Egelsbach

Christliche Flüchtlingshilfe ist in hektischer Zeit prinzipientreu geblieben 

+
Viel geschafft und noch viel vor – Geschäftsleitung und Mitarbeiter der Christlichen Flüchtlingshilfe (von links): Sozialpädagoge Merga Negeri, Georg Rademacher, Verone Schöninger, Stefan Buckendahl, Hausleiter Shiraz Maysum, Constanze Zimmermann (Verwaltung), Hausmeister Frank Puchert und Norbert Frerichmann. 

Die Christliche Flüchtlingshilfe aus Egelsbach ist auch in hektischer Zeit prinzipientreu geblieben. Sie hat jahrelange Erfahrung mit Flüchtlingen.

Egelsbach – Mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Arbeit mit und für Menschen, die ihre Heimat verloren haben und in Deutschland einen Neubeginn suchen: Das ist die Expertise der Christlichen Flüchtlingshilfe Egelsbach-Erzhausen (CFEE). Die gemeinnützige GmbH war in den bewegten Jahren ab 2015 der Trumpf beider Orte bei der Bewältigung der Flüchtlingswelle – und ist es bis heute. 

 Mit einer Kapazität von 140 Plätzen, verteilt auf das ehemalige Seniorenwohnheim in der Dresdener Straße 31 (80 Plätze), ein Haus Im Geisbaum (40) sowie vier Wohnungen im Ort, ist die CFEE Garant einer Integrationsleistung die einerseits „geräuschlos“, vor allem aber in einer Qualität daherkommt, von der man andernorts nur träumen kann.

Jahreswechsel – gemeinhin ein guter Anlass, um Rückschau und Ausblick zu halten. Das tut auch die Geschäftsführung: das Trio Verone Schöninger, Georg Rademacher und Stefan Buckendahl, zum Quartett verstärkt durch „Berater“ Norbert Frerichmann. „Wir haben die Komfortzone verlassen und uns ein Stück weit neu erfunden und professionalisiert“, subsumiert Buckendahl all das, was die CFEE in den vergangenen fünf Jahren mit Höchstgeschwindigkeit auf die Beine gestellt hat. Es begann bei Container-Quartieren und gipfelte im Ankauf und Umbau des ehemaligen Seniorenwohnheims.

Rückblende: Anno 2015/16 stellt die Flüchtlingswelle die Gemeinde Egelsbach und die CFEE vor nie gekannte Herausforderungen. „Plötzlich sahen wir uns mit der Aufstellung von Containern konfrontiert – etwas, das wir nie haben wollten, das aber wegen der Wucht der Ereignisse alternativlos war“, blickt Georg Rademacher zurück. „Da haben wir Glück gehabt – nicht das einzige Mal in all den Jahren übrigens –, dass die Gemeinde solche Container hatte und dass wir in Absprache mit Rathaus und SGE auf dem Parkplatz direkt neben unserem Haus im Geisbaum die Übergangslösung errichten konnten“, sagt Norbert Frerichmann. „Die Gelegenheit bot sich und wir haben sie genutzt.“

26 Wohneinheiten für maximal 80 Personen bietet das CFEE-Haus in der Dresdener Straße 31 obendrein einen kleinen Garten.

Das Fazit gilt eins zu eins für Kauf, Um- und Ausbau der Seniorenheim-Immobilie. Ein Kraftakt, der wohl überlegt sein wollte, und „überhaupt nur zu stemmen war, weil wir die Kirchen und deren Strukturen hinter uns haben“, wie Buckendahl unumwunden einräumt. Das Haus an der Dresdener Straße – übernommen Anfang 2016 und trotz aufwendiger, mit bösen Überraschungen behafteter Sanierung noch im selben Jahr bezugsreif – bündelt und bindet seither alle Kräfte des ehrenamtlichen Engagements.

 „Wir hatten eine Nachtschicht mit Feuerwehreinsatz, sprich einen Wasserschaden, weil es just zu der Zeit sintflutartig regnete, als das Dach abgedeckt war. Und wir mussten mit Asbest belastete Wasserleitungen austauschen“, nennt Buckendahl die gravierendsten Unwägbarkeiten, die mehr Zeit und Geld kosteten, als der CFEE lieb war.

Nach all der Unruhe, Hektik und – weitgehend fremdbestimmten – Dynamik sei man Mitte 2019 erstmals wieder halbwegs zur Ruhe gekommen“, meint Rademacher. „Das Leben mit und auf der Baustelle, das Agieren am Rande der Kapazitäten und darüber hinaus, ist erst mal vorbei. Jetzt können wir mal wieder entspannt am Tisch sitzen, bauen auf eine großartige Vernetzung und tragfähige Strukturen und freuen uns über einen weiteren Meilenstein, den wir im September mit der Einstellung eines hauptamtlichen Hausleiters gesetzt haben.“

Shiraz Maysum heißt der Sozialpädagoge, bei dem nunmehr alle Fäden zusammenlaufen. Der 36-jährige gebürtige Offenbacher, der in Mainz lebt, zeigt sich beeindruckt vom pädagogischen Repertoire der CFEE. „Das ist schon begeisternd und gibt mir und den Kollegen viel Spielraum für Angebote, die ich auch und gerade unter dem Motto ,Hilfe zur Selbsthilfe’ umsetzen möchte.“ So geht der Verein ab sofort neue Wege, mit Workshops wie „Anti-Stress“, „Gewaltfreie Kommunikation“ oder Elterntraining. „Das Sahnehäubchen dazu ist, dass wir unser Haus öffnen. Denn die Kurse stehen allen interessierten Bürgern offen“, betont Stefan Buckendahl.

„Zwischendurch sind wir auf dem Zahnfleisch gegangen, aber wir sind uns treu geblieben“, findet Norbert Frerichmann als Überschrift für die vergangenen fünf Jahre passend. „Uns war immer klar, dass wir Unterbringung und Betreuung in unserer Hand haben müssen, um unseren Ansprüchen gerecht zu werden.“ Die Gesellschafter im Rücken (siehe Kasten) ermöglichten der CFEE, Verträge mit dem Kreis Offenbach zu schließen. „Da wir das Maximum an ehrenamtlichem Einsatz bei zugleich minimalem Verwaltungsaufwand draufpacken, können wir uns wesentlich mehr Sozialarbeit leisten, als der Kreis zahlt.“

Der soziale und pädagogische Mehrwert mache den Unterschied – und das Wesen der CFEE – aus, ist Verone Schöninger überzeugt. „Bildung – glückliche Kinder heißt glückliche Familien – Ermutigung zu emanzipatorisch selbstständigem Handeln – das ist der Kern unseres Tuns.“ 90 Prozent der von der CFEE geförderten Kinder hätten Schulabschlüsse in der Tasche, erzählt sie und garniert’s mit einer Vorzeige-Vita: „Einer hat den Doktortitel in Atomphysik.“

Von Holger Borchard

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare