Gemeinde will mehr Kontrolle

Egelsbach: Baum auf Spielplatz gefällt - Anwohner empört

Nur ein Stumpf ist noch übrig von der großen Hainbuche am Spielplatz Mainstraße. Die Fällung des Baums sorgt bei Anwohnern für Empörung.
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Nur ein Stumpf ist noch übrig von der großen Hainbuche am Spielplatz Mainstraße. Die Fällung des Baums sorgt bei Anwohnern für Empörung.

Auf dem Spielplatz an der Mainstraße in Egelsbach wurde ein Baum gefällt. Die Nachbarn verwundert das.

Egelsbach – Nur noch ein Stumpf ist übrig geblieben von der großen Hainbuche auf dem Spielplatz an der Mainstraße. Nachbarin Eleonore Thomin sieht in der Fällung ein Hau-Ruck-Verfahren. Hier sei ein offensichtlich gesunder Baum gefällt geworden. „Das war unschwer am Wurzelstumpf und an den abtransportierten Baumstammteilen von uns Anliegern und anderen Nachbarn zu erkennen gewesen. Außerdem hatte der Baum nur minimal braune Blätter an der Krone, also war auch die Wasserversorgung in der heißen Jahreszeit in Ordnung“, meint Thomin.

„Nun haben die kleinen Kinder und deren Eltern auch im wahrscheinlich nächsten heißen Sommer keinen Schatten spendenden Baum mehr. Gerade da, wo die Sitzbänke stehen“, kritisiert die Egelsbacherin, die nicht verstehen kann, welche Gefahr von der kräftigen Hainbuche ausgegangen sein soll. „In der augenblicklichen Klima-Situation muss ich von jedem und allen erwarten, dass mit der Natur ganz besonders sensibel umgegangen wird“, betont Thomin. Zumal die Gemeinde die Bürger aufrufe, privat Bäume zu spenden.

Eine Baumfällung solle immer die letzte Option sein, betont Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne) in Reaktion auf den Fall. Die Hintergründe dieser konkreten Fällung seien aber nicht mehr sicher nachvollziehbar, sagt der Rathauschef. Denn: Da die Gemeindemitarbeiter bereits mit Grünschnitt und anderen Gärtnerarbeiten ausreichend ausgelastet und für die Begutachtung und Fällung besondere Qualifikationen nötig sind, bedient sich die Gemeinde dazu externer Dienstleister.

Der Baumgutachter hat nach Wilbrands Angaben im vergangenen Herbst die 1847 Bäume auf Gemeindegebiet begutachtet und bei 715 Maßnahmen angeordnet. Darunter fielen 43 Fällungen, unter anderem die in der Mainstraße. „Diese Maßnahmen wurden in eine Liste übernommen, dort aber nicht weiter begründet. Die mit dem Baumschnitt beauftragte Firma hat die Liste mit den Maßnahmen dann abgearbeitet und eben auch diesen Baum gefällt“, erklärt der Bürgermeister das Prozedere.

Die Begründung kann daher lediglich im Nachhinein rekonstruiert werden. Die Gemeinde vermutet: Die Hainbuche habe wohl für diese Baumart typische Höhlungen im Stamm entwickelt, die bei starkem Sturm zum Abbruch des Stammes führen können. Da der Baum auf einem Spielplatz stand – der zur Gefahrenzone Kategorie eins gehört – habe der Gutachter wahrscheinlich kein Risiko eingehen wollen und die Fällung angeordnet. „Dies ist aber nur eine Rekonstruktion und nicht mehr sicher belegbar. Auf jeden Fall wird der Baum natürlich durch Nachpflanzung ersetzt“, verspricht der Bürgermeister. Dennoch zeige der Vorfall, „dass wir in diesem Prozess noch Optimierungsbedarf haben“, so Wilbrand.

Der Bürgermeister will daher anregen, bei Fällungen künftig immer eine Begründung mit aufzunehmen und eine Kontrollinstanz von Seiten der Gemeinde speziell für Baumfällungen einzuführen. „Allerdings werden diese Mechanismen nicht verhindern, dass auch in Zukunft Bäume gefällt werden müssen“, betont Wilbrand. Die Gemeinde habe immerhin die Verkehrssicherungspflicht.

Für Eleonore Thomin und weitere Nachbarn, die sich über die Fällung beschwert haben, ist das dennoch nicht zufrieden stellend. „Ich bezweifle die Beurteilung des Baumgutachters, der dieser wunderbaren, in vollem Saft stehenden Hainbuche den Todesstoß versetzt hat“, sagt die 82-Jährige. Eine Kontrollinstanz seitens der Gemeinde, was geplante Fällungen angeht, hält sie für unerlässlich und längst überfällig. Nach dem Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“

Zudem hat sich Thomin, die das Schicksal des mindestens 40 Jahre alten Baums nicht einfach so akzeptieren will, an die Untere Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises gewandt. Von der Fällung in Egelsbach habe der Fachdienst Umwelt in Dietzenbach nichts gewusst. „Das wird sich nach Rücksprache mit der Gemeinde künftig aber ändern, wir bekommen die Liste mit Fällarbeiten nun immer zur Abstimmung vorgelegt“, teilt die Behörde mit. Leider könne aber auch die UNB Baumfällungen – sofern ein Fachgutachter zu diesem Schluss gekommen ist – nicht verhindern.

Im speziellen Fall sei eine verlässliche Bewertung anhand des Baumstumpfes nicht mehr möglich, sodass die Behörde auch nur dem Fachgutachter vertrauen könne, heißt es in der Antwort, die der Redaktion vorliegt „Für uns ist wichtig, dass der Artenschutz eingehalten wird und dass es ab einer gewissen Größe des gefällten Baumes eine Ersatzpflanzung gibt. Dies beabsichtigt die Gemeinde ja erfreulicherweise“, so die Kreisbehörde. (Julia Radgen)

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