„Blechbüchsen“ haben ausgedient

Container-Quartier für Flüchtlinge im Geisbaum steht leer

+
Die Tür geschlossen, die Briefkästen abgeklebt: Seit Weihnachten stehen die Container-Quartiere für Flüchtlinge leer. Der Gemeindevorstand möchte die Metallhüllen loswerden.

Egelsbach - Optimal waren sie nie, aber sehr wohl eine schnelle, effektive Antwort, als im kleinen Egelsbach der große Ausnahmezustand in Sachen Flüchtlingszustrom Lösungen erforderte: die Container auf dem Parkplatz der SGE-Tennisanlage. Von Holger Borchard

Nun werden sie nicht mehr gebraucht und sollen so schnell wie möglich wieder abgebaut werden. Das empfiehlt der Gemeindevorstand – die Entscheidung obliegt den Gemeindevertretern in der ersten Sitzung des Jahres am 9. Februar. Im Geißbaum, direkt neben dem Haus der Christlichen Flüchtlingshilfe Egelsbach-Erzhausen (CFEE), haben die „Blechbüchsen“ des ehemaligen Tausendfüßler-Kindergartens ein Jahr lang gute Dienste als Flüchtlingsquartier geleistet. Seit Weihnachten stehen sie leer, weil – und das ist die beste Nachricht – sämtliche auf der Suche nach einer neuen Heimat in Egelsbach Gestrandeten in den beiden Einrichtungen der CFEE beziehungsweise privaten Unterkünften im Ort untergebracht sind.

Kosten verursachen die Container freilich weiterhin, da sie ja nur angemietet sind – der Betreiber, die ELA-Container GmbH aus Haren an der Ems, hatte sie im Herbst 2015 von Kita- auf Wohnraum-Nutzung umgerüstet. Folgerichtig will der Gemeindevorstand nun die Uhren schleunigst zurückdrehen und empfiehlt dem Ortsparlament zum Beschluss: „Die Containeranlage wird abgebaut. Der Mietvertrag zwischen der ELA Container GmbH und der Gemeinde wird, nach Abschluss der notwendigen Rückrüstarbeiten zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt.“

Klar ist: Was im Winterhalbjahr 2015/16 für gutes Geld an provisorischer Infrastruktur aufgebaut worden ist, kostet die Gemeinde in der Rückabwicklung abermals gutes Geld. „Was unter dem Strich an Kosten für Demontage und Abtransport, Rückbau von Ver- und Entsorgungseinrichtungen und Wiederherstellung des Parkplatzes auf die Gemeinde zukommt, lässt sich derzeit noch nicht sagen“, räumt Bürgermeister Jürgen Sieling ein. „Wir gehen von einem Betrag im höheren fünfstelligen Bereich aus, der aus dem Budget für die Mietkosten gedeckt wäre.“

Der Rathaus-Chef und die übrigen Mitglieder des Gemeindevorstands erachten die Rückgabe der Container samt Wiederherstellung des originalen Parkplatzzustands als „alternativlos“. „Die Container sind weitgehend abgenutzt und denkbar ungeeignet für eine alternative Nutzung, etwa als Jugendzentrum oder dergleichen“, urteilt Sieling. „Die Miete kostet die Gemeinde knapp 10.000 Euro monatlich, der Vertrag kann aber jederzeit gekündigt werden.“ Mit der ELA GmbH sei bereits ein Treffen vor Ort zeitnah zur Gemeindevertretersitzung verabredet worden. Sofern die Parlamentarier der Empfehlung des Gemeindevorstands folgen, könnten die Container bereits Anfang März Geschichte sein, schätzt Sieling.

Immer mehr Wohnungslose in Deutschland

Dass noch einmal derartige Provisorien für Flüchtlinge in Egelsbach benötigt werden könnten, hält der Rathaus-Chef für ausgeschlossen. „Die Zahlen sprechen für sich: Für 2017 rechnet man mit der Aufnahme von 60 bis 100 Flüchtlingen im kompletten Kreis Offenbach.“ Für Egelsbach sei keine weitere Zuweisung vorgesehen – gäbe es doch eine Handvoll, wäre das mit den CFEE- und Privatquartieren locker zu stemmen. 80 bis 90 Menschen beherbergt die Flüchtlingshilfe in der modernisierten ehemaligen Seniorenwohnanlage in der Dresdner Straße, daneben nach wie vor rund 40 im Geisbaum. Gut zwei Dutzend weitere Personen sind dezentral in privaten Häusern im Ort untergebracht.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion