Es kommt zur Bürgermeister-Stichwahl in Egelsbach

23 Stimmen zwischen Freud und Leid

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Während Jürgen Sieling schon früh durchatmen konnte, besiegelte der Handschlag zwischen dem Grünen Tobias Wilbrand (Bild unten) und Axel Vogt (FDP) und dessen Frau Monika das Ende eines nervenzehrenden Wahlabends.

Egelsbach - Die Entscheidung darüber, wer in den kommenden sechs Jahren die Geschicke der Gemeinde lenken wird, ist um zwei Wochen vertagt. Am 4. März kommt es zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Jürgen Sieling (SPD) und Herausforderer Tobias Wilbrand (Grüne). Von Holger Borchard

Das ist die Quintessenz eines denkwürdigen Wahltags, der schier unglaubliche Dramatik im Rennen um den zweiten Platz in der Stichwahl entfaltete. Jürgen Sieling 37,6 Prozent beziehungsweise 1 724 Stimmen, Tobias Wilbrand 27,4 Prozent (1 259), Axel Vogt 26,9 Prozent (1 236), Jörg Leinberger 8,1 Prozent (370). Das sind die nackten Zahlen zum Wahlsonntag in Egelsbach, an dem 4 617 Einwohner – das sind exakt 53 Prozent der 8719 Wahlberechtigten – ihre Stimme abgegeben haben. Die 0,5 Prozent, die den Unterschied zwischen Jubel und Frustration für Tobias Wildbrand und Axel Vogt bedeuten, sind am Ende 23 Wählerstimmen. Das sagt alles aus über das knappe Rennen um den Teilnehmer an der Stichwahl.

Es sind 15 knallhart komprimierte Minuten, ehe um 18.41 Uhr das vorläufige Endergebnis feststeht: Das erste Raunen geht um 18.26 Uhr durch den gut gefüllten Sitzungssaal des Rathauses: Auf zwei großen TV-Bildschirmen leuchten die aus dem Wahlamt im Bürgerbüro übertragenen Resultate des Wahlbezirks Kita Bürgerhaus II auf. Jürgen Sieling (36,5 Prozent) liegt gut fünf Prozent vor Axel Vogt, der wiederum gut fünf Prozent mehr (31) aufweist als Tobias Wildbrand (26) – in diesem Bezirk machen jeweils etwa 20 Stimmen den Unterschied. Der unabhängige Kandidat Jörg Leinberger rangiert abgeschlagen im einstelligen Bereich.

Für die Spitze und das Ende der Rangliste ist das erste Ergebnis wegweisend – die Positionen von Jürgen Sieling als Sieger und Jörg Leinberger als Schlusslicht ändern sich nicht mehr, während die Ergebnisse der sieben weiteren Wahllokale und zwei Briefwahlbezirke einlaufen. Das Duell zwischen Tobias Wilbrand und Axel Vogt freilich elektrisiert die Zuschauer wie die Hauptfiguren. Beide Kandidaten durchleben ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst hat FDP-Mann Vogt die Nase vorn, doch mit dem ersten von insgesamt zwei vorläufigen Endergebnissen aus dem Ortsteil Bayerseich schlägt das Pendel zugunsten von Wilbrand um. Mit 42,1 beziehungsweise 36,1 Prozent der Stimmen gewinnt Wilbrand beide Wahlbezirke klar, den einen sogar mit jeweils knapp 17 Prozent Vorsprung auf Sieling und Vogt überdeutlich.

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„Jetzt wird’s eng“, ahnt Axel Vogt schon zu diesem Zeitpunkt, dass seine Felle davon schwimmen könnten. „Wenn ich in die Stichwahl einziehe, dann dank der Ergebnisse in Bayerseich – aber da habe ich auch Wahlkampf an jeder Wohnungstür gemacht“, diktiert zwei Meter weiter Tobias Wilbrand den Medienvertretern in den Block. 36 Stimmen Vorsprung hat der Grüne schließlich auf den Liberalen bei nur noch einem ausstehenden Wahlbezirk. Als dieser ausgezählt ist, steht um 18.41 Uhr fest: Jürgen Sieling hat diese erste Etappe gewonnen – und ganze 23 Stimmen Vorsprung gegenüber dem Drittplatzierten lassen Tobias Wilbrand in die Stichwahl einziehen. Der Rest ist Freud’ hüben und Leid drüben. Während im Kreis der Grünen gefeiert wird – Langens Erster Stadtrat Stefan Löbig zählt zu Wilbrands ersten Gratulanten, müssen Axel Vogt und Frau Monika von den Anhängern getröstet werden. Axel Vogt zeigt freilich in der Niederlage Größe und zählt zu den ersten Gratulanten seiner Opponenten.

Bilder: Bürgermeisterwahl in Egelsbach

Die Analyse fällt im Zeichen der frischen Emotionen spärlich aus. Jürgen Sieling freut sich über sein Ergebnis, meldet jedoch an, dass er „auf noch etwas mehr gehofft hatte.“ Tobias Wilbrand weiß, welchem Ortsteil er vor allem zu danken hat und Axel Vogt will „das Ganze verdauen und dann analysieren, aber jetzt trotzdem erst mal mit all meinen Helfern etwas trinken gehen“. Das halten die anderen beiden Kandidaten nicht anders. Von Jörg Leinberger, der auch an diesem Abend nicht gesichtet wird, heißt es, er verfolge den Ausgang der Wahl zu Hause und nicht mehr in der Klinik. Auch eine schöne Nachricht für den Mann, dem die drei Mitbewerber angesichts seines weitgehenden „Ausfalls“ obendrein Respekt fürs Resultat zollen.

Ob das Mini-Feuerwerk am Berliner Platz kurz nach 19 Uhr einem der Stichwahlkandidaten gilt und wenn ja wem, lässt sich am Sonntag nicht mehr verifizieren. Der Wahlbeteiligung freilich dürfte es kaum gelten. Die liegt mit 53 Prozent exakt auf dem Wert von 2012. Für eine Personenwahl zu dürr und schlechtes Omen für die Entscheidungswahl in zwei Wochen.

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