Seitenweise wertvolle Anregungen

Bürger liefern Grundlage für fruchtbaren Dialog mit der Politik

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Quo vadis Egelsbach? Die Bürger haben immens viele Antworten zusammengetragen. 

Die Aufgabe war enorm – die Fülle der Ergebnisse spiegelt es wider. Wie soll sich Egelsbach in den kommenden Jahren entwickeln? Mit dieser Fragestellung hat die Kommunalpolitik die Egelsbacher gebeten, ihrer Gemeinde ein Leitbild zur Ortsentwicklung zu geben.

Egelsbach –  Und die Egelsbacher haben geliefert: Was rund 50 Freiwillige seit Mitte Februar in sieben Arbeitsgruppen an Ideen, Leitgedanken, Wünschen und Werkzeugen zusammengetragen haben, ist Stoff für eine mehr als zweistündige Präsentationsveranstaltung am Dienstagabend im Bürgerhaus.

Interessiert, konzentriert, sachlich engagiert: Das Publikum, rund 90 Leute an der Zahl, bringt alles mit, was man sich für einen Informationsabend bei 30 Grad Außentemperatur nur wünschen kann. Und so gelingt das Wagnis, von dem jeder Moderationsprofi den Gastgebern aus dem Rathaus ziemlich sicher abgeraten hätte, nämlich, den Sprechern aller sieben Arbeitsgruppen jeweils 15 Minuten zur Vorstellung einzuräumen. Summa Summarum: eindreiviertel Stunden „Frontalunterricht“. Aber: Die Chose flutscht. Und wie! Das nicht zuletzt, weil alle Präsentatoren bemerkenswert eloquent verstehen, ihre Ausarbeitungen auf den Punkt zu bringen.

Sämtliche Anregungen en detail widerzugeben, hat der Redakteur von vornherein verworfen – Mission impossible! Es gibt freilich grundsätzliche Ideen und Gedanken, die Arbeitsfelder übergreifen, folglich immer wieder angesprochen werden und allem voran um Klima- und Naturschutz oder den Umgang mit lokalen Ressourcen (Bauland und historische Bausubstanz inklusive) kreisen. Besonders deutlich artikulieren alle AG-Teilnehmer, wie sinnvoll und wünschenswert es doch sei, eine andere Form der Zusammenarbeit zu etablieren, die Bürgerbeteiligung als Fixpunkt im Gemeinwesen verankert. „Dauerhaft aktive Bürgerbeteiligung“ postuliert stellvertretend der Arbeitskreis „Wie wollen wir miteinander leben?“ auf einem seiner zwölf Thesenplakate, für alle lesbar an der Saalwand angebracht. Tenor: Die Bildung eines Bürgerrats ist ein erstrebenswertes Ziel.

Neben der genannten Arbeitsgruppe, die gewissermaßen die ethisch-moralische Klammer liefert (daher auch die Klammer rechts oben auf den Plakaten), tagten die Arbeitsgruppen zu folgenden Themenbereichen:

.  Wohnraum in Egelsbach

.  Umwelt-und Klimaziele der Gemeinde

.  Demographischer Wandel und seine Folgen

.  Gewerbeansiedlung

.  Mobilität und Verkehr

.  Sport -und Freizeitmöglichkeiten (Beschluss in der ersten Sitzung: Sport und Freizeit werden als separate Sachgebiete behandelt).

Bürgerbeteiligung – der Wunsch der AG „Miteinander leben“.

Die Anregungen lassen sich nur als Schlaglichter wiedergeben: „intelligente“ Gewerbeansiedlung (Stichwort Campus-Prinzip), optimierte und gerechte Verkehrsführung, Wachstum nicht um jeden Preis, Gründung einer gemeindeeigenen Wohnungsbaugesellschaft und so weiter. Bemerkenswerter Denkanstoß: „Beim Blick auf die Demografie bloß nicht die Alten allein betrachten, sondern das Thema durch die Brille der Jugend im Sinne von Gemeinsamkeit und Begegnung aufziehen.“ Die Ansage des mit Abstand ältesten Mitglieds der Demografie-AG.

Nachdem nun so viel auf dem Tisch liegt – die umfangreiche Präsentation wird laut Bürgermeister Tobias Wilbrand zeitnah auf der Homepage der Gemeinde abrufbar sein – bleibt die spannende Frage: Wie geht’s weiter? Wilbrand skizziert den Fortgang wie folgt: „Als Nächstes soll sich eine Steuerung-und Lenkungsgruppe bilden, der je ein oder zwei Vertreter der Arbeitskreise, ein Mitglied aus den Fraktionen in der Gemeindevertretung, Leitbildmoderatorin Branka Butina, der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Joachim Jaxt, und meine Wenigkeit angehören sollten. Bis zum Jahresende sollten in circa drei Sitzungen alle Ergebnisse zusammengeführt und dabei zwischen Zielen und Werten, also dem Leitbild, und konkreten Umsetzungsvorschlagen differenziert werden.“

Ziel bleibe die Vorlage und Verabschiedung des Leitbilds im ersten Quartal 2020.

VON HOLGER BORCHARD

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