Sportverein in der Corona-Pandemie

SGE-Fußballer setzen verstärkt auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen

Optimistisch in die Zukunft, auch wenn Corona ihren Drei-Jahres-Plan etwas zurückgeworfen hat: Trainer Alexander Mangiapane, Abteilungsleiter Matthias Mallebré und Spielausschussmitglied Armin Schuler (von links).
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Optimistisch in die Zukunft, auch wenn Corona ihren Drei-Jahres-Plan etwas zurückgeworfen hat: Trainer Alexander Mangiapane, Abteilungsleiter Matthias Mallebré und Spielausschussmitglied Armin Schuler (von links).

Der Teamgeist ist eine der Stärken, die die Sportgemeinschaft der SGE-Fußballer ausmachen – die eigene Jugend eine weitere. Die Abteilung setzt vermehrt auf Eigengewächse und folgt einem Plan. Auch wenn die Pandemie den etwas durcheinandergewirbelt hat.

Egelsbach – „Wir sind hier ein bisschen wie das gallische Dorf“, vergleicht Trainer Alexander Mangiapane die Fußballer der SG Egelsbach mit den unbesiegbaren Galliern aus den Asterix-Comics. Und woraus besteht der Zaubertrank der SGE-Kicker? „Kerb, Fasching, Oktoberfest“, nennt der 39-Jährige die Zutaten. „Da herrscht hier Ausnahmezustand. Das macht es dem Trainer nicht immer einfach, aber es fördert ungemein den Zusammenhalt.“

Wenn im September hoffentlich die neue Saison beginnt, beträgt das Durchschnittsalter der Kreisoberliga-Mannschaft 21,1 Jahre. 90 Prozent der rund 30 Spieler, die dem Kader angehören, stammen aus der eigenen Jugend, aus der auch in diesem Sommer sieben Spieler in den Seniorenbereich wechseln. Und auch die zweite Mannschaft, die in der Kreisliga B1 kickt, weist mit 26,4 Jahren ein junges Durchschnittsalter auf.

Spieler sollen sich mit Egelsbacher Verein identifizieren

Ein Rückblick: „2019 haben wir einen Umbruch eingeleitet“, sagt SGE-Spielausschussmitglied Armin Schuler, „wir wollen weg von den auswärtigen Spielern, die sich nicht mit dem Verein identifizieren – hin zum eigenen Nachwuchs.“ Doch der neue Trainer Oliver Schnepper fand keine Bindung zur jungen Egelsbacher Mannschaft, bereits Ende November trennten sich die Wege wieder. Weil Wunschkandidat Alexander Mangiapane (FSV Frankfurt U14) im Winter nicht zur Verfügung stand, übernahm der erste Vorsitzende Rolf Hakel das Traineramt beim Tabellenzwölften der Kreisoberliga. „Uns war klar, dass uns eine schwere Rückrunde bevorstehen würde“, blickt Schuler zurück, „doch dann kam die Corona-Krise“ – und die Saison war im März vorbei.

Im Frühjahr 2020 nahmen die Egelsbacher erneut Kontakt zu Mangiapane auf, der für die neue Saison am Berliner Platz zusagte. „Ich habe in der A-Jugend in einer Spielgemeinschaft mit der SGE gespielt und ein Jahr später unter Edgar Waldmann auch bei den Senioren. Der Kontakt zum Verein ist nie abgebrochen“, sagt der 39-Jährige, der mit seiner Familie seit 2014 in Egelsbach wohnt und vor seinem Engagement Jugendmannschaften von Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 trainierte.

SGE-Jugendabteilung kooperiert mit Nachwuchsleistungszentrum des FSV Frankfurt

Vor allem die Arbeit mit einer jungen Egelsbacher Mannschaft reizte ihn. Und hier kann Mangiapane aus dem Vollen schöpfen. In den vergangenen drei Jahren stellten die Egelsbacher jeweils zwei A-Jugendmannschaften. Die A-Junioren stiegen 2019 als Offenbacher Kreisliga-Meister in die Gruppenliga auf und erreichten 2020 als einziger Gruppenligist das Achtelfinale im Hessenpokal – die Partie gegen Verbandsligist TS Ober-Roden fand aber aufgrund von Corona nicht mehr statt. Für die neue Runde plant der ehemalige Regionalligist zwar mit nur einem A-Juniorenteam, dafür bei 40 Spielern aber mit zwei Teams im B-Juniorenbereich.

Abteilungsleiter Matthias Mallebré zeigt auf, dass hinter den Vorhaben nicht nur loses Geschwätz steckt: „Wir investieren in unsere Jugend“, verweist er auf mittlerweile 18 Übungsleiter in der Abteilung, die eine Trainer-Lizenz besitzen. Gemeinsam mit Partner Advance-Football bietet die SGE Workshops für ihre Trainer an, zudem wurde für jede Altersklasse eine Trainermappe (mit Leitlinien, Spielphilosophie und Ähnlichem) erstellt. Weiterhin kooperiert die Jugendabteilung seit 2019 mit dem Nachwuchsleistungszentrum des Regionalligisten FSV Frankfurt. Und Ex-Profi Pierre Kleinheider (Halle, Chemnitz), ehemaliger Torwart des SC Hessen Dreieich, trainiert ab Sommer alle Torhüter von den D-Junioren bis hin in den Aktivenbereich. Fußball ist in Egelsbach für alle offen, „ab den C-Junioren wollen wir aber in den Leistungsbereich hinein gehen“, sagt Mallebré. Daher werden die Trainerposten in den Einser-Mannschaften ab den C-Junioren auch fest besetzt. Die B-Junioren werden ab Sommer von Ercümet Sahin (gleichzeitig Jugendtrainer beim FSV Frankfurt) trainiert. Die seitherigen B-Jugend-Coaches Namir Abbo und Thomas Klump übernehmen die A-Junioren. Bei den Aktiven bleibt – fast – alles beim Alten: Cheftrainer Alexander Mangiapane wird weiterhin von Marcel Riemer (spielender Co-Trainer und Kapitän) unterstützt. Dazu kommt noch Jan Reintjes, der sich bisher gemeinsam mit Florian Sieling und Dominik Biedermann um die zweite Mannschaft kümmerte. Sieling/Biedermann trainieren auch weiterhin die B-Elf.

„Wir hatten einen Drei-Jahres-Plan“, sagt Armin Schuler: „Den Platz in der Kreisoberliga festigen, die Jungs voranbringen, dann im oberen Drittel festsetzen.“ Durch Corona hat sich das Ganze etwas nach hinten verschoben. „Der Plan wurde zweimal unterbrochen, beginnt daher jetzt eigentlich von vorne“, meint Schuler. Ein Traum wäre daher pünktlich zum 150. Vereinsjubiläum im Jahr 2024 der Aufstieg in die Gruppenliga. Dann hätten es die wackeren Gallier wieder einmal allen gezeigt.

Von Patrick Leonhardt

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