Erpressung und Körperverletzung

Drei Jahre Knast für „Vollstrecker“

Egelsbach/Darmstadt - Mit Freiheitsstrafen von drei Jahren beziehungsweise 16 Monaten auf Bewährung endete vor dem Landgericht Darmstadt ein seit Anfang Dezember verhandelter Prozess um schwere räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Diese wurden zwei türkischen Männern zur Last gelegt – Tatort soll unter anderem eine Kraftfahrzeug-Werkstatt in Egelsbach gewesen sein. Bis zum Schluss bestritten ein 39-Jähriger aus Groß-Rohrheim und sein 31-jähriger Kumpel aus Rüsselsheim die Vorwürfe. 13 Verhandlungstage und zahlreiche Zeugen waren notwendig, um halbwegs Licht ins Dunkel zu bringen, respektive die Vorwürfe zu bestätigen. Staatsanwalt Knut Happel hatte für mehrjährige Haftstrafen, die Verteidiger hingegen für Freisprüche plädiert.

Mit den Urteilen blieb der Vorsitzende Richter Dr. Christoph Trapp deutlich unter den Forderungen des Staatsanwalts, der zweieinhalb beziehungsweise vier Jahre und neun Monate Haft gefordert hatte. Während der 39-jährige Versicherungsfachmann mit einem blauen Auge in Form einer Bewährungsstrafe davonkommt, muss sein jüngerer Komplize für immerhin drei Jahre hinter Gitter. Beide Angeklagten saßen zehn Monate in Untersuchungshaft und sind vorbestraft, der 31-Jährige einschlägig. Jener war während der Tatzeiten zur Bewährung auf freiem Fuß und kann sich nun auf Haftverlängerung einstellen.

Angefangen hat alles mit einer gescheiterten Liebesbeziehung – die des Groß-Rohrheimers. Laut seiner Aussage sollen während der Verlobungszeit mit einer 34-jährigen Riedstädterin mehrere tausend Euro auf ein gemeinsames Hochzeitskonto geflossen sein, als Ansparung für den bei türkischen Vermählungen besonders groß gefeierten Tag. Nach der Trennung Mitte Februar 2015 wollte der Mann das Geld zurück. „Verschiedene Beträge zwischen 5 000 und 18.000 Euro und einen teuren Armreif“, habe er zurückverlangt. Als die Ex die Forderungen nicht erfüllte, kam der Mitangeklagte ins Spiel. Ende Mai 2015 soll der Rüsselsheimer mit einem Begleiter die Kfz-Werkstatt in Egelsbach aufgesucht haben – dort arbeiteten die Brüder der Ex. „Wie aus der Telefonüberwachung hervorgeht, war dies eindeutig keine harmlose Spontanhandlung, wie uns die Angeklagten hier weismachen wollen. Der Auftrag kam vom Ex-Verlobten und es fand kein Smalltalk statt!“, konstatierte Staatsanwalt Happel.

Die Verflossene erinnerte sich an ein Telefonat mit ihrem Bruder kurz nach jener Begegnung in Egelsbach: „Bei uns ist eben ein Audi A3 vorgefahren, fünf Männer saßen drin.“ Zwei seien ausgestiegen; einer von ihnen der Rüsselsheimer, „der offen sichtbar eine schwarze Pistole getragen hat“. Sie seien massiv mit Gewalt gegen sich und ihre Kinder bedroht worden, sofern sie nicht unverzüglich 18.000 Euro an den Groß-Rohrheimer zurückzahlen würden, so die Schilderung des Bruders. „Die komplette Familie zog daraufhin aus Angst einige Tage ins Hotel, bevor sie sich der Polizei anvertraute.“

Die kuriosesten Gesetze aus aller Welt

Im zweiten Komplex des verhandelten Falls ging der 31-jährige „Vollstrecker“ gleich einen Schritt weiter. Diesmal war ein ehemaliger Geschäftspartner des 39-Jährigen das Ziel; der Geschädigte will aus Angst weder Wohnort noch Namen nennen. Wiederum geht es um Geld – allerdings unter umgekehrten Vorzeichen: Der einstige Partner fordert vom Versicherungsfachmann eine Rückzahlung in Höhe von 16 500 Euro. Diese habe er zum Aufbau eines Callcenters in Istanbul vorgeschossen. Als dem Partner Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Vorhabens kamen, wollte er die Summe zurück. Daraufhin soll er von dem Rüsselsheimer und einem unbekannten Mittäter zu Hause aufgesucht und ohne Vorwarnung mit „vielen Grüßen vom Ex-Kompagnon“ verprügelt worden sein. Über die Geldforderung habe das Opfer in der Folge nie mehr ein Wort verloren.

Er habe bei keinem der zahlreichen Zeugen „Belastungseifer oder sonstige Unstimmigkeiten in den Aussagen erkennen können“, resümierte Richter Trapp. Im Gegenteil: Der Ex-Geschäftspartner wollte aus Angst sogar bei der Polizei zunächst keine Aussage machen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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