„Vor die Musik kommen“

Tobias Wilbrand: Das nimmt er sich für die ersten 100 Amtstage vor

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Egelsbach - Die erste Amtswoche hat der neue Bürgermeister Tobias Wilbrand hinter sich, ebenso die erste Gemeindevertretersitzung. Im Parlament gab der Grüne einen Ausblick, welche Arbeitsschwerpunkte er in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit zu setzen gedenkt. Von Holger Borchard

„Nach dem, was ich mir bereits zur aktuellen Situation des Haushalts erarbeiten konnte, werden wir noch zwei bis drei Jahre mit größeren Problemen mit unserem Haushalt rechnen müssen“, leitet der Rathaus-Chef seine Antrittsrede ein. „Das liegt zum einen an prognostizierten Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer, zum anderen an der weiter problematischen Entwicklung des Verhältnisses zwischen Einnahmen und Ausgaben in der Kinderbetreuung.“ Fast ebenso lange müsse die Gemeinde laut Schutzschirmvertrag die schwarze Null halten. „Außerdem müssen wir für alle Investitionen entweder einen Überschuss erwirtschaften, die Grundsteuer erhöhen oder eine Ausnahmegenehmigung der Aufsichtsbehörde erhalten“, fasst Wilbrand zusammen.

Als Erstes angehen will er die Neustrukturierung der Verwaltung. „Wir beginnen in den nächsten Tagen mit einer Mitarbeiterbefragung, die im August ausgewertet wird“, kündigt Wilbrand an. „Wahrscheinlich im September werde ich mit den Führungskräften zwei bis drei Tage in Klausur gehen und gemeinsam eine neue Organisationsstruktur entwickeln. Ende des Jahres beginnen wir dann mit den längst überfälligen Stellenbewertungen und Beschreibungen. Ziel ist, bis 2021 auch den Haushalt an diesen Organisationsstrukturen auszurichten.“ Arbeite die Verwaltung effizienter, ließen sich Einsparungen im Haushalt vornehmen, so Wilbrand. „Aber auch hier liegt das Zeitfenster auf Besserung in zwei bis drei Jahren und bis dahin müssen wir noch eine Durststrecke überwinden.“ Fraglos habe auch er sich die Dinge anders vorgestellt, erklärt der Rathaus-Chef, „aber wir werden die nächsten Jahre bis zur Kommunalwahl wohl nur mit neuen Belastungen für die Egelsbacher erfolgreich gestalten können“.

In den Gesprächen mit allen Parteien habe er rundweg Zustimmung für seine Haltung erfahren, „dass wir nicht weiter der Musik hinterherlaufen sollten, sondern vor die Musik kommen müssen“. Dies werde aber nur mit mutigen Entscheidungen gelingen, so Wilbrand. „Eine dieser mutigen und wichtigen Entscheidungen ist, jetzt einmal deutlich zu sagen, was in den nächsten Jahren ansteht, statt in Salamitaktik jeden Monat mit einer neuen Hiobsbotschaft um die Ecke zu kommen.“ Dazu gehöre es, lieber am Ende des Jahres 200.000 Euro Überschuss zu erwirtschaften, als mit 20.000 Defizit den Schutzschirm zu reißen.

„Für die nächsten Jahre hat die Gemeindevertretung eine Reihe von sinnvollen und begrüßenswerten Entscheidungen getroffen“, stellt Wilbrand fest. „Es soll ein Stadtentwicklungskonzept erstellt werden, die Jugendfläche soll geplant und gebaut werden. Das Eigenheim soll saniert und wiedereröffnet, der soziale Wohnungsbau gefördert werden.“ Angehen könne man diese Investitionen nur mit einem gesunden Haushalt – „alles, was kein Geld kostet, können wir bereits anstoßen“.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Die Fachämter im Rathaus arbeiten laut Wilbrand bereits an wichtigen Bausteinen zum Thema Ortskonzept. „In diesem Zusammenhang möchte ich im Herbst eine Sondersitzung des Bau- und Umweltausschusses einberufen, in der alle Investoren, die in Egelsbach gerne Projekte für Wohnen und/oder Gewerbe realisieren wollen, ihre Ideen mal vorstellen“, kündigt der Rathaus-Chef an. Zwei „offene Baustellen“, die Wilbrand gleich in der ersten Sitzungsrunde nach den Sommerferien angehen will, sind das Eigenheim und der Sportstättenvertrag mit der SGE. „Zum Eigenheim möchte ich einen runden Tisch mit Verein, zuständiger Verwaltung, externem Projektleiter und Politik einrichten, um die nächsten Schritte verbindlich zu vereinbaren“, betont Wilbrand. „Auch mit der Sportgemeinschaft müssen wir rasch in Gespräche über einen neuen Vertrag kommen. Hier werde ich einen Termin vereinbaren.“ Zu guter Letzt will der Grüne in den kommenden Wochen auf „Sommertour“ zu den wichtigsten Gewerbetreibenden im Ort gehen.

„Ich denke, dass die Kommunikation im Vorfeld und während der ersten Sitzungsrunde einen ersten Einblick in meine Vorstellung von Transparenz sowie kooperativer und lösungsorientierter Kommunikation gegeben hat“, analysiert Wilbrand seine ersten Amtstage. „Leider hat noch nicht alles so geklappt, wie ich es mir vorstelle, aber das war sicher auch der Phase des Übergangs geschuldet.“

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