Kein Nachfolger

Lebensmittelmarkt macht dicht: Vermieter hat neue Pläne

Der Central Markt in Egelsbach
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Leere Regale, verschlossene Tür: Der Central Markt in der Ernst-Ludwig-Straße ist geschlossen.

Nach nicht einmal zwei Jahren ist Schluss: Der Central Lebensmittelmarkt im Egelsbacher Ortskern hat geschlossen. Einen Nachfolger wird es nicht geben.

Egelsbach – Das Licht brennt, doch im Inneren des Central Lebensmittelmarktes ist niemand zu sehen. Die gläserne Schiebetür am Eingang ist verschlossen, und das an einem ganz normalen Vormittag unter der Woche. Viele Regale sind leer geräumt, ähnlich verwaist geben sich Fleisch-, Obst- und Gemüsetheke. In der restlichen Auslage liegen noch ein paar haltbare Waren: Kaffeepulver, Chipstüten, Handseife.

Ein Informationsschreiben am Eingang suchen Kunden, die vor verschlossener Tür stehen, vergeblich. Der letzte Eintrag auf der Facebook-Seite des Geschäfts datiert vom 28. August, die Webseite ist seit einigen Tagen gar nicht mehr erreichbar. „Die gewünschte URL konnte auf diesem Server nicht gefunden werden“, heißt es dort. Die Anzeichen sind eindeutig: Der einzige Supermarkt im Ortskern von Egelsbach schließt – keine zwei Jahre nach seiner Eröffnung.

Kreis Offenbach: Lebensmittelmarkt in Egelsbach geschlossen – Inhaber erklärt Gründe

Inhaber Caner Kocak bestätigt am Telefon das Offensichtliche: „Wir haben seit letzter Woche geschlossen.“ Das Geschäft habe sich einfach nicht mehr rentiert, erklärt er. „Wir kamen nicht mehr über die Runden, konnten unsere Fixkosten nicht mehr decken. Deswegen haben wir die Reißleine gezogen.“ Sein Vermieter, der namentlich nicht in der Zeitung genannt werden will, sagt auf Anfrage: „Der Inhaber des Central Marktes ist mit der Miete im Verzug, es läuft auf eine Insolvenz hinaus.“ Er werde sein Geld wohl nicht mehr bekommen, befürchtet der Eigentümer der fünfgeschossigen Immobilie in der Ernst-Ludwig-Straße 39.

Für die Nahversorgung im Ortskern ist das ein schwerer Schlag. Kocak hatte den Central Lebensmittelmarkt im November 2019 eröffnet – mit einem „zuverlässigen, qualitativ hochwertigen Angebot vor der Haustür, das alle Segmente eines üblichen Lebensmittelmarkts abdeckt“, wie der junge Unternehmer damals ankündigte. Er setzte zudem auf eine orientalische Produktpalette mit Angeboten wie Adana-Spießen, Sucuk oder Baklava. Mit der Neueröffnung vor nicht einmal zwei Jahren waren durchaus Hoffnungen verbunden, gab es doch in der Vergangenheit schon einige Fluktuation in dem Geschäft: Zuerst hatte der Nahkauf, 2011 bis 2018 von Grigorios Grigorakis betrieben, wegen Zahlungsschwierigkeiten und Differenzen mit Zulieferer Rewe schließen müssen. Einige Monate später öffnete der Laden dann wieder, unter dem neuen Namen Nachbarschaftsmarkt und der Leitung von Grigorakis’ Ehefrau Karolina. Er hielt sich aber nur ein knappes Jahr.

Central Lebensmittelmarkt in Egelsbach: „Nachfrage im Ortskern nicht da“

Nun erlebt der Central Lebensmittelmarkt ein ähnlich jähes Ende. „Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass die Nachfrage im Ortskern einfach nicht da ist“, meint Kocak. Im ersten Jahr sei das Geschäft noch gut gelaufen, dann jedoch peu à peu abgeflacht. „Seit einigen Monaten sind wir unseren Rechnungen hinterhergehinkt“, gibt Kocak zu.

Vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie hatte er mit seinem Central Markt noch positiv auf sich aufmerksam gemacht: Als während des ersten Lockdowns die Tafeln geschlossen blieben, gab Kocak nach Ladenschluss kostenlose Lebensmittel an Bedürftige aus. Auch spendete er Futter für die Pferde der Haflinger Ranch und ließ den „Guglhupf“ seine Speisen vakuumiert im Supermarkt-Kühlregal verkaufen, als keine Restaurantbesuche möglich waren.

Egelsbach (Kreis Offenbach): Parkplatzüberwachung an Lebensmittelmarkt sorgte für Ärger

Zuletzt zog der kleine Supermarkt aber auch den Zorn einiger Egelsbacher auf sich: Kocak hatte das Unternehmen Parkvision damit beauftragt, den Parkplatz zu überwachen. Wer sein Auto dort abstellte, ohne im Central Markt einzukaufen, bekam – mit Verweis auf die ausgeschilderten Geschäftsbedingungen – eine Strafe in Höhe von 37,50 aufgebrummt. In der Bevölkerung sorgte das für einigen Unmut.

Eine weitere Neueröffnung wird es indes nicht mehr geben, wie der konsternierte Vermieter erklärt: „Das ist jetzt der dritte Mieter, der schlapp macht. Ich habe einfach keine Lust mehr“, sagt er. „Es funktioniert hier einfach nicht.“ Er wolle die Ladenfläche im Erdgeschoss nun umbauen und dort vier bis fünf Mietwohnungen einrichten, erklärt der Besitzer. Die einzelnen Stellplätze auf dem großen Supermarkt-Parkplatz werde er dann dauerhaft an die Bewohner des Hauses vermieten. (Manuel Schubert)

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