Fachkundige Hilfe im Antragsdschungel

Sozialberatung -Ehrenamtliche Mitarbeiter helfen Egelsbachern

+
Fachkundig: Ulrike Pfeiffer und Dieter Lehr beraten Egelsbacher Bürger ehrenamtlich bei allerlei sozialen Themenkomplexen.

Die Flut von Antragspapieren ist nicht leicht zu bewältigen. Die Formulare für eine Rentenbeantragung, zur Anerkennung einer Schwerbehinderung oder auf Wohngeld sind für manche Menschen eine Herausforderung, der sie alleine nicht gewachsen ist.

Egelsbach – Seit Februar kümmern sich Ulrike Pfeiffer und Dieter Lehr mit viel Fachwissen um die Sozialberatung von Egelsbachern in diesen Fragen. Die beiden ehrenamtlich agierenden Helfer der Ortsgruppe der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Egelsbach schließen damit eine große Lücke. Einmal in der Woche öffnet sich das Büro im Familienzentrum in der Lutherstraße 7b: Dienstags von 10 bis 12 Uhr und noch einmal von 16 bis 18 Uhr können sich Hilfesuchende dort melden. Die Ehrenamtlichen kommen auch zu einem Hausbesuch vorbei oder vereinbaren einen Termin außerhalb der Beratungszeiten.

Von Egelsbach nach Dietzenbach für Beratung

„Nach einer Gesetzesänderung ist die Beratungsleistung im Jahr 2015 von den Kommunen auf den Kreis Offenbach übertragen worden“, erläutert Dirk Hartmann, Kreisgeschäftsführer der Awo. „Das bedeutet aber auch, wenn Senioren, Hartz- IV-Empfänger oder auch Eltern Fragen zu den Anträgen haben, müssen sie jedes Mal von Egelsbach nach Dietzenbach in die Kreisverwaltung fahren“, so Hartmann. Nicht nur ein immenser zeitlicher Aufwand, eine Busfahrt nach Dietzenbach kostet auch zehn Euro – eine Ausgabe, die einem Rentner oder Sozialhilfeempfänger auch im Geldbeutel wehtut.

Ein Jahr keine Beratungsmöglichkeit in Egelsbach

Drei Jahre lang ist der VdK in Egelsbach mit Beratungsleistungen eingesprungen – bis sich der Ortsverband auflöste. Gut ein Jahr lang gab es in der Gemeinde keine Beratung mehr. „Dann war es so, dass die Hilfesuchenden bei uns im Bürgerbüro vor der Tür standen“, sagt Verwaltungsangestellte Ulrike Pfeiffer. Doch in ihrer Arbeitszeit darf sie diese Beratung aufgrund der genannten Gesetzesäderung nicht mehr leisten. Sie wandte sich mit ihrem Anliegen an Hans-Jürgen Haas, den Awo-Vorsitzenden in Egelsbach: „Wir haben die Idee, ein Beratungsangebot zu initiieren, dann an unseren Kreisverband weitergetragen“, berichtet Haas.

Dirk Hartmann fand nicht nur die Idee gut, er konnte auch mit einem kleinen Geldregen helfen. Der Awo-Bezirk Hessen Süd hat gerade einen Innovationsfond ins Leben gerufen. Mit 3 000 Euro für dieses und weiteren 2 000 Euro für nächstes Jahr konnten Flyer gedruckt und Rechner angeschafft werden. Die Unterstützung durch den Bezirk ist auf zwei Jahre begrenzt. „Wir hoffen, dass das Beratungsangebot in zwei Jahren fest verankert ist und es vielleicht auch dafür sorgen wird, dass wir wieder ein paar neue Mitglieder gewinnen“, wünscht sich Haas. Mit derzeit 60 beitragszahlenden Menschen ist noch Luft nach oben.

Hilfe zur Selbsthilfe

Dirk Hartmann betont, dass diese Form der Sozialberatung der Awo Egelsbach gut zu Gesicht stehe: „Wir sind der größte Sozialverband Hessens, wir werden dieses Jahr 100 Jahre alt. Es ist unsere Aufgabe, den Menschen vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Und genau das machen Ulrike Pfeiffer und Dieter Lehr hier.“

Das neue Angebot wird jedenfalls gut angenommen: Seit Februar konnten Pfeiffer und Lehr schon 40 Bürgern beim Ausfüllen von Anträgen helfen. „Viele Leute wissen auch einfach gar nicht, welche Hilfe ihnen vom Staat zusteht. Da können wir mit einem Antrag auf Wohngeld oder einem Antrag auf Unterstützung zur Betreuung von Kleinkindern für eine echte Entspannung der finanziellen Situation von jungen Familien sorgen“, berichtet Lehr aus ihrem Alltag. Gut sei auch die räumliche Nähe zur Awo-Kita im gleichen Haus – da bekommen auch Eltern Zugang zu dem neuen Angebot, denn auch bei Elterngeld, Elternzeit und Kindergeld können die beiden Egelsbacher beraten.

von Nicole Jost

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare