Jürgen Sieling und Tobias Wilbrand

Bürgermeisterkandidaten stellen Weichen für Duell

Egelsbach - Der Wahlsonntag war dramatisch. Er hat bei allen Beteiligten Spuren hinterlassen – und er hat frische Spuren gelegt für am 4. März anstehende Stichwahl. Von Holger Borchard 

„Nach der Wahl ist vor der Wahl“; die abgewandelte Fußballweisheit liefert das Motto für Rückschau, Ausblick und eine Prise Spekulation. Am Montagnachmittag hat der siebenköpfige Wahlausschuss um Gemeindewahlleiter Michael Schmidt das vorläufige Endergebnis der Bürgermeisterwahl festgestellt. Für die im Rennen verbliebenen Kandidaten Jürgen Sieling (SPD, 37,6 Prozent der Stimmen) und Tobias Wilbrand (Grüne, 27,4) ergibt sich daraus zunächst eine typisch deutsche Formalie: Ihre „Vertrauensleute“ müssen im Wahlausschuss bestätigen, dass sie zur Stichwahl antreten. Das ist natürlich nur Nebensache und ruck, zuck abgehakt. Erheblich wichtiger für das Duo und seine Unterstützer sind die „Lehren“ des Wahlsonntags und mögliche neue Konstellationen.

Die Wahlarithmetik hat bestechend simple Seiten: In acht der zehn Wahlbezirke hat Amtsinhaber Jürgen Sieling die Nase vorn gehabt, lediglich in den beiden Wahllokalen im Ortsteil Bayerseich war Tobias Wilbrand erfolgreich – dies freilich geradezu triumphal. Mit Blick auf die absolute Stimmenzahl (Sieling 1724, Wilbrand 1259) ist klar: Der Grüne muss im zweiten Wahlgang rund 500 Stimmen gutmachen. Interessante Randnotiz: In den vermeintlichen Hochburgen ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, sprich in der Ortsmitte (Sieling) und im Brühl (Wilbrand), haben beide Kandidaten Einbußen zu verkraften.

Letztere Feststellung ist für den Amtsinhaber ein Ansatzpunkt für die kommenden zwei Wochen. „Ich werde allen Leuten, die mich gewählt hätten, aber es aus irgendwelchen Gründen am Sonntag nicht getan haben, verdeutlichen müssen, dass jede Stimme sehr wohl zählt“, betont Sieling, der den Wahlabend in der Gaststätte „Alt Egelsbach“ ausklingen ließ.

Wilbrand, der sich mit seinem Tross das eine oder andere Gläschen auf den Einzug in die Stichwahl in der Kulturscheune gönnte, stellt folgende Rechnung an: „Mein Konkurrent ist mir zehn Prozent voraus, ich muss gut 500 Stimmen aufholen. Aber Jürgen Sielings 37 Prozent bedeuten nun mal auch, dass er 63 Prozent nicht bekommen hat. Um davon den siegbringenden Anteil zu erhalten, muss ich all jene zu mir ins Boot holen, die angetreten sind, um etwas zu verändern und den Amtsinhaber abzulösen.“ Abgesehen davon will Wilbrand, dessen expliziter Dank den Bayerseichern gilt, sich im Haustürwahlkampf nun noch einmal stärker auf Bereiche wie Forsthaus und Kammereck konzentrieren.

Für Spannung sorgt die Frage, ob und wie sich die unterlegenen Konkurrenten nebst Unterstützer-Parteien zur Stichwahl positionieren. Und dann ist da noch die Wahlgemeinschaft (WGE), die sich bislang herausgehalten hat. Für Letztere legte Vorsitzender Georg Dinca sich schon gestern fest: „Die WGE wird auch weiterhin keine Empfehlung aussprechen – unseren Mitgliedern ist jegliche Positionierung frei gestellt.“

Bilder: Bürgermeisterwahl in Egelsbach

CDU und Die Linke, die Jörg Leinberger unterstützt haben, wollen sich erst noch einmal in ihren Fraktionen zusammensetzen, ehe sie gegebenenfalls etwas verlauten lassen. Indem Wolfgang Klein (Die Linke) betont: „Ab sofortbeschließen wir wieder alles für uns“, erklärt er freilich das Zweckbündnis mit der Union für beendet. Und die CDU? Deren Vorstand hüllte sich gestern in Schweigen, dass es intern kracht, ist ein offenes Geheimnis.

Auch die FDP, die das bittere Aus ihres Kandidaten erst mal verdauen musste, tagte am Montagabend. „Ich wollte neue Wähler hinzugewinnen, das habe ich nicht geschafft“, analysiert Axel Vogt. „Aber ich hab’ mir nichts vorzuwerfen und schon gar nicht meinem Team, das mich super unterstützt hat.“ Ob und wie die FDP sich nun positioniere, wollte Vogt nicht vorwegnehmen. „Das ist eine Entscheidung, die die ganze Partei trifft.“

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