Firma trennt sich von Geschäftsbereich

Bei Fleissner/Trützschler droht starker Jobabbau

Egelsbach - Textilmaschinenhersteller in Deutschland kämpfen mit der Konkurrenz aus Asien. Die Folgen bekommen jetzt die Mitarbeiter der ehemaligen Firma Fleissner in Egelsbach zu spüren: Viele Arbeitsplätze fallen wohl weg. Von Marc Kuhn 

Die Mitarbeiter der Trützschler-Gruppe in Egelsbach, zu der seit 2006 das Traditionsunternehmen Fleissner gehört, stehen vor harten Einschnitten. Der Textilmaschinenhersteller mit Firmensitz in Mönchengladbach verkauft die sogenannte Stapelfaser-Technologie, mit der Garnbündel produziert werden, an die Schweizer Oerlikon-Gruppe, wie Trützschler gestern mitteilte. Über Spekulationen zu der Umstrukturierung hatte unsere Zeitung Anfang April bereits berichtet. Etwa 100 der rund 250 Mitarbeiter droht der Arbeitsplatzverlust, wie der Betriebsratsvorsitzende Alexander Sabo unserer Zeitung gestern in Egelsbach sagte. Über ihre Zukunft würden Gespräche zwischen der Arbeitsnehmervertretung und der Geschäftsleitung geführt, erklärten Unternehmenskreise.

Für 20 Mitarbeiter seien individuelle Lösungen gefunden worden, erklärte Carsten Witkowski von der IG Metall Frankfurt, zuständig für Egelsbach. Etwa 85 weitere Jobs würden abgebaut

Die Oerlikon-Gruppe übernehme die Technologie aus Egelsbach, hieß es aus dem Unternehmen. Ähnlich äußerte sich Andre Wissenberg, Sprecher des Schweizer Konzerns. Oerlikon habe Patente und Technologie gekauft. „Wir übernehmen keine Arbeitsplätze oder Mitarbeiter.“ Von dem Kauf profitiere der Standort Neumünster des Schweizer Unternehmens, das noch Dependancen in Remscheid und Chemnitz hat. Trützschler und Oerlikon hätten die gleiche Produktpalette, berichtete der Sprecher.

Er verwies auf die Konkurrenz aus Asien, die hiesigen Textilmaschinenherstellern das Leben schwer macht. Auch die Unternehmenskreise aus Egelsbach sprachen von Wettberwerbern aus China, schlechten Prognosen für den Geschäftsbereich und einem Preiskampf. „Das konnten wir uns nicht mehr leisten.“ Selbst der Betriebsratsvorssitzende Sabo bezeichnete den Beschluss als wirtschaftlich richtig. „Wir sind froh, dass das Geschäftsfeld in Deutschland bleibt.“ Aber: „Traurig ist es.“ Dem Betriebsrat seien die Hände gebunden. Schließlich handele es sich um einen Beschluss der Gesellschafter. „Ich versuche, für die Betroffenen das Maximum herauszuholen“, sagte Sabo. Deshalb würden Gespräche über einen Interessenausgleich und Sozialplan geführt.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Die Trützschler-Gruppe will nach eigenen Angaben an dem Geschäft für Spinnanlagen für Teppichgarne und technische Garne festhalten. „Mit der Neuausrichtung in Egelsbach werden wir unsere Kapazitäten und Kompetenzen auf die Kernthemen unserer Kunden konzentrieren“, erklärte Georg Reinhold, Geschäftsführer der Trützschler GmbH. „Dadurch können wir unsere Innovationen schneller in den Markt einbringen und unseren Service vor Ort weiter verstärken.“

Im Vorfeld der Entscheidung hatte Trützschler erklärt: „Die weltweite Marktsituation für Textilmaschinen hat sich aufgrund der wirtschaftlichen Abschwächung in China stark verändert. Sinkende Faserpreise, Überkapazitäten bei den Kunden sowie eine verstärkte Konkurrenz aus Asien führten zu einem stark schwankenden Auftragseingang und zu schwierig zu planenden Produktionskapazitäten.“ Vor diesem Hintergrund und den Verlusten der vergangenen Jahre sei die Geschäftsführung der Trützschler GmbH von ihrer Gesellschafterin aufgefordert worden, Maßnahmen umzusetzen, die eine langfristig gesunde Geschäftstätigkeit am Standort Egelsbach ermöglichen.

Die Trützschler-Gruppe beschäftigt weltweit etwa 3 000 Mitarbeiter. Als börsennotiertes Unternehmen mit einer mehr als 100-jährigen Tradition ist Oerlikon mit mehr als 13.500 Mitarbeitern an über 170 Standorten in 37 Ländern vertreten.

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