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Egelsbach: Damals und heute - Jugendliche setzen sich mit Flucht auseinander

Bewegendes Projekt: Leon Bredenbröker ist einer der Jugendlichen, die am Film zu den Fluchtbiografien unter Regie von Robert Hoppe vom Juz mitgewirkt haben.
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Bewegendes Projekt: Leon Bredenbröker ist einer der Jugendlichen, die am Film zu den Fluchtbiografien unter Regie von Robert Hoppe vom Juz mitgewirkt haben.

Egelsbach – Was bedeutet es für einen Menschen, unfreiwillig seine Heimat verlassen zu müssen? Um sein Leben zu bangen, alles zurückzulassen, um an einem fremden Ort von vorne zu beginnen? Wie baut man sich alles wieder neu auf, wie kommt man an? Mit diesen Fragen haben sich Jugendliche des Vereins für Jugendsozialarbeit und Jugendkulturförderung Rhein-Main e.V. (JUZ) aus Egelsbach beschäftigt. Dafür fassten sie das Thema Flucht weit: Sie sprachen sowohl mit Menschen, die in den 1940er Jahren geflohen sind, als auch mit Flüchtlingen, die erst vor wenigen Jahren nach Egelsbach gekommen sind. Dabei interessierte die jungen Menschen, welche Parallelen sich zwischen den Fluchterfahrungen ergeben und wo klare Unterschiede liegen. Aus den Gesprächen entstand nun ein Dokumentarfilm.

„Die Idee entstand schon vor fast anderthalb Jahren. Die Kulturbeauftragte der Stadt und VHS-Leiterin Heike Nierenz kam mit den Überlegungen auf uns zu, und wir waren bereit für neue Projekte“, sagt Robert Hoppe, stellvertretender Leiter des JUZ, der die Regie führte. „Die Umsetzung war letztendlich schwieriger als gedacht.“

In Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche, der Christlichen Flüchtlingshilfe Egelsbach/Erzhausen (CFEE), Volkshochschule sowie Gemeinde wurden Personen gesucht, die bereit waren, ihre Geschichte von der Flucht im Zweiten Weltkrieg beziehungsweise aus Syrien zu erzählen. „Anschließend haben wir in unseren Treffen Fragen zusammengetragen, die wir den vier Interviewpartnern stellen wollen“, erzählt Leon Bredenbröker, einer der neun Jugendlichen, die den Film produzierten. „Wir wollten aber auch nicht zu tief ‚nachbohren‘ und dadurch traumatische Erinnerungen oder Ähnliches wecken“, sagt Hoppe. Die Fragen wurden daher offen gestellt und gegebenenfalls spontan vertieft.

„Während der Interviews habe ich immer wieder innerlich geweint. Die Geschichten sind einfach unvorstellbar. Vor allem die Dauer der Flucht und die Tatsache, dass viele ihre Familie zurücklassen mussten, ging mir sehr ans Herz“, erinnert sich Leon. „Im Vergleich von 1945 und 2015 fällt auf, wie unterschiedlich die Anfänge, letztendlich aber doch wie ähnlich die Geschichten sind. Die einen flohen vor der Roten Armee, die anderen aus Syrien, doch alle hatten einen langen und beschwerlichen Weg und waren am Zielort erst mal ungern gesehen. Es gibt erstaunlich viele Parallelen“, fügt Hoppe hinzu. Deutschland sei aber heute in einer viel besseren Lage als in der Nachkriegszeit und habe die Mittel, um zu helfen.

Durch die Corona-Pandemie wurde der weitere Plan dann durcheinandergewirbelt: Eigentlich wollten die Jugendlichen sich treffen, um das Videomaterial zu sichten und zusammen zu schneiden. Das musste aufgrund der Kontaktbeschränkungen im März ausfallen – stattdessen haben ehrenamtliche JUZ-Mitarbeiter den Schnitt von zu Hause aus übernommen.

Zu sehen gibt es die 15-minütige Dokumentation mit dem Titel „Fluchtgeschichten – damals und heute“ am Dienstag, 1. September, um 20 Uhr in der evangelischen Kirche Egelsbach. Das Datum für die Premiere wurde bewusst ausgesucht: Im Jahr 1939 begann an diesem Tag mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen der Zweite Weltkrieg. Wer bei der Premiere mit anschießender Diskussion dabei sein will, sollte sich am besten anmelden.

Anmeldung bis Montag, 31. August, unter Angabe der Personenzahl per Mail an heike.nierenz@egelsbach.de oder unter z 06103 2700092.

Von Moritz Kegler

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