Große Gefühle auf Fotos

Hochzeitsfotograf: „Es ist ein verlorenes Jahr“

Mehr als klassische Paarfotos: Hochzeitsfotograf Matthias Raith will ganz besondere Momente des großen Tages festhalten. Rund 5 000 Bilder macht er jeweils dafür. 
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Mehr als klassische Paarfotos: Hochzeitsfotograf Matthias Raith will ganz besondere Momente des großen Tages festhalten. Rund 5 000 Bilder macht er jeweils dafür. 

Matthias Raith gilt als einer der besten Hochzeitsfotografen in Hessen. Dass jeder Gast mit dem Handy selbst Fotos machen kann, hat jedoch die Arbeit von Hochzeitsfotografen verändert.

Egelsbach – Bilder voller Liebe und Emotionen – Fotograf Matthias Raith fängt die wertvollsten Momente des Lebens mit seiner Kamera ein. Dabei sind es nicht unbedingt konventionelle Brautshootings, die der Egelsbacher vor die Linse nimmt, der Fotograf versteht es, ganz besondere Erinnerungen vom schönsten Tag des Lebens zu schaffen. Mit seiner Kreativität steht er jetzt in der Liste der besten Hochzeitsfotografen Deutschlands, das Hochzeitsportal hochzeits-fotograf.info wählte ihn in die Top drei seiner Berufsgruppe in Hessen. Dabei im Fokus: ein spannendes Drohnenbild, das ein glückliches Paar im Hochzeitsoutfit auf einem Bootssteg liegend von oben zeigt.

Was macht Matthias Raith so erfolgreich? „Die Fotografie hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert“, erklärt der Fotograf, der als Autodidakt hinter der Kamera sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Der Einzug der digitalen Fotografie, die Tatsache, dass wohl jeder zweite Hochzeitsgast mit seinem Handy ein Foto vom glücklichen Paar macht, hat die Arbeit der Hochzeitsfotografen gewandelt. 

„Während früher das Paar zu einem Shooting im Grünen gebeten wurde und es um klassische Paarfotos ging, mache ich heute eher eine Fotoreportage. Ich begleite die Paare an ihrem so besonderen Tag“, berichtet Raith. Er hat Zutritt an Orte, wo es noch nicht einmal der Bräutigam hinschafft: In den privatesten Raum der Braut, wo sie sich mit ihren Trauzeuginnen fertigmacht für das Ja-Wort, wo er all die Aufregung, das Schließen des Kleides oder das Auftragen des Lippenstifts im Bild festhalten kann.

Matthias Raith hat Freude hinter der Kamera.

„Der für mich persönlich schönste Moment ist oft der Augenblick, in dem der Bräutigam seine Braut das erste Mal im Kleid sieht. Das ist so persönlich, und mit diesem Ausdruck in den Augen nicht zu wiederholen. Ich möchte diesen Moment und die Gefühle dabei auf den Fotos sichtbar machen“, beschreibt er seinen Auftrag.

Wichtig ist es ihm, schon vorher durch ein Gespräch und Probeshooting eine Beziehung zu dem Paar aufzubauen. Je größer das Vertrauensverhältnis ist, desto natürlicher und lockerer ist das Paar am entscheidenden Tag vor der Kamera. „Denn technisch gut zu fotografieren ist die Grundvoraussetzung, aber eine entspannte Beziehung zwischen dem Paar und mir lässt die guten Fotos entstehen“, hat er die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, vorab Zeit zu investieren. 

Jede Hochzeit sei anders, egal ob mit 120 Gästen auf einem Schloss oder mit 30 Freunden im heimischen Garten – jede einzelne habe ihre besonderen Situationen, die es sonst auf keiner anderen Hochzeitsfeier gibt und die schön sind. „Manchmal sind es die super Musiker, die eine einmalige Stimmung verbreiten, ein Auftritt in der Kirche oder die Rede des Bruders des Bräutigams, die alle Herzen der Anwesenden berührt“, sagt Raith.

Mit seiner besonderen Perspektive hinter der Kamera und dem Gespür aus der Erfahrung von 150 fotografierten Hochzeiten bannt er diese Gefühle auf die Fotos. „Für mich ist es spannend zu erleben, dass ich am Ende eines solchen Tages immer weiß, warum das Paar heiratet und wie tief die Verbindung ist. Das freut mich jedes Mal aufs Neue“, sagt Raith mit einem Lächeln. Während der eigentliche Arbeitstag mit rund 5 000 Aufnahmen gut zwölf Stunden dauert, rechnet Raith für die Bearbeitung der Fotos von der Hochzeitsfeier zwei weitere Tage ein. Das geschieht am Schreibtisch in seinem Studio im Kurt-Schumacher-Ring in Bayerseich.

Geheiratet wird ja nun mal meist über die Sommermonate; im Herbst und im Winter verdient der Fotograf seine Brötchen mit Kindergartenfotografie. Wie er die Kleinen dazu bewegt, fröhlich und frech in die Kamera zu schauen, weiß Matthias Raith, ist er doch selbst Vater von drei Kindern im Alter zwischen drei und sieben Jahren.

In Pandemie-Zeiten allerdings funktioniert weder das eine Geschäft noch das andere. „Es ist für mich ein verlorenes Jahr“, ist der Egelsbacher angespannt. Alle Hochzeiten, die er bereits im Auftragsbuch hatte, sind verschoben.

Um die Zeit zu überbrücken, bis Eheschließungen mit Party und Fotos im Kindergarten wieder möglich sind, hat Matthias Raith die Facebook Seite „Zusammen in Langen – Egelsbach – Dreieich“ gegründet. „Für mich ist es die Gelegenheit, zu netzwerken und Kontakte in der Region zu knüpfen. Die Unternehmer schicken mir eine Beschreibung und ich mache die Fotos dazu. Bisher läuft es ganz gut und wir haben eine überraschend gute Reichweite“, berichtet der Fotograf, der diesen Job derzeit ehrenamtlich macht.

VON NICOLE JOST

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