Gemeinde in Sorge

Wegen Erzieher-Krankheitswellen: Egelsbach droht der Kita-Notstand

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Egelsbach benötigt neue Erzieher (Symbolbild)

Bei der Betreuung ihrer Jüngsten mussten die Egelsbacher Eltern in den vergangenen Monaten hin und wieder ziemlich „flexibel“ reagieren. 

Egelsbach - Aufgrund von Krankheitswellen unter den Erziehern kam es mehrfach zu Schließungen in den Kinderbetreuungseinrichtungen der Gemeinde. Die bislang letzte Ausnahmesituation ist gerade mal ein paar Tage her: Mitte September war im Brühl eine Gruppe der über Dreijährigen (die „Langener Gruppe“) für drei Tage geschlossen. In der Kita Bayerseich waren eine weitere Ü3-Gruppe für drei Tage komplett dicht und zusätzlich die U3-Gruppen ab 14 Uhr geschlossen.

 „Wenn wir sechs bis acht Erzieherinnen mit Krankmeldung haben, können wir nicht mehr anders reagieren“, sagt Heike Vetter, pädagogische Leiterin der Kitas in der Gemeinde Egelsbach. „Wir versuchen immer schon, die Kräfte innerhalb der vier Einrichtungen auszutauschen, aber jetzt war es so eng, dass es keine andere Lösung mehr gab, als die Gruppen ganz zu schließen. “ Eine Notbetreuung könne die Gemeinde dann nur bei absoluten Engpässen bei berufstätigen Eltern bieten.

Egelsbach: Erzieher erkrankten schon im Juli, März und Februar 2019

Ähnliche Situationen gab es bereits im Juli, im März und im Februar – in einzelnen Gruppen blieben die Pforten für zwei bis drei Tage geschlossen. Im August kam noch die Hitzewelle hinzu: Aufgrund der Wärme konnten die Kinder in den U3-Gruppen nicht mehr schlafen und mussten bis spätestens 14 Uhr abgeholt werden. „Im Haushalt 2020 ist Geld für eine Klimaanlage eingestellt, damit wir dann die Räume besser runter kühlen können“, kündigt Heike Vetter für dieses Problem Nachbesserung an.

Eltern reagierten gefasst auf die Kita-Gruppen-Schließungen in Egelsbach

Bis auf wenige Paare hätten die betroffenen Eltern aber sehr gefasst auf die geschlossenen Gruppen reagiert. „Bei der Hitze gab es eine Beschwerde, da haben viele Mütter aber von sich aus gesagt, dass sie die Kinder früher holen, weil es so unerträglich warm war. Bei den Krankheitsfällen bekommen die Eltern ja selbst mit, dass es immer weniger Erzieherinnen sind. Das sind dann meist Erkältungskrankheiten oder Magen-Darm“, erklärt die pädagogische Leiterin.

Grundsätzlich sei Egelsbach derzeit nicht betroffen vom großen Erziehermangel. Vetter sieht ihr Team „ganz gut aufgestellt“. Sie sei froh, dass sie immer wieder auf Lehramtsstudenten und Erzieher in Ausbildung zurückgreifen könne. „Ich hoffe jetzt aber sehr, dass wir im Herbst von größeren Grippewellen verschont bleiben“, versucht sie natürlich, eine Schließung einer der vier Einrichtungen zu vermeiden.

Egelsbach: Kita-Notstand droht bei erneuter Krankheitswelle 

Auch in der Gemeindevertretung wurde der Betreuungs-Notstand angesprochen. Dabei kam die Frage auf, wann damit zu rechnen sei, dass Egelsbach wieder eine „verlässliche Kinderbetreuung“ anbieten könne. „Wir haben derzeit fünf Langzeiterkrankte – Mitarbeiterinnen, die längerfristig ausfallen. Wenn dann noch eine Krankheitswelle kommt und viele weitere Erzieher ausfallen, haben wir keine Möglichkeit den Betrieb aufrechtzuerhalten“, antwortet Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne). 

Die fünf Stellen können somit nicht neu besetzt werden, weil sie ja besetzt sind. Derzeit stelle die Gemeinde wieder Erzieherinnen ein – aber eben nur auf im Stellenplan ausgeschriebene Stellen. Der Haushaltsplan für 2020 sieht zwei zusätzliche Erzieher vor – dabei liege die Entscheidung bei der Politik, ob sie bereit sei, das Geld für Kinderbetreuung auszugeben.

Von Nicole Jost

Nicht nur in Egelsbach gibt es Kita-Probleme. Auf einen Krabbelplatz warten in Heusenstamm derzeit etwa 130 Kinder unter drei Jahren.In Offenbach baut man für jeweils 6,3 Millionen Euro die städtischen Kitas in der Brandenburger Straße in Bürgel sowie in der Rödernstraße in der nördlichen Innenstadt neu.

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