Dem Metzger wird eher vertraut

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Viele Kunden möchten genau wissen, wo das gekaufte Fleisch herkommt.

Langen/Egelsbach ‐ Die Verunsicherung ist wieder da. Der Dioxin-Skandal bestimmt nicht nur die Schlagzeilen der Medien, sondern ist auch Thema an den Verkaufstheken der Metzgereien. Von Markus Schaible

„Die Leute fragen schon verstärkt nach“, sagt der Langener Metzger Tobias Breidert. Und wie immer bei Lebensmittelskandalen ändere sich zumindest kurzfristig das Kaufverhalten. Ganz deutlich merke er das bei Eiern, aber auch andere Geflügelprodukte würden etwas weniger nachgefragt. Dabei sei das Hauptproblem das Futter, das vor Bekanntwerden der Belastung verfüttert worden sei. Das Fleisch der Tiere „ist bestimmt schon längst verarbeitet“, sagt Breidert: „Das Problem ist eigentlich im wahrsten Sinn des Wortes schon gegessen.“

Er selbst habe versucht, über die Rückverfolgung der Herkunft seiner Waren so gut wie möglich sicherzustellen, dass er nur unbelastete Produkte anbiete. Bei Geflügel gelinge dies über die Kontrollnummern, bei den anderen Fleischwaren, die er ausschließlich aus Hessen beziehe, habe er mit den Bauern gesprochen. „Wir arbeiten mit zwei Ökohöfen zusammen, die haben sich verpflichtet, nur Futter aus der Region zu verwenden. Die anderen haben Herkunftslisten ihres Futters.“

Dioxin nur ein Teil des Problems

Allerdings hätte er selbst gerne mehr Infos über das Problem. „Die Regierung hat geschlampt“, findet Breidert. Jetzt sei die Politik zwar auf dem richtigen Weg, es sei aber zu befürchten, dass er nicht zu Ende gegangen werde – auch weil „die ganz großen Firmen“ ihren Einfluss geltend machen würden.

Zudem sei Dioxin nur ein Teil des Problems, sagt Breidert und verweist auf andere Schwermetalle: „Nehmen Sie doch die ganzen Futtermittel aus Osteuropa, die sind ganz anders belastet. Und bei Fisch aus der Barentssee möchte ich auch nicht wissen …“

„Zudem gibt es Stoffe, die ganz regulär in die Wurst dürfen, die sind noch viel problematischer“, ergänzt Metzger Markus Bode – manche Aromastoffe zum Beispiel. „Das ist traurig, aber die Entwicklung ist leider so“, sagt er – geschuldet der Tatsache, dass die meisten Verbraucher möglichst billig einkaufen wollen.

Er selbst stelle derzeit sogar eine Zunahme der Kundenzahl fest – „die Leute haben einfach mehr Vertrauen zu uns als zum Discounter“. Doch so richtig darüber freuen kann er sich nicht: „Der Skandal tut dem ganzen Fleischmarkt nicht gut.“

Eine 100-prozentige Sicherheit gebe es nicht, so Bode: Selbst Betriebe, die Futter zum allergrößten Teil aus eigener Landwirtschaft verwenden, würden Öle, Fette und Eiweißstoffe – die Schweine und Geflügel als Allesfresser einfach brauchen – zukaufen. Und auch, wer nicht direkt von den betroffenen Firmen beliefert worden sei, könne nicht definitiv ausschließen, dass bei irgendeinem Zwischenhändler etwas zusammengemischt worden sei.

Noch ist Skandal aber in aller Munde

Nahrungsmittel müssten einfach etwas teurer sein, findet der Egelsbacher Metzger Berthold Markl – nicht, damit mehr Geld damit verdient werde, sondern damit bei der Herstellung kein solch enormer Kostendruck entstehe, der dann zu solch einer „Sauerei“ führe. Besonders schlimm findet er: „Die Problematik wird irgendwann wieder in Vergessenheit geraten.“

Noch ist der Skandal aber in aller Munde – „die Leute haben ganz viele Fragen“, weiß auch Metzger Christian Rauth (Langen/Egelsbach). Er klärt seine Kunden mit Flugblättern der Erzeugergemeinschaft auf, von der er sein Fleisch bezieht. Die garantiere, nur kontrollierte Produkte zu liefern – ohne Dioxin und ohne Gentechnik. Dies habe natürlich auch seinen Preis, doch da sind sich Rauth und seine Metzgerkollegen einig: Das sollte es den Menschen wert sein. Und je besser die Herkunft des Fleisches nachzuvollziehen sei, desto besser für den Kunden.

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