Dreikampf auf sportlich-fairer Basis

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Die Stühle reichten bei Weitem nicht aus: Etwa 350 Egelsbacher wollten sich ein Bild von den Bürgermeister-Kandidaten machen, die sich in der Podiumsdiskussion unserer Zeitung den Fragen von Redaktionsleiter Frank Mahn und Redakteur Markus Schaible stellten.

Egelsbach - Gepflegter Schlagabtausch zwischen drei Egelsbacher Herren im Anzug: Vor der Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag nutzten Harald Eßer (Grüne), Jürgen Sieling (SPD) und Axel Vogt (unabhängig) die Gelegenheit, sich vor den Egelsbacher Wählern zu profilieren. Von Cora Werwitzke

Alle drei Kandidaten bezogen bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung zu relevanten Egelsbacher Themen Stellung. Um die Wählergunst gerungen wurde im Bürgerhaus zu 98 Prozent mit sachlichen Argumenten, zu einem Prozent mit direkten Attacken und zu einem weiteren Prozent mit (unfreiwillig) humorvollen Einlagen.

Den ersten Seitenhieb des Abends hatte Axel Vogt zu parieren. Noch bevor unsere Redakteure Frank Mahn und Markus Schaible die Diskussion inhaltlich eröffneten, kam der FDPler nicht umhin, zu erklären, warum er als unabhängiger Kandidat ins Rennen geht. „Ich will sehen, wie groß der Rückhalt für mich als Person ist“, sagte Vogt, begründete aber schlüssig, warum er FDP-Mitglied bleibt: „Wenn das Lieblingsteam mal auf einem Abstiegsplatz steht, wechselt man ja auch nicht gleich den Verein.“

Nun denn – das marode Freibad als Eröffnungsthema nutzten die drei Kandidaten, um sich warm zu reden. Sieling sprach davon, „zwei, drei Konzepte erarbeiten zu lassen und über diese abzustimmen.“ Harald Eßer favorisiert kleine Schritte: „Ich bin dafür, einzelne Maßnahmen herauszugreifen, um nach und nach zu sanieren.“ Vogt will langfristig die Betriebskosten senken. Einigkeit herrscht bei allen drei Kandidaten darüber, dass das Bad zukunftsfähig ist. Eine Einstimmigkeit, die sich auch bei anderen Themen zeigte: Der Haushalt soll saniert, der Flugplatz-Ausbau gestoppt und das Eigenheim (zunächst) erhalten werden. Was sich jedoch unterscheidet, sind die Wege der Kandidaten zu diesen Zielen.

So plädiert Jürgen Sieling in Sachen Flugplatz dafür, die Firmen am Egelsbacher Drehkreuz mit ins Boot zu holen und gemeinsam nach Wegen zu suchen, den schon vorhandenen Fluglärm zu reduzieren. „Einfach nur ,dagegen sein‘ ist eine Meinung, aber keine Strategie“, so der SPD-Vorsitzende. Axel Vogt sieht generell kaum Handlungsbedarf: „NetJets strebt derzeit keine Maßnahmen zum Ausbau an.“ Er sei pro Flugplatz, aber gegen eine Erweiterung, die für die Gemeinde unnötig sei.

Bilder von der Podiumsdiskussion

Bürgermeisterwahl: Drei Kandidaten stellen sich vor

Harald Eßer verfolgt nach eigenen Angaben „einen radikaleren Ansatz“ – „Ich gehe davon aus, dass NetJets den Spaß an Egelsbach verliert, für diesen Tag X brauchen wir einen Plan. Als Bürgermeister würde ich mich dafür einsetzten, den Flugplatz zurückzubauen.“ Nicht nur mit dieser Aussage löste Eßer ein Raunen im Publikum aus. Die Frage, ob Egelsbach mit der Lärmbelastung aus der Luft noch lebenswert sei, verneinte er. Vogt bekannte sich zu einem „Ja“ – und bekundete seinen Unmut: „Deshalb habe ich ein Problem mit Ihrer Kandidatur“, wandte er sich an seinen Kontrahenten. „Sie schießen sich zu sehr auf das eine Thema ein.“

Lesen Sie dazu auch den Bericht über die Reaktionen der Zuhörer:

Publikum urteilt überwiegend positiv

Wieder sachlich ging es in die nächste Runde. Für Jugend und Senioren wolle man mit schnell umsetzbaren Aktionen etwas tun, versprachen alle drei Kandidaten. „Bänke lassen sich ohne viel Aufwand aufstellen, die können Senioren nutzen, die sonst nicht so aus dem Haus gehen“, äußerte Jürgen Sieling unter Beifall. Immerhin, eine kritische Zuhörerin aus dem Publikum meldete sich zu Wort: „Warum wurden diese Ideen nicht längst umgesetzt? Warum tauchen sie jetzt im Wahlkampf auf?“ Unisono antworteten Sieling, Vogt und Eßer, dass im Abgeordneten-Alltag solche kleinen Dinge oft untergingen. „Wir sind darauf angewiesen, Hinweise von den Bürgern zu bekommen“, so Sieling.

Genau das Gegenteil – eben keine Hinweise aus dem Publikum – war beim Überraschungscoup des Moderatorenteams gefragt. Wie viele Mitglieder hat die SGE? Wie hoch ist der Dachreiter auf der Kirche? Wann wurde Egelsbach erstmals urkundlich erwähnt? Im Quiz schlugen sich die drei Kontrahenten tapfer. Und für Fehlgriffe waren stets Ausreden parat: „Die erste urkundliche Erwähnung der Kerb – die hätt’ ich gewusst“, unkte Vogt.

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