Mitglieder des Vogelschutzvereins päppeln Exoten und Wildvögel auf

Pflegeheim für Federvieh: Hier werden Exoten und Wildvögel aufgepäppelt

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Zum Wohle der Vögel: Der Vorsitzende Klaus Sperling (rechts) – zugleich Tierarzt – und sein Stellvertreter Ulrich Klingbeil leiten die Geschicke des Vogelschutzvereins. Sie wünschen sich neue Mitglieder, um den Verein zu sichern.

Trotz ihres guten Sehvermögens können sich auch wilde Raubvögel mal verletzten. Dann sind die Mitglieder des Vogelschutz- und Zuchtvereins gefragt, das Tier zu behandeln, bis es wieder in die Natur zurück kann.

Egelsbach – „Die Sinnesorgane – besonders das Sehvermögen – von Vögeln sind deutlich besser als bei uns Menschen“, sagt Klaus Sperling, Vorsitzender des Vogelschutz- und Zuchtvereins mit Blick auf den Falken mit gebrochenem Flügel. „400 Bilder sehen die circa pro Sekunde. Deshalb fliegen sie auch nicht gegen jeden Baumstamm im Wald“. Trotzdem können sich auch wilde Raubvögel verletzen. Dann sind die Vereinsmitglieder gefragt, um das Tier zu behandeln, bis es wieder in die Natur zurück kann.

Beim diesjährigen Vereinsgrillen der Vogelfreunde sind bereits am frühen Mittag die Bänke auf dem Vereinsgelände besetzt. „Eigentlich ist es so etwas wie ein Tag der offenen Tür – denn bei uns gibt es einiges zu sehen“, sagt der Vereinschef, der Führungen anbietet. Die gefiederten Bewohner der Volieren und Käfige sind teils permanent, teils nur zur Genesung vor Ort. Ein Mitarbeiter kümmert sich um die Dauergäste. Darunter ist ein Graupapagei, dessen Besitzerin vor einigen Jahren verstorben ist. Daraufhin landete er in der Auffangstation des Vereins. „Der Vogel ist gut 30 Jahre alt und wohl einer unserer ältesten Schützlinge“, sagt Sperling. Das gehobene Alter sieht man dem Papagei am zerrupften Federkleid an. Aber er hat noch ein großes Mundwerk. „Halt’s Maul“, krächzt der Vogel. „Das haben wir ihm nicht beigebracht“, versichert Sperling lachend.

Auch abseits der Vereinsarbeit ist er ein Tierfreund. Er führt seit vielen Jahren eine Tierarztpraxis für Kleintiere in der Rheinstraße. Manchmal kann er einem Patienten nicht mehr helfen. Doch das Ansetzen der Todesspritze geht ihm bis heute nahe. „Wenn dich so ein Tier mit seinen Knopfaugen anschaut, machst du das nicht leichtfertig“, sagt der Tierarzt. Gerade bei Vögeln sei es immer Abwägungssache, ob noch genügend Lebensqualität bleibe – zum Beispiel, wenn sie nie wieder fliegen können.

Auch der Klimawandel und das Insektensterben stellen Vögel vor Herausforderungen und sorgen für sinkende Populationen. „Sie finden weniger Nahrung. Dadurch kommen weniger Nestlinge durch“, erklärt der Fachmann. Auch chemische Insektizide und der Verlust grüner Wiesen gefährden hiesige Arten. „Wenn man die Wiesen und Äcker einfach ein bisschen mehr sich selbst überlässt, wäre schon viel für Vögel und andere Tiere getan“, appelliert Sperling.

Seine Frau Karin ist Schriftführerin im Verein. Sie ist von der Unwissenheit mancher Waldspaziergänger überrascht, die mit einem vermeintlich verletzten Vogel an die Vereinstür klopfen. „Oft kommen Leute mit soggenannten Ästlingen zu uns, die kerngesund sind. Das sind Jungvögel, die frisch aus dem Nest gekommen sind und auf dem Boden umherhopsen und flattern“, sagt sie. Das sei ganz normal, doch die Spaziergänger denken, dass die Jungen von ihren Eltern verlassen wurden. „Da sagen wir nur: Sofort dorthin zurückbringen, wo sie den Vogel gefunden haben!“. Und ihr Mann ergänzt: „Die Leute wollen Gutes tun, machen aber das glatte Gegenteil.“

Der Verein nutzt den Tag auch, um neue und jüngere Mitglieder zu werben. „Viele junge Menschen sitzen lieber vor dem Computer statt nach draußen zu gehen“, bedauert Sperling. Der Verein bietet Führungen für Schulklassen an, um bei Kindern und Jugendlichen Lust auf die Vereinsarbeit zu wecken. Damit er auch zukünftig verletzte Vögel versorgen kann.

VON TIMO KURTH

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