Konsens in Politik und Familie

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Mitten im Ortskern, in der Ernst-Ludwig-Straße, steht das Haus von Sabine und Jürgen Sieling. Noch wohnen Sohn Florian und Tochter Tamara mit unter einem Dach. Die Katzen Merlin und Eddie schwänzten den Termin mit dem Fotografen. Foto: Strohfeldt

Egelsbach - Der SPD-Bürgermeisterkandidat Jürgen Sieling in der Homestory. Warum der 46-Jährige keinen Nachteil in seiner kurzen politischen Erfahrung sieht. Von Markus Schaible

Schon der erste Blick vermittelt Gemütlichkeit: Er fällt von der Haustür auf eine offene Küche mit einer kleinen Theke und drei Barhockern. Und nebenan am Esstisch sitzt es sich so gut, dass man Sabine und Jürgen Sieling gerne glaubt, wenn sie sagen: „Wenn wir Gäste haben, kommen wir meistens nie bis ins Wohnzimmer. “ Dabei ist es auch dort gemütlich – was nicht zuletzt der Dekoration geschuldet ist. „Meine Frau ist ein Deko-Freak“, erklärt der SPD-Bürgermeisterkandidat – und Tochter Tamara grinst. „Ihr seht das doch schon gar nicht mehr“, sagt Sabine Sieling. „Doch, natürlich sehen wir das“, erwidern Vater und Tochter. „Außerdem müssen wir ja immer die Kisten schleppen. “ Da gibt es die Weihnachtskiste, die Frühjahrskiste, die Osterkiste, die Halloweenkiste.

Der „Spätberufene“ 

Jürgen Sieling ist der Kandidat mit der kürzesten politischen Erfahrung: „Ich bin der Spätberufene“, sagt er selbst. Interessiert hat er sich schon immer für Politik – und irgendwann kam dann der Wunsch, selbst etwas bewegen zu wollen, anstatt immer nur am Esstisch darüber zu diskutieren.

Einen Nachteil sieht der 46-Jährige nicht: Als Bürgermeister sei es nicht so wichtig, schon vor zehn oder 15 Jahren an politischen Entscheidungen beteiligt gewesen zu sein. Vielmehr gelte es, heute Entscheidungen herbeizuführen und sie auch umzusetzen. „Ich stehe für den konsensorientierten Stil, das ist der bessere. Mit Krawall kommt man nicht weiter.“ „So ist er auch in der Familie“, sagt seine gleichaltrige Ehefrau. Tochter Tamara nickt. Für die 16-jährige SGE-Turntrainerin (Bruder Florian, 20, ist Fußballer) ist es schon ein wenig „verwirrend“, dass der Papa jetzt überall im Ort von Plakaten auf sie herabschaut: „Man fühlt sich so verfolgt. Die kleinen Plakate gehen ja noch – aber die großen ...“ Aber das geht ja auch wieder vorbei.

Familie bleibt immer im Mittelpunkt

Die Familie, sagt Jürgen Sieling, bleibt für ihn immer der Mittelpunkt, auch wenn er durch die Politik und speziell den Wahlkampf derzeit stark eingespannt und beispielsweise kein gemeinsames Abendessen möglich ist. Aber die Kinder seien ja auch in einem Alter, wo es „ein Kommen und Gehen“ im Haus ist. Mit kleineren Kindern wäre die Entscheidung über die Kandidatur vermutlich anders ausgefallen, gibt Sabine Sieling zu bedenken.

Die ganze Familie ist stark im Ort verwurzelt, auch wenn Jürgen Sieling mit seinen Eltern „mal kurzzeitig nach Langen ausgewandert“ war. Seine Urgroßmutter war die bekannte Hebamme, auf die er auch heute noch angesprochen wird. „Es war quasi die erste Frau, die ich in meinem Leben gesehen habe“, schmunzelt Ehefrau Sabine. Seit 25 Jahren sind die beiden ein Paar – sie kennen sich aber bereits seit der ersten Klasse, waren gemeinsam auf dem Dreieich-Gymnasium und hatten immer den gleichen Freundeskreis. „Wir haben uns nie aus den Augen verloren“, sagen sie. Ihre Väter waren im Übrigen auch in einer Klasse.

Urgroßmutter war bekannte Hebamme im Ort

Und was machen Sielings so, wenn nicht gerade die Politik im Vordergrund steht? Sport wie bei den Kindern ist es nicht. „Wir sind mehr die Genussmenschen, fahren schon mal nach Rheinhessen zum Weinchen.“ Der Freundeskreis ist auch sehr wichtig. Und natürlich wird im Hause des gelernten Sortimentsbuchhändlers viel gelesen. Politik- und Geschichtswälzer bestimmen die Regalwand des Kandidaten, eben hat er „Die Verfeinerung der Deutschen“ von Erwin Seitz gelesen. Sabine Sieling hat ein eigenes kleines Bücherregal: Romane und Krimis. Dafür ist sie, was die lokalen Probleme betrifft, fast noch näher dran als ihr Mann: Sie arbeitet in der Egelsbach-Apotheke. Und da schauen die Leute jetzt immer genauer aufs Namensschild.

Unsere „Homestories“ der Bürgermeisterkandidaten beenden wir morgen mit Harald Eßer.

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