Corona-Maßnahmen

Vom Musterkind zum Sorgenfall

Collage mit Corona-Beschränkungen.
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Auch in Egelsbach werden fortan wieder strengere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus gelten.

Rasant steigende Infektionszahlen sorgen für weitere Einschränkungen im Ort.

Egelsbach – So schnell kann es gehen: Erst am Montag hatte Bürgermeister Tobias Wilbrand (Grüne) einen stufenweisen Maßnahmenkatalog vorgestellt, mit dessen Hilfe die Ausbreitung des Coronavirus im Ort eingedämmt werden sollte. Und schon am Dienstagabend sah sich der Rathauschef gezwungen, quasi alle Maßnahmen in die Wege zu leiten. „Bisher sind wir recht gut durchgekommen“, sagt Bürgermeister Wilbrand. Nun habe sich Egelsbach „binnen etwas mehr als einer Woche in Sachen Corona von einem Musterkind zu einem Sorgenfall“ entwickelt. Die Entwicklung sei „innerhalb von wenigen Tagen durch die Decke gegangen“.

Hatte es seit Pandemiebeginn stets nur vereinzelte Infektionsfälle im Ort gegeben, nahm der Anstieg der Fallzahlen in den vergangenen Tagen rasant an Fahrt auf: Am Dienstag kamen vier weitere Neuinfektionen dazu, wodurch es nun mindestens zehn „aktive“ Fälle in Egelsbach gibt. Ob am Mittwoch weitere Fälle hinzukamen, stand bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest.

Sicher, zehn Infizierte – wovon ja längst nicht alle erkrankt sein müssen – unter 11 500 Einwohnern sind erst einmal nicht viel. „Das ist sicher keine Katastrophe“, betont Wilbrand. „Aber es ist eine Entwicklung zu erkennen.“ Er mache sich keine Sorgen, „dass uns die Leute wegsterben wie Fliegen. Aber ich mache mir Sorgen, dass wir es bald nicht mehr kontrollieren können.“

Vom Kreis-Gesundheitsamt hat Wilbrand die Auskunft bekommen, dass sich die Neuinfektionen im Ort nicht auf einen einzelnen „Cluster“ zurückführen lassen – etwa auf eine Party, auf der sich viele der Infizierten aufgehalten haben. „Das ist eher ein ungutes Zeichen“, sagt Wilbrand, „weil das bedeutet, dass es sich schon ein bisschen verteilt hat“. Bei den Infizierten handele es sich vor allem um Unter-30-Jährige.

Viele der Maßnahmen, die nun in Egelsbach in Kraft treten, seien in anderen Kommunen ohnehin schon gang und gäbe. „Das haben wir uns ein Stück weit geleistet, weil es bisher relativ ruhig war“, so Wilbrand. Nun aber besäße Egelsbach eine der höchsten Inzidenzen im Kreis. Wilbrand geht von einem Wert über 80 aus. „Deshalb halte ich die Maßnahmen für notwendig und gerechtfertigt.“

Die neuen Regelungen gelten vorerst für zwei Wochen. Am 28. Oktober will der Verwaltungsstab entscheiden, ob sie aufgehoben werden können oder verlängert werden. Ein Überblick:

  • Seit gestern dürfen Rathaus und Bürgerbüro nur noch mit Termin betreten werden. Ab Montag, 19. Oktober, wird die Verwaltung für zwei Wochen vollständig für den Publikumsverkehr geschlossen. Für unaufschiebbare Notfälle können weiterhin Termine vereinbart werden, dabei gilt eine Maskenpflicht.
  • Alle Veranstaltungen in Bürgerhaus, Waldhütte, DRK-Raum und Zentrum im Brühl werden bis zum 1. November abgesagt. Die einzige Ausnahme könnte laut Wilbrand für Mitgliederversammlungen von Parteien gemacht werden, die ihre Listen für die anstehende Kommunalwahl aufstellen müssen.
  • Das Angebot von VHS und Musikschule wird derzeit noch überprüft. Kann dabei kein Abstand gehalten oder keine Maske getragen werden, wird die jeweilige Veranstaltung vom 19. Oktober bis zum 1. November ausgesetzt.
  • Beim Thema Kinderbetreuung wird es aufgrund von Streiks und Urlaub erst am Wochenende möglich sein, neue Maßnahmen zu koordinieren. Zur Debatte stehen die gruppenübergreifenden Gruppen in den Randzeiten.

(Von Manuel Schubert)

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