„Es geht um unsere Existenz“

DRK schlägt Alarm in eigener Sache

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17 DRK-Altkleidercontainer stehen im Ortsgebiet. „Illegal“, heißt es im Rathaus, weshalb die Sammlung neu ausgeschrieben wird. Dem Roten Kreuz bescheren die Container jährlich die finanzielle Existenzgrundlage.

Alarm gehört zum Tagesgeschäft von Rettungsdiensten. Dass freilich Helfer in eigener Sache Alarm schlagen – so wie es nun der Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes tut –, ist außergewöhnlich.

Egelsbach – Die Egelsbacher Rotkreuzler fürchten um nicht weniger als ihre Existenz. Der Grund: Die Altkleidersammlung im Gemeindegebiet, bislang Domäne des örtlichen DRK, soll laut Beschluss des Gemeindevorstands zum 1. Januar 2020 neu aufgestellt und gemäß der gesetzlichen Vorgaben ausgeschrieben werden. Bliebe der DRK-Ortsverein außen vor, fehlten im 12 000 Euro in der Kasse.

„Das wäre das Ende unseres Vereins in Egelsbach, der Jugendarbeit mit aktuell circa 70 Kindern und vieler weiterer ehrenamtlicher Leistungen“, malt DRKler Michael Schroth in der jüngsten Gemeindevertretersitzung den Teufel an die Wand. „Ist Ihnen bewusst, was da abläuft?“, fragt Roth in die Reihen der Parteien, in deren Rücken zustimmendes Gemurmel erklingt. Der komplette DRK-Vorstand ist angetreten, dazu weitere Mitglieder des Ortsvereins, um die Existenzfrage zu stellen.

Bürgermeister Tobias Wilbrand rückt die Geschichte aus Gemeindeperspektive zurecht: „17 Altkleidercontainer mit dem Schriftzug des Roten Kreuzes sind an elf Standorten auf Gemeindegrund aufgestellt – und zwar illegal, denn es gibt keinerlei Regelung beziehungsweise einen Gestattungsvertrag.“ Dies könne so nicht weitergehen, zumal Dritte von dem attraktiven Geschäft der Altkleiderverwertung ebenfalls etwas abhaben wollten. „Wir brauchen eine saubere Regelung und das Gesetz gibt den Pfad glasklar vor“, umschreibt Wilbrand die Ausgangslage. Diese veranlasste den Gemeindevorstand, im Frühjahr den Beschluss zur Ausschreibung der Altkleidersammlung zu fassen.

"Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt"

„Das wiederum habe ich euch bei eurer Jahreshauptversammlung persönlich mitgeteilt“, ruft Wilbrand den DRKlern zu. „Und seitdem schrillen bei uns die Alarmglocken, denn diese Einnahmen von jährlich etwa 12 000 Euro finanzieren unseren Betrieb“, kontert Schroth. Sein Vorwurf: „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt – niemand hat vorab mit uns darüber gesprochen.“ Abgesehen davon berufe das DRK sich auf eine mündliche Absprache mit Altbürgermeister Rudi Moritz – ein Hinweis, der eher Heiterkeit provoziert.

Tobias Wilbrand skizziert den aktuellen Stand der Dinge: Die Ausschreibung – im Paket mit Langen und Dietzenbach – befinde sich derzeit in der Auswertungsphase. „Die Neuordnung muss in jedem Fall kommen. Aber wir haben von Anfang an im Gemeindevorstand gesagt, dass für das Rote Kreuz alternativ eine Lösung über einen Zuschuss in der genannten Höhe aus dem Gemeindehaushalt denkbar ist. Und das zu entscheiden wird nach der Sommerpause die Aufgabe der Gemeindevertretung sein.“

Holger Borchard


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