Furcht vor Schleichweg-Karawane auf K 168

Ausbau der Bundesstraße 486 in der Kritik

Der Ausbau der Bundesstraße 486 zwischen der A 5 und der Nordumgehung stößt auch in der Egelsbacher Politik grundsätzlich auf mehrheitliche Gegenliebe. 

Egelsbach – Doch wie in Langen sieht man in der Gemeindevertretung die aktuellen Planungsgrundlagen mit diversen Fragezeichen behaftet. Konsequenz: In der aktuellen Stellungnahme ans Regierungspräsidium (RP) Darmstadt erhebt die Gemeinde keine Einwände, fordert aber sehr wohl Nachbesserungen.

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: 2007 hat Egelsbach im Zuge des seinerzeitigen Planfeststellungsverfahrens weder Einwendungen erhoben noch eine Stellungnahme abgegeben (was man im Nachhinein als wenig clever interpretieren könnte). 2015 erneut aufgefordert, gab die Gemeinde eine Stellungnahme ab, auf deren Basis nun Bedenken noch einmal konkreter ausformuliert worden sind.

Fragezeichen wirft aus Gemeindesicht etwa die Leistungsfähigkeit der Kreuzung B 486/Kreisstraße 168 auf. Abgesehen davon treibt die Egelsbacher mit Blick auf die Kreisstraße und die Darmstädter Landstraße die gleiche Furcht vor wachsendem Durchgangsverkehr um, wie der Langener Magistrat ihn für die städtische Ost-West-Achse Mörfelder Land- und Südliche Ringstraße, beziehungsweise das Wohngebiet Oberlinden argwöhnt.

Staulagen sind erhöhtes Sicherheitsrisiko 

„Grundsätzlich hält die Gemeinde Egelsbach eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf der B 486 für notwendig“, leitet Bürgermeister Tobias Wilbrand sein durch 18 Gemeindevertreter (bei acht Gegenstimmen – fünfmal SPD, dreimal FDP) legitimiertes Schreiben ans RP ein. Die aktuellen Staulagen in beide Fahrtrichtungen und gerade zurück zur A 5 stellten zweifelsohne ein erhöhtes Sicherheitsrisiko dar. Dennoch müsse die Gemeinde zum jetzigen Zeitpunkt den Finger in die Wunde legen: „Wir haben erhebliche Zweifel daran, das alle erforderlichen Aspekte ausgeleuchtet und berücksichtigt worden sind“, betont der Bürgermeister.

Zuvorderst zu hinterfragen seien die Lärm- und Schadstoffemissionen entlang der Kreisstraße und der Darmstädter Landstraße mit ihrer angrenzenden Wohnbebauung. „Dazu vermissen wir konkrete Aussagen – immerhin soll die Verkehrsbelastung der K 186 infolge des B 486-Ausbaus um 22 Prozent steigen.“

Explizit zu hinterfragen sei ferner die Ampelkreuzung B 486/K 168. „Ist sie tatsächlich ausreichend leistungsfähig für das zusätzliche Verkehrsaufkommen?“, will die Gemeindevertretung wissen. Die vorgelegte Untersuchung weise nur die niedrigste akzeptable Qualitätsstufe der sogenannten Kreuzungskategorie D aus. „Dabei sind nach den uns vorliegenden Erkenntnissen aber die baulichen Entwicklungen im Bereich der K 168 bis zum Prognosehorizont 2030 nicht berücksichtigt“, merkt Wilbrand an. „Von daher steht zu befürchten, dass die Qualitätsstufe auf ein nicht mehr akzeptables E sinkt.“

Dass östlich der Kreuzung, also in Richtung Ortseingang Langen, aus vier Fahrspuren nur noch zwei werden, erhöhe im Bunde mit einer leistungsschwachen Kreuzung latent das Risiko der Stauverlagerung samt daraus resultierender Schleichwegsuche. Wie man in Langen die innerstädtische Verkehrszunahme fürchte, so fürchte man in Egelsbach bei Stau auf der Nordumgehung die Nutzung der K 168 als Schleichroute zur A 661-Auffahrt – „insbesondere bei großer Staulage im Bereich der A3 zwischen Frankfurter und Offenbacher Kreuz“, präzisiert Wilbrand. In diesem Kontext sei eine sogenannte Stauhäufigkeitsprognose sinnvoll.

Weiterer Kritikpunkt. Prognosen zielen nur auf den Autoverkehr ab; eine integrierte Verkehrsplanung unter Einbezug des Zweiradverkehrs, von Mofas bis hin zu Pedelecs, E-Bikes und E-Tretrollern, ist Fehlanzeige.

Von Holger Borchard

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