haben und von denen ich den Laden vor 22 Jahren übernommen habe“, sagt Keil. „Vor allem meine 2014 verstorbene Mutter Marlene hat das Geschäft als sozusagen gute Seele und mit viel Spaß an der Sache geführt.“ Heute müsse Nerz einfach allen sagen, die sie fragend anschauten: „Egelsbach ernährt mich nicht mehr!“ Der Dank der Buchhändlerin gilt all ihren langjährigen Kunden, letztmals geöffnet ist ihr Geschäft am Donnerstag, 31. März.

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