Vier Tage Ausnahmezustand

Kleiner Jahrgang – große Kerb in Egelsbach

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Ganz wichtig: die Kerbfahne. Schon beim Auftakt am Samstagnachmittag herrscht gute Stimmung. Gefeiert wird auch 2019 wieder im Zelt, wie bereits seit der Schließung des Eigenheims 2014.

„Heut ist Kerb in Elschbach!“, schallt es aus den elf Kehlen der diesjährigen Kerbborschen beim Einlauf in die Heckenwirtschaft Parrehof – seit Jahrzehnten einer der beliebtesten Höfe auf der Elschbächer Kerb.

Egelsbach – In den vergangenen Jahren war es dort kaum möglich, mit einem Getränk durch das dichte Gedränge in den Gängen zu laufen. Doch in diesem Jahr wird der Besucherzustrom zumindest ein bisschen entschärft: Mit einem Dutzend verschiedener Heckenwirtschaften im Ortskern ist die Kerb 2019 rekordverdächtig aufgestellt.

Egelsbacher Lieblingstage

Die Kerbborschen freuen sich, dass es gerade an ihrer Kerb nicht an Orten fehlt, um die Egelsbacher Lieblingstage zu feiern. Denn mit nur elf Personen ist ihr Jahrgang verhältnismäßig klein aufgestellt. „Theoretisch könnte sich jeder von uns einen Kerbhof aussuchen – das ist doch klasse“, meint der zweite Vorsitzende der 19er, Liliam Trageiser.

Eine Kerb im Eigenheim haben die wenigsten der aktuellen Kerbborsch aktiv miterlebt. Bei den meisten hat eine Zeltkerb (wie sie seit 2014 stattfindet) den Funken der Begeisterung entfacht. „Vor zwei Jahren war ich am Kerbsamstag im Zelt und habe die damaligen Kerbborsch auf der Bühne gesehen. Da wurde mir schnell klar: Da will ich auch mal in Hut und Schärpe stehen“, berichtet Kerbborsch Trageiser freudig.

Mit vereinten Kräften: Kerbborsch und einige erfahrene Helfer stellen den Kerbbaum auf.

Sein Mitkerbborsch Luigi Ottomanelli lebt erst seit fünf Jahren in Egelsbach. „Bei mir hat mein Onkel den Ausschlag gegeben. Er war Kerbborsch und meinte, dass ich das unbedingt auch probieren sollte.“

Egelsbach: Kerbcountdown um Mitternacht

Am Freitag beginnt für die Jugendlichen schließlich das Abenteuer, auf das sie seit der Fahnenübergabe im vergangenen Jahr hinarbeiten. Das volle Kerbzelt feuert den neuen Jahrgang grölend an, als die Anzeige des Kerbcountdowns um Mitternacht auf Null steht. Die erste magische Nacht in den Höfen nimmt ihren Lauf. Doch ausschlafen ist nicht: Am nächsten Morgen steht der traditionelle Kerbumzug an, an dessen Ende der Baum direkt vor dem Kerbzelt aufgestellt wird. Bereits dabei zeichnen sich bei den ersten Kerbborschen leichte Augenringe ab – doch Erholung ist in diesen Tagen für sie Mangelware. Am Abend bringt der Jahrgang sein Programm auf die Bühne. Bei „Spielt mit uns Kerbpolo“ wird das Publikum explizit mit einbezogen. Verschiedene Disziplinen mit Altkerbborschen und Besuchern sollen einen besonderen Reiz ausmachen. Doch nach sportlich-feuchten Programmpunkten wie dem Wassermelonenwettessen haben vor allem die Bühnenhelfer damit zu kämpfen, die rötlichen Essensreste von der Bühne zu kehren.

Geheimnis gelüftet: Traditionell wird erst am Samstagabend auf der Festzeltbühne die Identität des Kerbvadders enthüllt. Es ist: Fabrizio Cosentino.

Vor dem Programm wird außerdem das Geheimnis des diesjährigen Kerbvadders gelüftet: Fabrizio Cosentino wird in Zukunft seine Gruppe anführen – auch nachdem die Kerb am Dienstagabend endet.

Fabrizio Cosentino wird Gruppe anführen

Karneval an Kerb? Ob das funktioniert? Diese Frage stellte sich die Elschbächer Kerbgemeinschaft, der Mutterverein ehemaliger Kerbborschen, bei der Vorarbeit zu ihrem Sonntagsprogramm in diesem Jahr. Ihr Bühnenprogramm mit dem Titel „Elschbach Radau“ karikiert eine klassische Karnevalssitzung inklusive Büttenredner, Elferrat und Gardetänzen. „Die Kerbgemeinschaft EKG und die Karnevalsgesellschaft KGE werden im Ort gerne mal verwechselt“, erklärt der Vorsitzende der Kerbgemeinschaft, Sebastian Gonsior, dazu schmunzelnd. „Mit unserer Fastnachtssitzung an der Kerb wollten wir diesen Rollentausch perfekt machen und das Ganze natürlich auch ein bisschen auf die Schippe nehmen.“

Kerb 2019 in Egelsbach: Bilder

Gesagt getan: Sitzungspräsident Marc Adam tritt in närrischem Outfit mit Narrenkappe auf die Bühne und feixt reimend: „Fastnacht an Kerb, des gab’s noch nie; geht des so weiter, fahren mir im Sommer bald Ski!“ Tusch durch die Kapelle.

Als Highlight des Abends entpuppt sich Solo-Gardetänzer Patrick Steitz, der fraulich verkleidet und mit Spagat und Radschlag über die Bühne gleitet. Nach der dritten Zugabe gibt das Publikum endlich nach und der Tänzer darf von der Bühne. „Elschbach Radau“ schallt es unzählige Male durchs Kerbzelt, bevor auch am Sonntagabend ausgiebig in den Höfen gefeiert wird.

VON TIMO KURTH

Auch Unerfreuliches ist von der Egelsbacher Kerb 2019 zu berichten: Rund 35 Jugendliche lieferten sich am Wochenende eine Schlägerei.

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