Nonnenwiesenweg in Egelsbach

Ärger über Chaos beim Glasfaserausbau – für Anwohner „eine Katastrophe“

Der Glasfaserausbau hat Anwohner in Egelsbach im Kreis Offenbach regelrecht überrumpelt. Jetzt sorgen die Bauarbeiten im Nonnenwiesenweg für großen Ärger.

  • In Egelsbach (Landkreis Offenbach) wird das Glasfasernetz ausgebaut.
  • Die Bauarbeiten sollen äußerst schlampig verlaufen.
  • Ein Anwohner in Egelsbach beklagt die Zustände.

Egelsbach – Alles begann mit einem blau-weißen Zettel, den Michael Miltenberger eines Mittwochmorgens in seinem Briefkasten fand. „Wichtige Informationen zu den Tiefbauarbeiten in Ihrer Straße“, stand darauf. Die Deutsche Glasfaser hatte ihn eingeworfen, um Miltenberger mitzuteilen, dass genau diese Tiefbauarbeiten zum Glasfaserausbau „in den kommenden Tagen“ vor seiner Haustür beginnen würden. Oder genauer gesagt: noch am selben Tag. Denn angekreuzt auf dem Zettel waren Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag. Verbunden mit der freundlichen Bitte, im genannten Zeitraum keine Fahrzeuge auf der Straße zu parken.

Glasfaser in Egelsbach: Anwohner von Bauarbeiten überrumpelt

„Das war eine ziemliche Überrumpelungsaktion“, echauffiert sich Miltenberger, 50, der im Nonnenwiesenweg wohnt. Spätestens am Dienstagnachmittag müsse der Zettel eingeworfen worden sein, vorher habe nichts im Briefkasten gelegen. Zwei Wochen ist das her.

Holpriger Untergrund, kaputte Pflastersteine, zum Teil kein Sand in den Fugen: Im Nonnenwiesenweg in Egelsbach ging beim Glasfaser-Ausbau offenbar einiges schief.

Die Tiefbauarbeiten zum Glasfaserausbau in Egelsbach (Kreis Offenbach) haben gerade erst begonnen, da gibt es schon Ärger. Einige von Miltenbergers Nachbarn hatten das Memo offenbar nicht rechtzeitig entdeckt, denn als – doch einen Tag später als angekündigt – am Donnerstagmorgen ein Bautrupp im Nonnenwiesenweg eintraf, hatten manche Anwohner ihre Autos noch gar nicht umgeparkt. „Die haben sie dann einfach mit Absperrungen eingekesselt“, erzählt Miltenberger. Der Egelsbacher beschwerte sich bei der Gemeinde, woraufhin die Arbeiter wieder eingepackt hätten. Später am Tag seien sie wiedergekommen, hätten „die Gasse fürchterlich aufgerissen“. Auf einer Breite von 20 Zentimetern sei die komplette Straße geöffnet worden.

Glasfaser in Egelsbach: Bauarbeiten sind „eine Katastrophe“

Nicht nur bei der Informationspolitik scheint es zu hapern, auch die Bauarbeiten laufen offenbar nicht ganz glatt. Nachdem die Glasfaserkabel schnell verlegt waren, hätten die Arbeiter die Straße äußerst schlampig wieder verschlossen, klagt Miltenberger. „Die Bepflasterung ist eine Katastrophe“, schimpft er. Die Steine seien nicht ordentlich verlegt worden, teilweise hätten sie am Rand deutlich übergestanden oder seien nicht verfugt worden. „Sie sind lose und klappern – das sind Stolperfallen“, so Miltenberger. Auch habe er mitbekommen, wie sich die Bauarbeiter gegenseitig angeschrien hätten.

Nach einem weiteren Beschwerdeanruf Miltenbergers bei der Gemeinde hätten am Mittwoch die Aufriss-Arbeiten aufgehört, am Donnerstag hätten die Arbeiter damit begonnen, das Pflaster zu „flicken“. Mittlerweile sei es ruhig in seiner Straße, ab und zu werde noch etwas ausgebessert.

Glasfaser in Egelsbach: Pflastersteine wurden beschädigt

Der Gemeinde ist der Fall bekannt. Wie Klaus-Dieter Bergerhausen (CDU), Beigeordneter im Gemeindevorstand, erzählt – der den zurzeit im Urlaub weilenden Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne) vertritt – hat die Verwaltung ein unabhängiges Ingenieurbüro damit beauftragt, die Baustelle zu begutachten. Und dabei eindeutige Mängel festgestellt. Durch den unsachgemäßen Einsatz von Rüttelmaschinen seien etwa Pflastersteine beschädigt worden, berichtet Bergerhausen, auch seien diese zum Teil ohne Unterbau ins Wegebett verlegt worden. Und Warnwagen, die die Baustelle absichern sollten, seien nicht beleuchtet gewesen.

Am vergangenen Montag habe man dem Bauleiter der Deutschen Glasfaser bei einem Treffen mitgeteilt, dass es so nicht weitergeht. „Das lassen wir uns nicht gefallen“, stellt Bergerhausen klar. „Der Bauleiter weiß, dass er auf die Finger geschaut bekommt. Wenn sich das nicht bessert, kriegt er hier einen Baustopp.“ Das Ingenieurbüro werde nun zwei bis dreimal die Woche im Nonnenwiesenweg nach dem Rechten sehen. Bergerhausen bezeichnet die bisherigen Arbeiten als „Murks“. Alle Beteiligten seien sich einig, dass die Fläche wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden müsse.

Deutsche Glasfaser: Verhältnisse in Egelsbach seien normal

Dennis Slobodian, Pressesprecher der Deutschen Glasfaser, verspricht: „Sie können sich sicher sein, dass alle Oberflächen wieder so hergestellt werden, wie sie vorher waren.“ Manchmal würden Pflastersteine nur provisorisch verlegt, damit man sie später wieder herausnehmen könne, wenn die Hausanschlüsse verlegt werden. Bergerhausen berichtet jedoch, die Deutsche Glasfaser habe der Gemeinde mitgeteilt, die Baustelle im Nonnenwiesenweg sei „fertiggestellt“.

Dass die Anwohner so kurzfristig informiert werden, ist laut Slobodian normal. „In der Regel sind es 48 Stunden vor Baubeginn. Die Kolonnen kommen zügig voran, die Arbeiten sind relativ schnell abgeschlossen.“ In Egelsbach wird das von der Deutschen Glasfaser beauftragte Generalunternehmen mit bis zu sechs Kolonnen gleichzeitig unterwegs sein. Die Gemeinde hat sich nun eine genaue Auflistung der Baustellen geben lassen. „Das wird vom Bauamt mit Argusaugen verfolgt“, betont Bergerhausen.

Deutsche Glasfaser: Nicht nur in Egelsbach gibt es Ärger

Auch andernorts sorgt der Glasfaser-Ausbau für Ärger. Erst vor einigen Wochen hatten sich die Bürgermeister der „Kommunalen Allianz Westspessart“ mit deutlichen Worten ereifert. Sie bemängelten unter anderem angebohrte Versorgungsleitungen, fehlende Absprachen und menschenunwürdige Zustände auf den Baustellen. In Neuss sowie in den Gemeinden Westerkappeln und Ostbevern im Münsterland gab es bereits 2017 Berichte über ähnliche Probleme. (Von Manuel Schubert)

Rubriklistenbild: © Sebastian Willnow/zb/dpa

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