Wilbrand räumt ein: Zu wenig Geld und Personal

Streit um Grünflächen-Pflege in Egelsbach und Langen entfacht

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Symbolbild: In Egelsbach und Langen wird die Pflege des öffentlichen Grüns zum Streitthema. 

Die Pflege öffentlichen Grüns wächst sich in Langen und Egelsbach zum Sommerthema aus.

Egelsbach – Während am Sterzbach der von den Grünen angefachte Disput um sterbende Bäume trotz postwendender Antwort der Kommunalen Betriebe noch nicht in Gänze ausgestanden scheint, laufen in Egelsbach die sozialen Medien über das Thema ungemähte Grünflächen heiß. Bürgermeister Tobias Wilbrand berichtet von überdurchschnittlich vielen Beschwerdeanrufen im Rathaus und – schlimmer noch –offen ausgesprochenen Schmähungen gegenüber dem Bauhof-Personal. Da allerspätestens an diesem Punkt eine rote Linie überschritten ist, sieht der Rathaus-Chef sich genötigt, einiges klarzustellen.

„Allein die drei am häufigsten kommentierten Posts in den sozialen Medien kommen auf fast 400 Kommentare“, stellt Wilbrand kopfschüttelnd fest. Sachliche Beschwerden könne er sehr wohl nachvollziehen, aber: „In den Foren wird teilweise sehr unsachlich argumentiert.“ Beschwerden über ungemähte Wiesen und Hecken oder vertrocknete Pflanzen seien keineswegs ein neues Phänomen, gibt der Bürgermeister zu bedenken – und kehrt grundsätzlich erstmal vor der eigenen Haustür: „Tatsächlich entsprechen die finanziellen und personellen Mittel der Gemeinde bei Weitem nicht dem Bedarf. Seit Jahren wurde im Zuge der Haushaltskonsolidierung in diesem Bereich gespart. Die Konsequenzen werden von Jahr zu Jahr deutlicher.“

Ein Freibrief, Mitarbeiter des Bauhofs zu beleidigen, leite sich daraus freilich noch lange nicht ab, appelliert Wilbrand an Vernunft und Anstand der Egelsbacher und liefert Fakten: Aktuell seien am Bauhof sieben Gärtner beschäftigt. „Im Schnitt sind wegen Krankheit und Urlaub vier von ihnen im Einsatz. Und wer jetzt auf die Idee kommt, den Gärtnern während der Vegetationsperiode eine Urlaubssperre aufzuerlegen, dem sei gesagt, dass im Bauhof schon in den drei Wintermonaten Urlaubssperre gilt, da nur so der Winterdienst sichergestellt werden kann.“

Über ein Jahrzehnt nicht verändert habe sich die Zahl der Mitarbeiter für die Grünpflege. Und: „Die Gelder für die Fremdvergabe der Grünpflege waren in den letzten Jahren schwankend, aber tendenziell rückläufig, während der Ort massiv gewachsen ist.“ So seien viele Kitas, Spielplätze, Ausgleichsflächen und Grünanlagen hinzugekommen, für die die Gemeinde verantwortlich sei.

Als Aufgaben der Gärtner führt Wilbrand unter anderem das Wässern von 47 Kübeln, 78 Bäumen und 39 Grünflächen an – „damit ist ein Mitarbeiter die ganze Woche beschäftigt“. Die Liste lasse sich spielend erweitern um 16 Spielplätze, das Sportgelände, diverse Plätze und Grünflächen, das Straßenbegleitgrün und so weiter.

„Wer selbst einen Garten hat, der weiß, dass bei diesen Wetterbedingungen mindestens einmal täglich gewässert und einmal die Woche gemäht werden muss“, sagt Wilbrand. „Das ist bei der personellen und finanziellen Ausstattung der Gemeinde gar nicht möglich. Unser Mähturnus liegt zurzeit bei sechs Wochen.“

Von Holger Borchard

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